16.01.2020 - 14:05 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Oberpfälzer Landwirte klären Städter auf

Die Halle 3.2 ist Hauptattraktion auf der grünen Woche in Berlin: Ein Erlebnisbauernhof rund um den Klimaschutz wartet auf Besucher. Sandra Meier und Leonhard Rösel aus der Region Neukirchen sind dabei - als Klimapraktiker und Agrar-Scout.

Leonhard Rösel sieht seine Aufgabe in der Aufklärung und Vermittlung von Fakten an die Besucher der Grünen Woche.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Die beiden sind zwei von insgesamt rund 100 Agrar-Scouts, die auf dem Erlebnisbauernhof der Internationalen Grünen Woche zum ersten Mal unter dem Motto "Wir sind die #Klimapraktiker" der modernen Landwirtschaft ein Gesicht geben.

Sandra Meier, Schmidtstadt, und Leonhard Rösel aus Neukirchen bringen ihre Betriebe vor allem auf die Grüne Woche, um mit den Besuchern der Messe in den Dialog zu treten. Der Gesprächsbedarf ist hoch, wie die Erfahrung zeigt. Sandra Meier führt am 23. Januar über den Erlebnisbauernhof, Leonhard Rösel ist am 18. Januar vor Ort.

Sandra Meier vom Wasselbauernhof in Schmidtstadt ist in Berlin ebenfalls im Einsatz.

Auf dem Erlebnisbauernhof

Die Landwirtschaft steht aktuell vor großen Herausforderungen. Zum einen hat sie einen erheblichen Einfluss auf das Klima, zum anderen ergibt sich daraus ein großer Hebel für den Klimaschutz in der modernen Landwirtschaft.

Zwischen dem 17. und 26. Januar stehen die Agrar-Scouts den Besuchern in Halle 3.2 als Dialog-Partner zur Verfügung. Wie die Landwirtschaft in diesem Bereich Verantwortung übernimmt und welche Lösungsansätze sie entwickelt, können Besucher auf dem Erlebnisbauernhof entdecken. Zusammen mit fast 50 Partnern bieten die AgrarScouts und das Forum Moderne Landwirtschaft Antworten auf die Frage, was letztere für eine klimafreundliche Produktion von Nahrungsmitteln tut.

Fragen, Wünsche, Anregungen

Viele Städter wissen heute nicht mehr, wie ihre Nahrungsmittel erzeugt werden und wie es auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aussieht. Trotzdem wächst das Bewusstsein für gute Ernährung und der Anspruch an klimaschonende Landwirtschaft, die nicht nur in ausreichender Menge erzeugt, sondern nachhaltig-verantwortungsvoll mit Tier und Umwelt umgeht.

Die Internationale Grüne Woche in Berlin zählt zu den weltweit wichtigsten Veranstaltungen im Bereich Ernährung und Landwirtschaft. Hier bietet sich die perfekte Gelegenheit für Landwirte aus ganz Deutschland, für Fragen, Wünsche und Anregungen der Verbraucher zur Verfügung zu stehen und persönliche Einblicke in ihre Arbeit in einem Ackerbau-, Milchvieh- oder Schweinemastbetrieb zu geben.

Sandra und Leonhard sind zwei von ihnen. Ihre Motivation ist ganz klar: "Auf dem Erlebnisbauernhof haben wir die Möglichkeit, mit dem Verbraucher auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen. Hier können wir uns über die moderne Landwirtschaft austauschen und uns über gegenseitige Interessen unterhalten. Klasse, finden wir, dass uns das Forum Moderne Landwirtschaft dabei unterstützt. Wir freuen uns darauf, besser zu verstehen, was den Menschen in den Städten am Herzen liegt und was sie sich von uns als Landwirte wünschen."

