17.06.2020 - 14:19 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Narcisa Gavrilă fühlt sich in Sulzbach-Rosenberg wohl

Eine Ausbildung und mehrjährige Berufserfahrung in einem Mangelberuf, Zielstrebigkeit und Fleiß - wer solche Voraussetzungen mitbringt, hat keine Schwierigkeiten, in einem anderen Land Fuß zu fassen. Narcisa Gavrilă ist ein Beispiel.

Narcisa Gavrilă aus Rumänien ist sehr froh, dass sie wieder als Krankenschwester arbeiten kann.
von Autor COGProfil

Narcisa Gavrilă, Krankenschwester aus Rumänien, hat schwer kämpfen müssen, um in Deutschland schließlich Erfolg zu haben. 2007 verließ sie mit Mann und Sohn zusammen Rumänien, weil sie trotz ihrer guten Ausbildung nicht genug zum Leben verdiente. Die Familie ging nach Spanien. Spanisch ist eng mit Rumänisch verwandt, so dass alle Familienmitglieder die Sprache schnell lernen konnten. Schwierig war aber die Anerkennung der Ausbildung als Krankenschwester. Acht Jahre lang ist Gavrilă immer wieder die 360 km von ihrem Wohnort Valencia nach Madrid gefahren, um dort verschiedene Prüfungen zu machen, die für die Anerkennung erforderlich waren, aber immer wieder haben sich die Vorgaben geändert, so dass sie nie ans Ziel kam. Schließlich gab sie auf. Sie arbeitete deshalb die ganze Zeit in Spanien in einer Behinderteneinrichtung.

Die Familie hat sich in Valencia wohlgefühlt und wäre nicht weggegangen, wenn sie nicht aufgrund der Wirtschaftskrise in Spanien ständig Angst gehabt hätten, ihre Arbeit zu verlieren. Am 1. März 2015 zog Gavrilă erst einmal allein nach Deutschland. Mann und Sohn blieben zunächst in Spanien, weil der Mann noch Arbeit hatte und der Sohn die 10. Klasse beenden sollte. Die Wahl fiel auf die Oberpfalz, weil Gavrilăs Schwester mit ihrer Familie hier lebte. Mit ihrer Unterstützung fand sie eine Stelle als Pflegehelferin im Seniorenheim.

Die deutsche Sprache war natürlich das eine ganz große Problem, zumal Gavrilă nicht nur im Deutschkurs Hochdeutsch lernen musste, sondern auch noch im Umgang mit den Senioren Bayerisch. Auch die Anerkennung der Ausbildung war schwieriger als erwartet. Als sie nicht mehr weiterwusste, lernte sie Maria Bogner kennen, die Jobbegleiterin des Landkreises. Die unterstützte sie nicht nur beim Lebenslauf und den Bewerbungen, sondern stellte auch fest, was alles für die Anerkennung nötig ist, und half ihr bei der Suche nach der erforderlichen Praktikumsstelle. Fünf Monate war sie im Bezirksklinikum Regensburg für die Ergänzung der praktischen Ausbildung. Dort konnte sie sehr viel lernen und kann jetzt wieder in ihrem Beruf arbeiten, und zwar im Amberger Klinikum St. Marien. „Die Anerkennung hat drei Jahre gedauert. Das sollte schneller gehen, denke ich“, sagt sie rückblickend und ergänzt: „In Verbindung mit der Sprache ist Arbeit das Wichtigste für die Integration.“ Das Team an ihrem Arbeitsplatz unterstützt sie, wenn sie Schwierigkeiten hat. Im Krankenhaus hat sie nie das Gefühl, Ausländerin, fremd oder gar unwillkommen zu sein. Sie fasst zusammen: „Ich habe viel geschafft und bin stolz auf mich.“ Zu Recht!

So ist sie, aber auch ihr Mann zufrieden mit dem Leben in Deutschland. Sie hätte gern mehr Kontakt zu anderen Rumänen. Immerhin hat sie im Deutschkurs zwei gute Freundinnen gefunden, und zwar eine Rumänin und eine Argentinierin, mit denen sie die beiden Sprachen sprechen kann: Spanisch und Rumänisch. Nur ein Problem bedrückt die Familie im Moment. Der Sohn, seit zwei Jahren in Deutschland, spricht inzwischen fließend Deutsch und hat hier seine Mittlere Reife gemacht. Trotz aller Mühe hat er aber immer noch keine Lehrstelle gefunden. Die besorgten Eltern haben das Gefühl, es als Ausländer doppelt schwer zu haben.

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Sulzbach-Rosenberg

Insgesamt fühlt sich die Familie also wohl in Deutschland: „Wir sind froh, dass wir hier Arbeit gefunden haben. Wir haben keine Angst und auch keine großen Sorgen.“

Manchmal fühlt sie sich in Deutschland als Ausländerin, inzwischen in Rumänien aber auch, wenn sie einmal dort ist, weil sie schon so lange nicht mehr dort lebt. Deshalb will sie auch nicht zurück. Warum auch? Neubürger wie Narcisa Gavrilă kann Deutschland gut brauchen.

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