(cog) Bei anderen ehemaligen Unternehmen stehen die Bücher meist in einer Bibliothek, die Archivalien liegen in einem Archiv, die Möbel und anderen Hinterlassenschaften vielleicht in einem Museum. Bei der Seidel-Druckerei ist alles noch am originalen Ort zusammen, und noch dazu hervorragend dokumentiert, denn es gibt unzählige historische Fotos und auch zu allen gekauften Gegenständen noch die Handwerkerrechnungen.
Seltene Besuche
Stadtheimatpfleger Markus Lommer hatte die Denkmalfreunde aus dem ganzen Freistaat eingeladen, sich selbst ein Bild vom wertvollen Erbe der alten Buchhandlung und Druckerei zu machen. Er zeigte ihnen den Druckerei-Saal mit den historischen Maschinen, aber auch die Räume, die sonst fast niemand zu sehen bekommt.
Genau über dem Saal befinden sich ehemalige leere Büros der Sparkasse. "Diese Räume dürfen nicht benutzt werden", führte Lommer aus, " weil die verputzte Holzbalkendecke eine zu geringe Tragfähigkeit hat und das im Falle eines Brandes problematisch ist." Sagt zumindest der Statiker, aber Lommer erinnerte daran, dass in diesem Raum früher die Setzerei war, und die alte Holzdecke die schweren Setzkästen mit den Bleilettern getragen hat.
Im Dachgeschoss liegt das ehemalige Auslieferungslager. Hier warten seit über 100 Jahren gedruckte, aber noch nicht gebundene Bücher auf Käufer. Hier oben hat erst die Familie Seidel, später Familie Wotschack alles aufgehoben, was man im Moment nicht mehr brauchte.
Hier fanden sich kostbare historische Musikinstrumente, das komplette Mobiliar der Arztpraxis von Dr. Wilhelm Wotschack und eine umfangreiche Sammlung alter Lampen. Sämtliche Generationen Beleuchtungstechnik kann man hier studieren. Aber Gefahr ist im Verzug. Es gibt teils Schimmelbefall und schon erste Schäden wegen der konservatorisch ungeeigneten Lagerung.
Die Denkmalfreunde warfen einen Blick in das Bibliotheksgewölbe, dass mit seinem Sternenhimmel und den Büsten dem ehemaligen Pantheon J. E. v. Seidels im Garten des Schlosses nachempfunden ist, und durften sogar die große Wohnung im Vorderhaus besuchen. Hier hat einst der Verleger Friedrich Pustet gelebt, der die Seidel'sche Druckerei gekauft hatte, später die Familie Wotschack.
Enorme Quellendichte
Jetzt wohnen hier Uschi und Michael König, die nach dem Tod von Ingo Wotschack im Jahr 2006 das Erbe antraten. Die Wohnung ist unverändert mit Möbeln aus der Biedermeierzeit und aus dem Jugendstil ausgestattet. Ingo Wotschacks Geist und der seiner Vorgänger ist in diesen Räumen noch zu spüren. "Wir haben hier eine enorme Quellendichte aller Quellenkategorien", fasste Lommer zusammen, "dieser große Schatz ist aber Lust und Last zugleich."
Bayern mitgeprägt
Die Druckerei Seidel habe Bayern mitgeprägt, aber die große kulturhistorische Bedeutung des Nachlasses und seine Vielgestaltigkeit mache eine interdisziplinäre Herangehensweise unumgänglich. Das überfordere die kleine Stadt Sulzbach-Rosenberg: "Wenn nicht engagierte Partner kräftig mit zupacken, dann können wir diesen Schatz nicht in die Zukunft retten!"
Die Aktiven vom Denkmalnetz waren beeindruckt. Eine Brotzeit im Garten des Museums Alte Hofapotheke schloss ihren Besuch in der Herzogstadt ab.
Denkmalnetz Byern
Das Denkmalnetz Bayern ist ein 2012 entstandenes offenes Bündnis von ca. 160 Initiativen und Vereinen sowie mehr als 300 interessierten und engagierten Bürgern mit dem Ziel, Denkmäler und überlieferte Orts- und Stadtbilder in Bayern zu erhalten. Die Mitglieder des Denkmalnetzes unterstützen sich mit gegenseitiger Information, Fortbildungen und durch gemeinsames Auftreten in der Öffentlichkeit. Im Zentrum der Bemühungen stehen die in die Bayerische Denkmalliste eingetragenen Kulturgüter. Daneben tritt es auch für historische Gebäude ein, die keinen gesetzlichen Schutz, aber Erinnerungswert und Bedeutung für das Ortsbild besitzen. Unter dem Motto „Gemeinsam für das gebaute Kulturerbe“ bündelt das Denkmalnetz Anliegen, Fachkenntnis und Energien der Akteure. Quelle: Denkmalnetz Bayern













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