08.08.2018 - 17:56 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Von Leonard Bernstein gelernt

Nicoletta Conti ist Italienerin, ihr Herz gehört der heimischen Operntradition. Im Augenblick hat sie aber anderes im Kopf.

Dirigentin Nicoletta Conti gibt am Samstag ihren SRIMF-Einstand.

Beim Abschlusskonzert des Sulzbach-Rosenberg International Music Festivals (SRIMF) am Samstag, 11. August, wird die renommierte Dirigentin beweisen, dass sie auch deutsche Klassiker einfühlsam auf die Bühne der Christuskirche bringen kann. In der 13. SRIMF-Auflage steht damit erstmals eine Frau am Pult des Finalkonzerts. Die SRZ hat sich mit Nicoletta Conti zum „Vorstellungsgespräch“ getroffen.

ONETZ: Frau Conti, wie sind Sie zum Dirigieren gekommen?

Nicoletta Conti: Ich habe in meiner Heimatstadt Bologna und in Mailand Klavier, Komposition und Dirigieren studiert. Meine Lehrer fanden, ich hätte Talent fürs Dirigieren, und so setzte ich meine Ausbildung in Rom, Salzburg, Nizza und Tanglewood fort. Ich kann es nicht genau in Worte fassen, aber ich hatte es irgendwie in mir, ich fühlte die Energie dazu.

ONETZ: Wie schwer war und ist es, sich als Frau in einer Männerdomäne zu behaupten?

Nicoletta Conti: Es ist vielleicht nicht mehr ganz so schwierig wie vor 20 Jahren, aber es ist immer noch schwer. Einige Häuser und Orchester werden wohl nie eine Frau am Pult akzeptieren. Ich versuche einfach, mein Bestes zu geben, ohne mich zu beklagen. Ich muss das Orchester davon überzeugen, dass ich einen guten Job mache.

ONETZ: Die Orchester sind ja zusehends weiblicher besetzt – könnte das auch helfen?

Nicoletta Conti: Die Zeit wird die Situation natürlich verändern. Aber das geht nicht in zwei oder drei Jahren, das ist eine Sache von Generationen.

ONETZ: Sie wurden 1989 von Leonard Bernstein als Assistentin bei der Akademie Santa Cecilia in Rom ausgewählt. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?

Nicoletta Conti: Mit einem Wort: Leonard Bernstein war ein Genie! Ein starker Charakter. Von ihm habe ich übernommen, wie man einen Komponisten studiert, wie man sich vorbereitet. Die Geschichte rund um den Komponisten, einfach alles beeinflusst die Musik.

ONETZ: Lieber Oper oder Symphonik?

Nicoletta Conti: Ich bevorzuge die Oper. Da bin ich in alle Aspekte des Theaters eingebunden, die Bühne, die Sänger – und es gibt ein Libretto. Eine Geschichte also, die die Musik transportiert.

ONETZ: Wie sind Sie jetzt zum SRIMF gekommen?

Nicoletta Conti: Misha Quint (künstlerischer Leiter des SRIMF, Anmerkung der Redaktion) und Caitlin McConnell haben mich in Pittsburgh gesehen und mich anschließend gefragt. Und ich habe sofort Ja gesagt.

ONETZ: Und wie fallen Ihre ersten Eindrücke von Sulzbach-Rosenberg und SRIMF aus?

Nicoletta Conti: Ich fühle mich sehr wohl, die Menschen sind so freundlich und kümmern sich so um uns. Und natürlich machen Misha Quint und Christl Pelikan-Geismann (Festival-Koordinatorin, Anmerk. d. Red.) dieses Festival zu etwas ganz Besonderem.

ONETZ: Lassen Sie uns einen Blick auf das Programm des Abschlusskonzerts werfen. Wer hat die Auswahl getroffen?

Nicoletta Conti: Wir haben offen diskutiert. Klar war, dass das Brahms-Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester im Mittelpunkt steht. Als Einrahmung habe ich Felix Mendelssohn-Bartholdy und Gioachino Rossini vorgeschlagen. Bei Mendelssohn lag mir als Italienerin allerdings die „Italienische“ einerseits zu nah und andererseits zu entfernt vom Heimatflair, deshalb habe ich mich für die „Schottische“ entschieden. Und auf Rossini fiel die Wahl, weil wir ja im November seinen 150. Todestag begehen. Außerdem ist die italienische Musik so schön leicht, allerdings nicht in technischer Hinsicht: Für die Studenten ist es eine Herausforderung, Rossini hat ja so viele Noten!

ONETZ: Wie schwierig ist es mit dem Brahms-Doppelkonzert, wenn die beiden Solisten Nikolaj Znaider und Misha Quint kaum gemeinsam proben können?

Nicoletta Conti: Das werden wir sehen, wenn Nikolaj Znaider hier ist. Ich freue mich schon sehr darauf, diesen großen Violinisten kennenzulernen. Meine Ideen zur Interpretation habe ich im Kopf, dank meiner Opernerfahrung bin ich es aber auch gewohnt, die Solisten zu respektieren. Im Übrigen muss man als Dirigentin immer auf Überraschungen gefasst sein. Beispielsweise können Tempi durchaus auch von der besonderen Akustik wie hier in der Kirche beeinflusst werden.

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