05.10.2018 - 10:40 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Magische Tango-Momente

Ein besonderer Abend im Capitol: Tango-Konzert mit einem Künstler-Duo aus Argentinien und einem Instrument, das einst im Erzgebirge entwickelt worden ist.

Gabriel Merlino, ein Meister am Bandoneon, und Vanina Tagini mit ihrer großen Stimme bringen den argentinischen Tango auf die Bühne im Capitol.
von Helga KammProfil

"Eine besondere Ehre" nannte es Georg Leugner-Gradl, dass Künstler, die in den großen Städten der Welt auftreten, den Weg in die Provinz gefunden haben. Der Chef der Steinlinger Balginstrumente hatte das Duo Gabriel Merlino und Vanina Tagini für seinen Verein Kultopf nach Sulzbach-Rosenberg geholt. Die Besucher erlebten ein Konzert der Extraklasse, in dem Argentinien, der Tango, das Bandoneon und eine wunderbare Stimme im Mittelpunkt standen.

Vor 100 Jahren in den Hafenbordellen von Buenos Aires entstanden, hat der Tango Argentino zunächst die Salons der Aristokratie, dann die Tanzpaläste der Großstädte erobert. Mittlerweile ist das Tangofieber überall in Europa ausgebrochen. Die musikalische Seele des Tango Argentino ist das Bandoneon, die südamerikanische Version des Akkordeons.

Gabriel Merlino (41) beherrscht dieses Instrument wie kaum ein Zweiter. Er gastiert in den größten Hallen als musikalischer Leiter und Bandoneon-Solist mit "Tango Pasión", der wohl bekanntesten Tango-Show überhaupt.

Seine Partnerin, die charismatische Sängerin Vanina Tagini (36), entstammt einer traditionsreichen Tango-Familie in Buenos Aires. Die Enkelin des legendären Tango-Poeten Armando Tagini ist die Stimme in internationalen Tango-Produktionen und weltweit auf großen Bühnen unterwegs. 2009 machte sie ihre erste Europa-Tournee mit Gabriel Merlino, gab in den Folgejahren mehr als 200 Konzerte in ganz Europa und veröffentlichte auch mehrere CDs.

Merlino und Tagini zusammen brachten "The soul of Tango" ins Capitol. In gutem Deutsch erklärte Gabriel Merlino die Beiträge, sprach von deren Komponisten wie Piazolla und Django Reinhardt und schilderte den Inhalt der Lieder. Meist ging es dabei um die Liebe, aber auch die Blondinen aus New York wurden besungen, ein argentinischer Dandy und ein verlorener Vogel.

Der "Magier am Bandoneon", bedient sich dabei einer musikalischen Sprache, die sowohl rhythmische und melodische Merkmale traditioneller Tangomusik, als auch moderne Elemente des "Tango Nuevo" sowie Weltmusik verbindet. Seine Finger gleiten über die Knöpfe, kraftvoll wird die Harmonika, das 144-tönige Instrument, auseinandergezogen, so dass sie sich mit Luft füllt. Der Klang des Bandoneons ist sanft bis stark, schwermütig und mysteriös zugleich, eine ausdrucksvolle musikalische Sprache, die besonders in den Solopartien zur Geltung kommt.

Denn natürlich gilt die besondere Aufmerksamkeit der zierlichen, langhaarigen Sängerin an seiner Seite. Vanina Tagini besitzt eine große Stimme, hat Ausstrahlung und kann die oft leidvollen, gelegentlich süßen, immer lebendigen Tango-Themen authentisch und leidenschaftlich interpretieren. "Wenn du nicht da bist", einer der schönsten romantischen Tangos der Geschichte in ihrer Muttersprache, oder die Komposition Samba plus Tango, von ihr ohne Begleitung gesungen - alle ihre Darbietungen waren ein Geschenk an die Zuhörer im Saal.

Diese honorierten den großartigen Abend und die Zugaben mit viel Applaus. Der galt ebenso den Machern von Kultopf, die das Risiko einer Veranstaltung auf sich nahmen, die nicht die große Masse anspricht.

Stichwort:

Das Bandoneon wurde 1845 im Erzgebirge als wechseltönige Handharmonika vom Carlsfelder Instrumentenbauer Carl Zimmmermann entwickelt. Durch Auswanderer aus Europa nach Südamerika gelangte das Bandoneon aus deutscher Produktion nach Argentinien und wurde dort zum wichtigsten Instrument für den „Tango Argentino“. (hka)

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