13.03.2020 - 11:32 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Mara Aranda hält Klänge einer untergegangenen Welt am Leben

Flucht, Vertreibung und Migration - das ist ein uraltes Menschheitsthema, von dem auch die spanischen Juden ein Lied singen können. Mara Aranda tut das für sie.

Mara Aranda wird in der Synagoge von Jota Martínez und Carlos Ramírez an verschiedenen Saiteninstrumenten begleitet.
von Autor COGProfil

Jahrhundertelang lebten Juden in Spanien, bis sie 1492 vor die Wahl gestellt wurden, zum Christentum zu konvertieren oder auszuwandern. Viele blieben dem Glauben ihrer Vorfahren treu und zogen durch Europa über die Niederlande und Griechenland bis nach Istanbul, andere gingen über das Mittelmeer nach Nordafrika. Dabei bewahrten sie sich nicht nur ihre Religion, sondern auch ihre musikalischen Traditionen. Inzwischen verschwindet die sephardische Kultur aber.

Die spanische Sängerin Mara Aranda, die spanische Stimme der Sepharden, hält mit ihrem unverwechselbaren Gesang diese jahrhundertealte Kultur lebendig. In der ehemaligen Synagoge nimmt sie das Publikum mit auf eine musikalische Reise von Spanien bis in die Türkei. Dabei verzichtet sie weitgehend auf Erläuterungen und lässt (fast) nur die Musik sprechen.

Viel Gefühl und Kraft im Vortrag

Der Abend beginnt mit einer Romanze, die aus dem Mittelalter stammt; also aus der Zeit vor der Vertreibung der Juden aus Spanien. Dort wird sie bis heute gesungen, sie wanderte aber auch mit den Vertriebenen nach Osten. Hochzeitslieder, Liebeslieder, muntere Tanzlieder, aber auch ein Lied über die nicht immer einfache Beziehung zwischen Schwiegertochter und Schwiegermutter singt Mara Aranda mit ihrer ausdrucksstarken, flexiblen Stimme. Sie scheint die Lieder zu leben, so viel Gefühl und Kraft legt sie in ihren Vortrag. Dabei akzentuiert sie den Gesang mit verschiedenen Rahmentrommeln, schließlich auch mit Kastagnetten.

Begleitet wird die Sängerin kongenial von zwei virtuosen Instrumentalisten, die unterschiedlichste Saiteninstrumente mitgebracht haben. Jota Martínez spielt Instrumente, die schon im Mittelalter in Spanien üblich waren, wie Drehleier und verschiedene altertümliche Gitarren. Er steht für die Herkunft der Sepharden. Carlos Ramírez hingegen arbeitet mit der Baglama und dem Tambur de Arco aus der Türkei oder dem Zupfinstrument Laouto von der Insel Kreta; also Instrumenten aus dem östlichen Mittelmeerraum und dem Orient, wohin die Reise die Vertriebenen führte.

Kunstgenuss und Aufruf zugleich

Gesang und Saitenklang verbinden sich zu orientalischen Harmonien, die die Zuhörer in die Ferne entführen, wo sich Palmen in sanftem Wind wiegen, die Sonne glüht und die älteren Frauen sich in einem schattigen Hof treffen, um die Hochzeit ihrer Kinder zu arrangieren. Die melancholischen Klänge einer untergegangenen Welt mit ihren stets spürbaren Untertönen von Tragik machen bewusst, dass Juden auch heute in vielen Teilen der Welt Verfolgung, Diskriminierung und Hass ausgesetzt sind - zunehmend auch in Deutschland. So ist das Konzert von Mara Aranda nicht nur ein Kunstgenuss, sondern zugleich ein Aufruf zu Frieden und Toleranz.

Mara Aranda wird in der Synagoge von Jota Martínez und Carlos Ramírez an verschiedenen Saiteninstrumenten begleitet.
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