(ll) Sind heutzutage die Abiturienten so gut? Oder nur die Noten? Wenn an einem Gymnasium ein Drittel des Abschluss-Jahrgangs die 1 vor dem Komma hat, kann man dann schon von einer Sehr-gut-Inflation sprechen? Oder gar von einem "Schonraum Schule", der von den Anforderungen her nicht genügend auf den folgenden Ernst des Lebens vorbereitet? Eher nicht, meinen die Direktoren der hiesigen Gymnasien.
Zum Beispiel Wolfgang Wolters, der Leiter des Max-Reger-Gymnasiums. Hier hatten 27 von 83 Absolventen die 1 vor dem Komma. Der Gesamtschnitt lag bei 2,23. Im Vergleich mit 2017 ein deutlicher Ausreißer nach oben. "Ein ausgesprochen leistungsstarker Jahrgang" mit "einigen Überfliegern" habe dem MRG dieses Ergebnis beschert, sagt Wolters. Plus eine Entwicklung, die mit dem G8 einherging: "Seither ist die Mitte nicht mehr so stark, aber wir haben immer einen großen Teil sehr Gute und einen großen Teil, bei dem man bis zur letzten Minute nicht weiß, ob sie es schaffen." So mussten heuer zehn Abiturienten in die mündliche Nachprüfung. Zum Teil führt der Direktor die guten Noten auch auf eine Spezialität des musischen Gymnasiums zurück: "Wer bei uns in die Oberstufe kommt, hat eine Grunddisziplin, die mit der Musik zusammenhängt. Da kann man auch keine halben Sachen machen."
Mündlich zählt mehr
Am Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium haben 14 von 40 Absolventinnen den Eins-Komma-Schnitt. "Das ist innerhalb dieses Systems nicht ungewöhnlich", sagt Direktor Günter Jehl. So seien mit dem G8 die mündlichen Leistungen gegenüber den schriftlichen stärker gewichtet worden, was den Schülern zugute komme. Auch den DJD-Gesamtschnitt von 2,2 wertet Jehl als normal, ebenso die zwei 1,0-Absolventinnen. "Ich persönlich hätte aber ein Fragezeichen, wenn zehn Prozent eine 1,0 schaffen."
Für Ulrich Winter, den stellvertretenden Leiter des Erasmus-Gymnasiums, liegt es im Trend der vergangenen Jahre, wenn 21 von 61 EG-Absolventen eine 1 vor dem Komma haben. Das entspreche den erkennbaren Begabungen der Schüler ebenso wie der guten Vorbereitung und der Möglichkeit, in kleinen Klassen besser auf Lernschwierigkeiten einzugehen. "Das ist also ganz normal, nichts Beunruhigendes."
Am Sulzbach-Rosenberger HCA-Gymnasium (Gesamtschnitt 2,32; von den 96 Absolventen haben 21 eine 1 vor dem Komma) sieht Direktor Dieter Meyer in guten Abschlüssen eine Bestätigung für die Arbeit der Lehrer und auch für die systematischen Verbesserungen im Bildungswesen wie etwa die Lehrpläne, die schon im Grundschulbereich eng auf die Zusammenarbeit mit Gymnasium oder Realschule ausgerichtet sind. Meyer freut sich mit den Abiturienten: "Man sollte den Schülern ihre Noten auch gönnen."
"Keine Inflation"
Peter Welnhofer, der Leiter des Amberger Gregor-Mendel-Gymnasiums, hält es schon für "sehr außergewöhnlich", wenn ein Drittel der Absolventen einen Eins-Komma-Schnitt hat. Am GMG sind es 18 von 68 bei einem Gesamtschnitt von 2,48, was Welnhofer im Vergleich mit anderen Jahren in den "normalen Bereich" einordnet. Es gebe da immer wieder Wellenbewegungen, "doch bayernweit kann ich keine Inflation der sehr guten Noten erkennen".













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