03.06.2019 - 17:13 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Als Patient Recht haben

Vertrauen, Unterstützung und Hoffnung sind wichtig für Menschen, besonders für kranke Menschen. Wo sie Rat und Hilfe finden, wie sie zu ihrem Recht kommen, erfahren Patienten beim Schmerzforum.

Maria Boßle, Leiterin der Selbsthilfegruppe Chronischer Schmerz, dankte dem Referenten aus Weiden.
von Helga KammProfil
Christoph Scharf, Fachanwalt für Medizinrecht aus Weiden, informierte über die Rechte von Patienten.

Maria Boßle, die Leiterin der Selbsthilfegruppe Chronischer Schmerz, hat schon Routine. Bereits zum sechsten Mal organisierte sie das Schmerz-Forum der Deutschen Schmerzliga. Die Räume und den Mittagsimbiss für die teilnehmenden Besucher, Ärzte und Patienten stellte das St.Anna-Krankenhaus zur Verfügung. Boßle beschrieb ihre Selbsthilfegruppe mit derzeit 65 Mitgliedern, die seit 16 Jahren Betroffenen und Angehörigen Hilfe und Unterstützung bietet. Nach Grußworten des Vizepräsidenten der Deutschen Schmerzliga, Günter Rambach, und des Dritten Bürgermeisters Hans Jürgen Reitzenstein kamen die Referenten zu Wort.

Der Präsident des Amberger Landesamtes für Pflege, Markus Schick, sprach über die Aufgaben seiner Behörde und künftige Arbeitsschwerpunkte. Er informierte über die Aufgaben eines Patientenbeauftragten als Ansprechpartner bei Fragen über Patientenbelange und Pflege. Rechtsanwalt Christoph Scharf aus Weiden behandelte zwei Themen. Einmal ging es ums „Autofahren mit Medikamenten wie Opiaten, Antidepressiva, Cannabis und Insulin“, zum anderen um die Rechte des Patienten.

„Sie als Patient haben bestimmte Rechte“, sagte der Fachanwalt für Medizinrecht, „der Arzt hat bestimmte Pflichten“. Das Gesetz schreibe in Leitlinien eine „allgemein anerkannte fachliche Standardbehandlung“ vor. Weiche der Arzt davon ab, könne ein Behandlungsfehler vorliegen. Auch mangelnde Information über Maßnahmen und Wirkung der Behandlung könne dem Arzt als Fehle angelastet werden. „Sie haben dass Recht, jederzeit informiert zu werden und zwar umfassend“, betonte der Fachanwalt. Dass ein Arzt die gesetzliche Verpflichtung, einen Behandlungsfehler zuzugeben, befolge, habe er aber er bisher nur ein einziges Mal erlebt, schmunzelte Scharf.

Der Information des Arztes über Art und Notwendigkeit einer Behandlung, über Risiken, Erfolgsaussichten und auch Kosten müsse die Einwilligung des Patienten folgen. Ausnahme seien Notfälle, hier werde die Einwilligung unterstellt. Das Recht des Patienten, die Behandlungsunterlagen einzusehen und auch ausgehändigt zu bekommen, nannte der Anwalt „das für uns Juristen wichtigste Recht“. Was darin dokumentiert werde habe stattgefunden, alles andere nicht. Der Referent gab zu, dass es sehr schwer sein könne, dem Arzt einen Fehler nachzuweisen. Schon mangelnde Aufklärung könne als Körperverletzung gesehen werden, ebenso Behandlungsfehler oder wenn der Arzt es unterlässt gebotene Befunde einzuholen. Ein Diagnose-Irrtum dagegen begründe keine Haftungsansprüche, außer, es handle sich um grobe Diagnosefehler. „Verletzt der Arzt ein voll beherrschbares Risiko, ist das eine fehlerhafte Behandlung“, beschrieb der Jurist den oft zitierten Fall des vergessenen Skalpells im Bauchraum des Operierten.

Was macht der Patient bei Verdacht auf einen Kunstfehler? Auf jeden Fall erst die Behandlungsunterlagen sichern, riet Scharf, danach den Arzt zur Rede stellen. Die Hilfe eines Rechtsanwaltes, von Gutachtern und schließlich des Gerichtes sei immer möglich, berge aber das Risiko hoher Kosten selbst bei bestehender Rechtsschutzversicherung oder einer möglichen Prozess-Finanzierung; „Gewinnen Sie , werden alle Ausgaben von der Entschädigungssumme abgezogen, im anderen Fall tragen Sie auch die Kosten der Gegenseite“.

Ein gemeinsamer Mittagsimbiss, persönliche Gespräche und die Beantwortung der auf bunten Zetteln eingereichten Fragen rundeten das Schmerz-Forum ab. Maria Boßle gab den Referenten ein Not-Licht mit auf den Weg, um offene Fragen an entsprechende Stellen zur Beantwortung weiterzuleiten.

 

 

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