28.08.2018 - 17:46 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Rettungshunde üben den Ernstfall

Im realistischen Gelände suchen die Vierbeiner nach Verschütteteten. Die einzige THW-Rettungshunde-Staffel Bayerns kommt aus Sulzbach-Rosenberg und ist natürlich mit dabei.

Junge Hunde werden behutsam an neue Situation gewöhnt

Drei Tage trafen sich Rettungshunde-Teams des Technischen Hilfswerks (THW) und von Feuerwehren aus Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Niedersachsen und Bayern im baden-württembergischen Mosbach zu einer Ausbildungsveranstaltung. Unter ihnen waren auch die Hundeführer des THW Sulzbach-Rosenberg. Auf dem Trainingsgelände "Training-Center Retten und Helfen" (TCRH) in Mosbach ist realitätsnahe Ausbildung möglich, da weitläufige Trümmergelände zur Verfügung stehen.

Wie in Genua

Der Brückeneinsturz von Genua führt vor Augen, dass das realistische Trainieren notwendig ist, um im Ernstfall mit den Hunden die verschütteten Menschen schnellstmöglich zu finden. Steffen Rieger, der Ausbilder der Sulzbach-Rosenberger Gruppe mit sieben Hunden, berichtet von dem hoch interessanten und effektive Ausflug.

Rund 80 Hunde und etwa 100 Frauen und Männer nutzten von Freitag bis Sonntag das weitläufige Gelände der ehemaligen Neckartalkaserne, das 2015 als Ausbildungs- und Schulungszentrum für den Katastrophenschutz errichtet wurde. Wobei es "Errichten" eher nicht so trifft: "Denn was sich den Helfern bietet, sind realistisch nachgestellte Einsatzszenarien mit kaputten, ineinander verschachtelten Betonwänden, ins Nichts führenden Treppen, ausgebrannten Autos oder überall herumliegenden Trümmerteilen." Allerdings gibt es auch Schulungsräume, Übernachtungskapazitäten und eine Kantine - alles neu und intakt.

Hinter die Tür riechen

Die Ausbildung, so schildert Rieger, erfolge an neun Stationen in zehnköpfigen Teams. Dabei entwirft jeder der Teamleiter, die alle erfahrene Ausbilder im Rettungshundewesen sind, eigenverantwortlich ein Szenario. "An einer Hauswand wird das Abseilen geübt, Vier- und Zweibeiner gemeinsam am Seil." In einer Turnhalle mit lauter verschlossenen Türen müssen die Hunde die herausfinden, hinter der sich ein Mensch verbirgt. "Für Ben kein Problem", lobt Steffen Rieger vom THW Sulzbach-Rosenberg seinen schwarzen Labrador-Schäferhund-Mischling.

Weiteres Szenario: Auf dem Dach eines zerstörten Busses liegt ein "Verunglückter", in einer abgedeckten Betonröhre auf der Spitze eines Trümmerberges verbirgt sich ein anderer, in demselben chaotischen Haufen fehlt für die Spürnase jegliche Geruchsspur, weil die Versteckperson einen geheimen Zugang zum Versteck genommen hat. Das macht die Übung noch schwieriger

Befragt danach, weshalb man als ehrenamtlicher Helfer all das auf sich nimmt - in voller Montur mit Helm und Handschuhen bei heißem Wetter in Trümmerhaufen herumzusuchen - sagt einer: "Es macht Spaß, und helfen kann ich so auch noch."

Lieber kein Einsatz

Für die Ausbildung zum Rettungshund sei keine besondere Rasse nötig. Eine Ausbilderin erklärt: "Offen müssen die Hunde sein, offen für Menschen und neue Eindrücke." Gleichwohl werde viel verlangt: "Das ist Stress für Hund und Mensch!" Wie im echten Einsatz, den sie - wie die meisten hier - selbst noch nicht erlebt hat. "Wir trainieren für den Ernstfall, aber wir wünschen uns das ja nicht wirklich." Wenn es so einfach wäre, lobt ein Hundeführer das anspruchsvolle "Supergelände", hätte man ja zuhause üben können.

Ein Moment an Station fünf, den Rieger schildert, mache deutlich, wofür hier alle Beteiligten sich einsetzen: Ein Rettungshund hatte die Versteckperson auf dem Dach des Busses aufgespürt und tat das mit aufgeregtem Bellen kund. Erkennbar große Freude bei Hund und Mensch. Riegers Fazit: "Wie groß muss die Freude erst sein, wenn in einem echten Einsatz ein unter Trümmern verschütteter Mensch geborgen werden kann?"

Auch das Abseilen mit dem Hund will gelernt sein.
Ein Blick auf einen kleinen Teil des Ausbildungsgeländes.
Blick auf ein Trümmergelände von oben
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