Sulzbach-Rosenberg
12.05.2019 - 16:19 Uhr

Rock von seiner besten Seite

Absolut unüblich: Da steht einer mit 65 Jahren und schulterlangem Haupthaar auf der Bühne und spielt auf der Gitarre krachenden Rock: Helmut Spörl. "Lucky Punch" heißt die Formation mit Potenzial zur Kultband.

Helmut Spörl (links) und seine Mannen hinterließen einen bleibenden Eindruck bei ihrem ersten Gig im Capitol. Bild: Stephan Huber
Helmut Spörl (links) und seine Mannen hinterließen einen bleibenden Eindruck bei ihrem ersten Gig im Capitol.

Der Altmeister und seine Truppe sind derzeit in der Region der Maßstab für 70er/80er-Rock, für die echten Klassiker halt. Fast 30 Songs finden sich auf der Playlist, und sie lesen sich wie ein Streifzug durch die Rock-Geschichte. "Working for MCA" von Lynyrd Skynyrd ist Southern Rock vom Feinsten, und "Keep on running" kann man auch als prächtige Rocknummer zelebrieren.

Rory Gallagher lässt grüßen mit "Shadow play", und da gibt es den ersten Szenenapplaus im Capitol: Thommy Müller an der zweiten Sologitarre zeigt, warum er hier mitspielt: Er ist einer der besten Gitarristen weit und breit, er hat sichtlich Spaß an seiner Rolle als Sideman von Helmut Spörl. Und an der Slide-Guitar ist er eh meisterhaft und unangefochten.

Perfekter Rock

Der Helmut steht links am Rand vor seinem Marshal und bedient die Gibson Les Paul meisterhaft: Er spielt abgeklärt, rau und erdig, er wirkt noch gereifter, wie man das mit 65 sein kann. Seine Soli sind dicht und schnörkellos, er verliert sich nicht in endlosen Tonspiralen oder Fingerartistik, sondern liefert besten kerzengeraden Rock, genauso, wie er sein soll - perfekt.

Der Amberger feiert übrigens heuer sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Er hat Jimi Hendrix noch live gesehen und setzt ihm mit "Red House" ein umjubeltes Denkmal. "Drink some beer and start to dance", meint der Helmut ins Scheinwerferlicht, und die Fans gehorchen.

"Can't get enough" ist die Huldigung an Bad Company, "Roll on down the highway" von Bachmann-Turner -Overdrive bringt nochmals klar die Botschaft rüber: Der Sound der Band ist klasse, auch dank Mixer Matthias, sowas von dicht und kompakt - und laut. Aber ein Rock-Konzert ist nun mal kein Strickabend, und das wohlgefüllte Capitol freut sich über eine wahre Perlenkette von gut hörbaren Klassikern.

"Hush" ist einer der vielen Höhepunkte, ebenso wie "The Weight" von The Band oder "Pinball Wizzard" von den Who. An den Drums zeigt die "Neuerwerbung" Stefan Bauer, wie man mit relativ kleinem Equipment trotzdem stets exakt und zuverlässig astreinen Rock produzieren kann, dass es nur so brummt wie eine gut geölte Maschine. Und Wolfgang Ernst an seinem Fünfsaiter-Bass erweist sich da als kongenialer Partner im Rhythmus - auch er ein versierter Oldtimer und äußerst konzentriert bei der gemeinsamen Sache.

Klasse Stimme

Damit das Ganze auch eine Stimme hat, legt sich Sänger Olli Allwardt mächtig ins Zeug. Der Grand-Slam-Frontmann veredelt die alten Rock-Titel und gibt der Band das Gesicht, so wie Spörl ihr die Seele gibt. Zwei Super-Gitarren, eine perfekte Rhythmus-Sektion und eine klasse Stimme - bei ihrem ersten Auftritt in neuer Formation erweist sich dieses puristische Rezept als goldrichtig. Spätestens, als Johnny B. Goode den Abend beendet hat.

Wenn es eine Gruppe schafft, quasi vom Start weg als Kultband zu gelten, dann Lucky Punch. Ein einziges Wort würde für den Abend eigentlich genügen: Klasse. Nein, vielleicht doch lieber drei Wörter: ganz große Klasse!

 
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