30.03.2020 - 15:50 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Rohrwerk Maxhütte: Investitionen jetzt festgeschrieben

Für das Rohrwerk Maxhütte prognostizierten Experten im Jahr 2016 keine rosige Zukunft. Die Auftragslage war extrem zurückgegangen. Nach fast vier Jahren soll über einen Ergänzungstarifvertrag richtig Geld ins Werk fließen.

Weitere Finanzmittel, wie für die 2018 in Betrieb genommene 1000-Tonnen-Presse, sollen das Rohrwerk zukunfts- und konkurrenzfähig machen.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Die Einbußen, die von den Arbeitnehmern hingenommen werden mussten, waren aus gewerkschaftlicher Sicht nie als Dauerzustand angesehen worden. "Wir wollten mit dem Beitrag auch signalisieren, was uns der Erhalt des Werks bedeutet. Nach Berechnungen der Tarifkommission hat sich der Arbeitgeber während der Laufzeit des Sanierungstarifvertrages annähernd 20 Millionen Euro durch den Verzicht der Beschäftigten gespart", sagt Udo Fechtner auf SRZ-Nachfrage.

Wie der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Amberg erklärt, sei es auch immer erklärtes Ziel gewesen, über einen Ergänzungstarifvertrag dafür Rechnung zu tragen, dass künftig keine unbezahlte Mehrarbeit der Rohrwerker geleistet werden müsse. "Das haben wir erreicht, es gilt die 35-Stunden-Woche. Bei Bedarf ist nach Auftragslage Mehrarbeit möglich, aber nur gegen Vergütung. Und auch für das umstrittene Arbeitszeitkonto II haben wir eine Regelung gefunden: Es wird keine geleistete Stunden verfallen, sondern über das Abfeiern geregelt", ergänzt der Gewerkschaftsvertreter.

2. IG Metall-Bevollmächtigter Udo Fechtner stellte den Ergänzungstarifvertrag im SRZ-Gespräch vor.

Udo Fechtner prognostiziert 2020 als schwieriges Jahr, in dem sich das Rohrwerk weiter konsolidieren und für den Wettbewerb entsprechend rüsten müsse. "Mit der Festschreibung eines Investkonzepts mit einem zweistelligen Millionen-Euro-Volumen in Anlagen und Maschinen soll dies gelingen. Werden diese essenziellen Investitionen nicht getätigt hat die IG Metall ein Sonderkündigungsrecht des neuen Ergänzungstarifvertrages", sieht Fechtner als unabdingbaren Schritt zur Prosperität.

Aber auch die Belegschaft wird weiterhin Beiträge zur Standortsicherung leisten. So werde die zum 1. Juli 2020 fällige Entgelterhöhung von 3,7 Prozent auf 1. Januar 2021 verschoben, die Sonderzahlungen nach Rohrwerk-Haustarif entfielen komplett. Alle weiteren Erhöhungen würden sich um 16 Monate verschieben. Der neue Tarifvertrag zu einer zusätzlichen Vergütung komme nicht zur Anwendung. "Dass Geschäftsführung, AT-Angestellte und Leitende Angestellte einen prozentual wertgleichen Beitrag leisten müssen, ist ebenfalls Bestandteil des bereits von den Tarifparteien unterschriebenen Eckpunktepapiers", gibt Udo Fechtner weitere Details bekannt.

Neue Entgeltstruktur

Damit nach Ansicht von Betriebsrat und Gewerkschaft für die Arbeitnehmer gute Rahmenbedingungen im Werk vorherrschen, seien betriebsbedingte Kündigungen künftig ausgeschlossen, beziehungsweise nur mit Zustimmung des Betriebsrates möglich. Und generell wurde auch die Aufnahme von Verhandlungen über eine neue Entgeltstruktur im Rohrwerk vereinbart. "Wir danken ausdrücklich der Belegschaft für die Bereitschaft, diese Konzepte, die erneut Einbußen bedeuten, mitzutragen und hoffen, dass die Aicher-Stiftung mit den Investitionen dafür Sorge trägt, das Rohrwerk in eine gute Zukunft zu führen", wünscht sich Fechtner.

Hintergrund:

Eckpunkte des Rohrwerk-Ergänzungstarifvertrags

Es gibt keine unbezahlte Arbeit mehr.

Arbeitszeitkonto II: Geleistete Stunden können abgefeiert werden.

Geschäftsführung, AT-Angestellte und Leitende Angestellte leisten prozentual einen wertgleichen Beitrag.

Keine betriebsbedingten Kündigungen.

Nächste Lohnerhöhung sechs, künftige 16 Monate später.

Investkonzept mit Sonderkündigung bei Nichteinhaltung.

Laufzeit bis 31. 12. 2024.

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