29.08.2018 - 15:21 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Neue Sonderausstellung im Stadtmuseum

Museumsreif oder museumswürdig? Diese Frage stellt eine Ausstellung zum Thema Sammeln im Stadtmuseum. Dabei wird das Museums-Gebot „Du sollst nichts anfassen“ gelockert.

Museumsleiterin Edith Zimmermann begrüßt ihre Gäste im Hof des Stadtmuseums.
von Helga KammProfil

Gesammelt wird seit 111 Jahren, aber nicht alle Gegenstände finden Platz im Stadtmuseum. Eine Auswahl solcher Dinge, die seit Jahren in den Depots schlummern, zeigt nun bis Sonntag, 13. Januar 2019, die Ausstellung „Museumsreif?!“

Dabei, erklärte Museumsleiterin Edith Zimmermann bei der Vernissage, gehe es darum, historisch aussagekräftige Gegenstände für zukünftige Generationen zu erhalten und Einblicke in das Leben früherer Zeit zu geben: „Das können mit persönlichen Erinnerungen behaftete Teile sein, der alte Klunker von der Großmutter oder die kleine Dose mit dem ersten Milchzahn.“

Wenn Dinge nicht mehr den aktuellen Standards entsprächen, bezeichne man sie mitunter als museumsreif. „Weil sie aber viel über die erfinderische Leistung der Vorfahren aussagen und eigentlich zu schade zum Wegwerfen sind“, fügte Zimmermann hinzu, „ sehen wir sie als museumswürdig an.“

Zahlreiche Gäste waren im Museumshof versammelt, als die Musikanten Franz Niebler von den Birgländern und Anton Stümpfl vom Stamm-Verein auf Akkordeon und Basstuba die Ausstellung musikalisch eröffneten. Bürgermeister Michael Göth würdigte die im Stadtmuseum geleistete Arbeit und sprach von Überlegungen, die Museen der Stadt mehr miteinander zu verbinden und für die Zukunft fit zu machen, wobei er fremde Hilfe nicht ausschloss.

Als Gastrednerin sprach Carolin Schmuck, die Leiterin des Stadtmuseums Nittenau, über die Leidenschaft und den Auftrag des Sammelns. Einwickelpapiere von Blutorangen, Knöpfe oder Plastiktüten seien zwar nicht museal, ihr Sammeln aber „das erste Erkennen von Vergänglichkeit, die man aufhalten kann“. Der Unterschied zwischen einer privaten Sammlung und einer musealen liege im Auftrag, so Schmuck. Im Falle eines Stadtmuseums sei das die Geschichte des Standortes. Sie gab Einblicke in die praktische Museumsarbeit mit dem Sammeln von Informationen zu den Objekten im Depot und dem erst dann folgenden Präsentieren und Vermitteln. Leidenschaftlich appellierte sie an die Verantwortlichen: „Gebt uns Zeit, gebt uns Depotflächen, gebt uns Personal – dann geben wir euch Identität!“

Edith Zimmermann dankte allen vergangenen und zukünftigen Spendern von Erinnerungsstücken, zahlreichen Helfern, dem Förderverein und ihrem Museumsteam und lud zu einem Imbiss und zum Gang durch die Sonderausstellung ein. Dabei sahen die Besucher neben kuriosen und sehr alten Objekten aber auch viele, die zumindest den nicht mehr ganz jungen Besuchern noch vertraut sein dürften: die mechanische Schreibmaschine, den Rekorder mit Elvis-Presley-Kassetten, schwere Bügeleisen, Nostalgie-Puppen oder die bewährte Wärmflasche aus Zink.

Und diese Dinge dürfen auch in den kommenden Monaten angefasst werden. Man kann die Wählscheibe am Telefon drehen, das Din-A4-Papier in die Schreibmaschine einspannen oder testen, mit welch schwerem Gerät Hausfrauen früher bügelten.

Die Öffnungszeiten im Stadtmuseum sind von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 16.30 Uhr; an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 13.30 bis 16.30 Uhr oder nach Vereinbarung.

Gebt uns Zeit, gebt uns Depotflächen, gebt uns Personal. Dann geben wir euch Identität.

Carolin Schmuck, Museumsleiterin aus Nittenau

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