07.02.2019 - 16:50 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Neue Drogen aus dem Darknet

Nicht mehr nur Marihuana, Kokain oder Crystal, sondern die "Neuen Psychoaktiven Stoffe" sind es, die der Polizei zunehmend Sorge bereiten. Ihre Wirkung kennen oft nicht einmal die Konsumenten.

Eine ganze Palette an Drogen stellten Polizeibeamte jetzt in der Wohnung eines 26-jährigen Sulzbach-Rosenbergers sicher. Er hatte im Darknet bestellt, war aber aufgeflogen.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Ein aktueller Fall ist es, den Polizeihauptkommissar Peter Krämer als symptomatisch bezeichnet: Ein 26-jähriger Sulzbach-Rosenberger hatte sich im verborgenen Teil des Internet, im Darknet, Rauschgift bestellt. Die Lieferung kam jedoch nicht bei ihm an, sondern an einer Kölner Adresse, bei einem völlig ahnungslosen, unbescholtenen Bürger. Der ging sofort zur Polizei. Die dortige Kripo ermittelte den Besteller der Crystal-Sendung, jetzt rückten die Ermittler und die neue Sachbearbeiterin der Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg bei dem 26-jährigen Mann frühmorgens an und durchsuchten dessen Wohnung.

Ganze Palette gefunden

Und siehe da: Sie stellten umfangreiches Beweismaterial sicher, verschiedene Rauschgifte wie Kokain, Amphetamin, Haschisch, Marihuana und LSD-Trips sowie auch teils noch nicht verbotene Substanzen. Auch den hochwertigen wassergekühlten PC des Mannes nahmen sie mit. Darüber hinaus fanden die Beamten sogenannte K.o.-Tropfen und gleich drei Kilogramm eines "natürlichen indonesischen Produktes" namens Kratom, das als Stimulanz gilt und im Verdacht steht, abhängig zu machen.

Wer hat da noch einen Überblick? Pressesprecher Peter Krämer erklärt es: "Strafbar sind nur Stoffe, die im Gesetzesanhang definiert sind". Doch ständig werden neue Substanzen entdeckt, die erst geprüft, bewertet und aufgenommen werden müssen. So ist es auch mit dem Kratom-Pulver aus Baumblättern.

Dementsprechend hat sich die einschlägige Szene auch in Sulzbach-Rosenberg gewandelt. Die "Alt-Kunden" sind bekannt, meistens in Behandlung und machen auch viel Arbeit, allerdings meist durch Beschaffungskriminalität zur Besorgung von Bargeld.

Starke Wechselwirkung

Eine neue Qualität stellen allerdings die "Polytoxikomanen" dar, also Süchtige, die mehrere Rauschgifte zugleich konsumieren: Arznei- und Schmerzmittel (sogar entsprechende Pflaster werden ausgekocht), Cystal Meth, Marihuana und natürlich jede Menge Alkohol. Die Wechselwirkungen sind oft unübersehbar, auch für den Süchtigen selbst, und das äußert sich auch zunehmend in der Polizeistatistik: "Wir haben immer mehr teils heftigste Widerstände mit Gewalt und Beleidigungen nach Raufereien und dergleichen", umreißt der stellvertretende Inspektionsleiter die Lage. Es ist wohl nur ein gutes Dutzend dieser "Kunden", doch sie machen aufgrund ihrer Suchtprobleme zunehmend großen Ärger.

Schon Kinder gefährdet

Badesalze, Pilze, Rinden, chemische Substanzen - das alles wird geschluckt, geraucht, gespritzt oder geschnupft, und keiner weiß, was drin ist, in welcher Konzentration und vor allem, wie es wirkt. "Das ist alles komplett unkalkulierbar", schildert der Hauptkommissar, "und daraus ergeben sich auch oft lebensbedrohliche Situationen für die Konsumenten". Diese werden immer jünger. 12- oder 13-Jährige seien inzwischen schon keine Seltenheit beim Ausprobieren aller möglicher Substanzen.

Mehr Drogen, mehr Händler, mehr Konsumenten, das sei die Realität. Deswegen besitzt die PI Sulzbach-Rosenberg seit geraumer Zeit auch eine speziell ausgebildete Sachbearbeiterin, die sich auskennt in der Szene. Denn an der Szene hängt eben noch viel mehr dran als nur Drogenmissbrauch: Beschaffungskriminalität wie Diebstahl und Einbrüche, Gewalt und sonstige Exzesse. Die Polizei muss sich also auf eine neue Qualität einstellen, die sie in dieser Szene erwartet, und das ist natürlich dringend nötig. "Alles ist überall immer verfügbar", dahin gehe der aktuelle Trend. Und Peter Krämer hat dazu auch eine klare Meinung: "Ich bin gegen jede Verharmlosung und Freigabe jeglicher Drogen. Weiche Drogen gibt es nämlich gar nicht."

Info:

Kratom macht süchtig

Was ist das nur für ein Pulver? Die bei der Wohnungsdurchsuchung in Sulzbach-Rosenberg gefundene Substanz entpuppte sich als sogenanntes Kratom – das sind gemahlene Blätter einer aus Südostasien stammenden Baumart, die eine „euphorisierende, sedierende und abhängigkeitserzeugende Wirkung“ erzeugen, heißt es im Internet- Lexikon „Drogen-Wikia“. Die Substanz hebt also die Stimmung, betäubt und macht süchtig. In seinen Ursprungsländern ist Kratom schon illegal, Indonesien dagegen exportiert es im großen Stil. Die neuartige Droge wird in Kapseln gekaut oder als Pulver mit Wasser aufgekocht und eignet sich, so die Quelle, auch zum Konsum auf Partys. Es gibt Berichte über Leberschäden und Depressionen nach dem Konsum, auch die Abhängigkeit sei voller Risiken. Kratom unterliegt zur Zeit aber noch nicht dem deutschen Betäubungsmittelgesetz.

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