Aus der Praxis berichtet

Zwei Tage fährt Sandra Meier dafür in die Bundeshauptstadt. Am ersten Tag bekommt sie in der Agrar-Scouts-Schulung das Rüstzeug für gelungene zwischenmenschliche Kommunikation. Am zweiten Tag, 23. Januar, wird sie dann als Agrar-Scout den ganzen Tag auf dem Erlebnisbauernhof sein, bei Führungen aus der Berufspraxis erzählen und die Fragen der Besucher fachkundig beantworten.

Leo Rösel ist nach 2019 schon zum zweiten Mal dabei am Erlebnisbauernhof. Über die Sozialen Medien will er immer Aktuelles von seinen Erlebnissen aus Berlin posten (Instagram: leoslandwirtschaft).

Info:

Das Forum

Im Forum Moderne Landwirtschaft haben sich Verbände, Organisationen und Unternehmen der Agrarbranche zusammengeschlossen. Ihr gemeinsames Anliegen ist es, über die moderne Landwirtschaft zu informieren und den Dialog zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft zu stärken. Diese Aktivitäten finden unter dem Dach der Marke „Unser aller Wissen. Die Moderne Landwirtschaft“ statt. Der Verein zählt aktuell 61 Mitglieder und wird von rund 200 landwirtschaftlichen Betrieben unterstützt.

Drei Fragen an Leonhard Rösel und Sandra Meier

ONETZ: Wie ist nach eurer Erfahrung der Wissensstand der Stadtbevölkerung über Nahrungsmittelerzeugung im tierischen und pflanzlichen Bereich?

Leonhard Rösel: Der Wissensstand ist sehr niedrig. Für viele Leute in der Stadt kommt das Essen aus dem Supermarkt, wie viel Arbeit hinter einem Sack Kartoffeln steckt wissen nicht viele. Auch das Bewusstsein dafür, dass hinter einem Stück Fleisch ein Tier gestanden hat fehlt bei vielen Verbrauchern. Es ist aber ein Trend zu erkennen, dass sich vor allem junge Familien mehr mit Ihrer Ernährung auseinandersetzen.
Sandra Meier: Leider kennen die wenigsten Menschen einen Lebensmittelproduzenten persönlich, deshalb ist das Wissen oft auch nur sehr einseitig.

ONETZ: Sind nach eurer Erfahrung die Leute bereit, auch etwas mehr Geld auszugeben, wenn die Waren umweltfreundlich erzeugt werden?

Rösel: Im Gespräch mit den Verbrauchern wird oft gesagt, dass sie mehr Geld ausgeben wollen, wenn Obst und Gemüse umweltfreundlich erzeugt werden oder die Tiere bessere Haltungsbedingungen habe. Das sind aber oft nur Lippenbekenntnisse, denn beim Einkauf zählt der Preis.
Meier: Kommt auf die Leute an. Ich denke dass derzeit viel im Umbruch ist und sich viele Menschen Gedanken machen, wie wir etwas verbessern können, also zum Beispiel mit Regionalität. Das hat aber seinen Preis, und die Menschen müssen sich über den Wert von Lebensmitteln erst wieder klar werden.

ONETZ: Kann man mit Führung und Beratung wirklich nachhaltig etwas erreichen bei den Menschen?

Rösel: Im persönlichen Gespräch kann man mit dem Verbraucher auf Augenhöhe kommunizieren und auf Fragen eingehen, das bleibt viel mehr im Gedächtnis als eine schnell gelesene Grafik auf dem Smartphone. Eine Führung über den Bauernhof bleibt auch besser in Erinnerung als eine kurze Reportage im Fernsehen.
Meier: Ja, bestimmt. Wenn jeder einen Landwirt kennt, der seinen Job gut macht (das sind fast alle), haben wir zwei Dinge erreicht: Erstens werden sich die Leute mit pauschalen Verurteilungen der Landwirte schwer tun und zweitens werden sie wieder das Vertrauen zu den heimischen Lebensmitteln haben. Somit hätte sich eine Diskussion um ein Mercosur-Abkommen erledigt.

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