20.07.2018 - 18:17 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Schiffe müssen wieder retten

Menschenrechte sind universell, Flüchtlinge willkommen: Das bringt die bunte Kundgebung für Seenotrettung mit rund 80 Teilnehmern auf dem Sparkassen-Platz unmissverständlich zum Ausdruck. Und es gibt Informationen von Augenzeugen.

Eine andere Flüchtlingspolitik ist nötig, um Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten, bekundeten die Teilnehmer bei der Kundgebung. Im Namen der Veranstalter bedankte sich Hans Lauterbach von „Sulzbach-Rosenberg hilft“ (Mitte, mit Schild) für die große Teilnahme.
von Wolfgang BerndtProfil

(bt) Organisiert wurde die Veranstaltung von "Sulzbach-Rosenberg hilft", der Verdi-Jugend Oberpfalz, punk e.V. und Roter Stern Sulzbach. Mit einem Grußwort aus Malta, das Michael Prechtl verlas, solidarisierte sich Sea-Eye, Sea-Watch und Mission Lifeline mit der Kundgebung.

In den letzten vier Jahren, nachdem "Sulzbach-Rosenberg hilft" den ersten Flüchtling willkommen geheißen hat, sei die Situation der Flüchtlinge nicht besser, sondern erheblich schlechter geworden, beklagte Hans Lauterbach. Dagegen sollten sich alle wehren und eine menschliche Politik einfordern, unabhängig davon, ob sie aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und antifaschistischen Gruppen kommen. "Menschenrechte sind universell!"

Um die Festung Europa weiter abzuschotten, ließen Politiker bewusst Menschen im Mittelmeer ertrinken, kritisierte im Namen der Organisatoren Agnetha Gunesch. Und nicht nur das: "Diejenigen, die Leben retten wollen, werden daran gehindert und sogar noch vor Gericht gestellt. Dieselben Politiker reden sonst gerne von westlichen Werten und gehören teilweise einer Partei an, die sich als christlich bezeichnet. An Scheinheiligkeit ist das nicht mehr zu überbieten!" Die Anzahl der Menschen, die über das Mittelmeer kommen, sei für sich genommen überhaupt nicht alarmierend. Bis jetzt waren es 2018 rund 17 000, 2016 noch 85 000 und 2015 eine Million. Alarmierend sei aber die Anzahl der Toten. So seien 2018 bereits mehr als 1400 Menschen im Mittelmeer ertrunken, allein in den letzten vier Wochen 600 Flüchtlinge - vier Mal soviel wie 2017.

Dieser Anstieg der Todeszahlen sei eine direkte Folge von aktuellen politischen Entscheidungen, die der Bundesinnenminister mitgetragen hat. Seit diesem Sommer würden private Rettungsschiffe, die Flüchtlinge retten wollen, von Behörden der Europäischen Union am Auslaufen aus europäischen Häfen gehindert. Schiffe, die bereits Menschen vor dem Ertrinken geholfen haben, werde gleichzeitig das Anlegen in Häfen verboten.

Als Beispiel nannte Agnetha Gunesch die "Lifeline", auf der teilweise schwerkranke Menschen tagelang auf offener See ausharren mussten und dessen Kapitän nun in Malta vor Gericht gestellt wurde. Gemeinsam mit dem "Bündnis Seebrücke" fordern die Organisatoren von der deutschen und europäischen Politik sichere Fluchtwege, eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine menschenwürdige Aufnahme der Menschen, die fliehen mussten.

Aus erster Hand schilderte Steffen Franz von der Sea-Eye, der selbst bei einigen Rettungsmissionen mitwirkte, wie dramatisch sich die Rettungsaktionen gestalten und dass sie in letzter Zeit immer schwieriger geworden sind. Lange Zeit hätten viele Menschen nicht mitbekommen, welche Katastrophe sich im Mittelmeer abspielt. Durch die vermehrten Meldungen in den Medien könne heute aber niemand mehr sagen, er habe nichts gewusst. Jetzt komme es darauf an, durch politischen Druck zu sorgen, dass die festgesetzten Rettungsschiffe wieder auslaufen können, um Flüchtlinge vor dem Tod zu bewahren.




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