30.12.2018 - 16:26 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Rosenberg und die Schmöker

Echter Bildungsbeitrag für die Bewohner, ein Mehrwert für das Dorf, oder einfach nur ein zusätzliches Angebot an die Bürger? Der neue öffentliche Bücherschrank in Rosenberg kommt jedenfalls bestens an. Nach einem halben Jahr gibt es für die ehrenamtlichen Betreuer schon wichtige Erkenntnisse.

Karina Weiß und Martin Franitza von der Interessengemeinschaft Freunde Rosenbergs sehen im öffentlichen Bücherschrank eine echte Erfolgsgeschichte.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Die Gesammelten Werke von Wolfgang Neuss, eine Churchill-Biografie von Sebastian Haffner, Dan Browns "Sakrileg", Simon Becketts "Kalte Asche" oder Noah Gordons "Der Rabbi": Im öffentlichen Bücherschrank - eigentlich handelt es sich um drei Bücherregale im Automatenbereich der Rosenberger Sparkasse - sind durchwegs auch namhafte Autoren und Titel vertreten.

Karina Weiß und Heidi Franitza von der Interessengemeinschaft Freunde Rosenbergs, die sich seit der halbjährigen Öffnung um das dortige Bücherangebot kümmern, sind mit der Annahme sehr zufrieden. "Wir bekommen eigentlich nur positive Rückmeldungen, auch die Entnahme von Büchern und das Befüllen der Regale durch die Passanten funktionieren gut", berichtet Karina Weiß.

Vom Prinzip her laufe das Verfahren überall gleich: Literaturfreunde dürfen sich im öffentlichen Bücherschrank kostenlos bedienen. In der Sparkasse Rosenberg ist dies sogar rund um die Uhr möglich, weil die Regale im öffentlichen Automatenbereich zugänglich sind.

"Die Ausstattung der Bücher-Tankstelle läuft mit Bücherspenden von privat. Während des Betriebes können jederzeit aus dem Bestand Bücher entliehen oder entnommen werden. Im Gegenzug sollten bei Entnahme nach Möglichkeit andere Bücher in die Regale eingestellt werden", ergänzt Heidi Franitza.

Kleinere Probleme hätten sich von Zeit zu Zeit mit Bücherspenden in Bananenkisten ergeben, die einfach im Schalterbereich abgestellt oder irgendwie in die Regale gelegt wurden. Das behindere einen reibungslosen Ablauf. "Wir haben momentan auch genügend Bücher in Reserve, sind also nicht zwingend auf weitere Spenden zur Aufstockung des Grundbestandes angewiesen. Einzig Kinder- und Jugendbücher nehmen wir immer gerne an, die gehen nämlich weg wie warme Semmeln", schildert Karina Weiß ihre Erfahrungen.

Nutzern aller Altersgruppen stehen in den drei Regalen etwa 1000 Bücher zur Auswahl bereit. Die IG Freunde Rosenbergs hat die Stellflächen in die Bereiche Romane, Sachbücher, Krimis, Biografien, Kinder und Jugend, Kochen oder Tiere unterteilt. "Wir begutachten die Regale meist einmal pro Woche, um größeres Durcheinander zu verhindern. Normalerweise müssen wir nicht viel verändern, wenn sich die Leute an unsere Grundregeln halten", erinnern Franitza und Weiß an die Benutzungsregeln. Dazu gehört, dass man sich immer ein oder zwei Bücher aussuchen kann und diese später wieder zurückbringt. Lieblingsbücher dürfen auch gerne behalten werden, wenn dafür nach Möglichkeit ein anderes mitgebracht wird.

Rassistische, beleidigende oder jugendgefährdende Schriften haben im öffentlichen Bücherschrank natürlich keinen Platz. Auch sei das Bücherregal keine Entsorgungsstation. Es sollen also nur gut erhaltene Bücher mitgebracht werden.

"Wir haben natürlich auch nichts dagegen, wenn jemand ab und zu mithilft, dass das Bücherregal aufgeräumt bleibt. Und es sollen bitte keine Bücherkisten oder Tüten neben das Regal gestellt werden. Will sich jemand doch von einer größeren Büchermenge trennen, sollte er einen Sparkassen-Mitarbeiter ansprechen oder unter 09661/90 69 547 Bescheid sagen", so das Helfer-Team.

Heidi Franitza und Karina Weiß wünschen sich nun, dass das Angebot auch weiterhin so gut ankommt. Dürrenmatts "Physiker", "Der Chinese" von Henning Mankell oder Günter Wallraffs "Ganz unten" warten schon auf Schmöker-Freunde.

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