08.08.2019 - 16:30 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Mit Schmelz und Emotion

Weinend stehen die Verwandten um das Totenbett eines lieben Verstorbenen. Ergriffen nehmen sie Abschied von dem soeben Dahingeschiedenen. In einer Oper von Giacomo Puccini garantiert dieses traurige Ereignis einen Riesenspaß!

Beim SRIMF-Opernabend brillierten junge Stimmen in der komischen Oper „Gianni Schicchi“ von Puccini.
von Autor GACProfil

Die Oper "Gianni Schicchi" ist ein Spätwerk Puccinis, das ursprünglich als Teil eines Abendprogramms gedacht war, bei dem eine tragische, eine lyrische und eine komische Oper aufgeführt werden sollte. Es ist also ein "Öperchen" mit nur einem Akt. Dadurch war es für die SRIMF-Studenten möglich, das ganze Werk in sechs Tagen einzustudieren.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Im Florenz des Jahres 1299 stirbt der reiche Buoso Donati. Als die versammelte Verwandtschaft das Testament eröffnet, stellt sie fest, dass Buoso sein ganzes Vermögen einem Kloster vermacht hat. Der junge Rinuccio, der auf das Erbe angewiesen ist, um seine geliebte Lauretta heiraten zu können, überredet die Verwandten, seinen zukünftigen Schwiegervater Gianni Schicchi um Rat zu bitten. Der legt sich als Buoso verkleidet ins Krankenbett und diktiert dem rasch herbeigerufenen Notar ein neues Testament, in dem die Mönche leer ausgehen und er selbst den besten Schnitt macht.

Bis auf eine Nebenrolle wurde die ganze Aufführung von SRIMF-Studenten bestritten. Nicht nur die stimmlichen, sondern auch die schauspielerischen Qualitäten der jungen Sänger waren beeindruckend. Herausragend der Bariton Joram Alford als Gianni Schicchi. Wie dieser Riesenkerl erst mit voluminöser Stimme den erfolgreichen Geschäftsmann und dann näselnd den Sterbenden mimte war einfach großartig. Auch der gediegene Tenor von Samson Chow (Rinuccio) war ein Genuss. Ein Höhepunkt des Stückes ist die Arie der Lauretta "O mio babbino caro", die Jillian Bracket mit Schmelz und Emotion sang. Kamryn Wheeler als Zita und Damien Bleus als Simone ließen ihr komödiantisches Talent und ihre schönen, sicheren Stimmen spielen.

Eingeleitet wurde der Opernabend von einem italienischen Arien-Programm, das ebenfalls Entdeckungen bot. Grace Manning (Sopran) erfreute mit ihrer wundervollen, weichen Sopranstimme, die selbst in den Höhen keinerlei Schrillheit hatte. Sie sang Arien aus "Die Hochzeit des Figaro" von Wolfgang Amadeus Mozart und "Hoffmanns Erzählungen" von Jacques Offenbach, letzteres im Duett mit Gabryella Carrelli (Mezzosopran). Carelli war eine der großen Entdeckungen des Abends: Offenbach sang sie weich und lyrisch, Rossini mit dem angemessenen Druck und akrobatischer Stimme, den Notar in "Gianni Schicchi" beweglich und mit der nötigen Portion Blasiertheit - ein Riesentalent.

Auch die Professoren gaben Kostproben ihres Könnens. Richard Novak (Tenor) sang mit enormer Kraft und großem Tonumfang Arien von Verdi und Puccini. Josiah Davis (Bariton) interpretierte Arien aus "Rigoletto" und "Otello" von Giuseppe Verdi mit Bravour und schauspielerischem Einsatz. Ein Genuss war der lyrische Tenor von Stephen Ng in "Una furtiva lacrima" von Gaetano Donizetti. George Hogan (Bass) brillierte mit der Arie "O Isis und Osiris" aus Mozarts "Zauberflöte". Die volle Baritonstimme von Richard Piersall erfreute mit Ausschnitten aus Mozarts "Die Hochzeit des Figaro".

Nachdem der Beifall der Zuhörer im ausverkauften Saal der Christuskirche kein Ende nehmen wollte, sang das gesamte Ensemble noch das Trinklied aus Verdis "La Traviata". Kaitlin Millikan sang mit erstaunlich reifer Stimme das Sopransolo. Der ganze Abend wurde begleitet von Antoniya Yordanova am Piano, die sicher die Stimmung der jeweiligen Stücke aufnahm und die Sänger führte.

Beim SRIMF-Opernabend brillierten junge Stimmen in der komischen Oper „Gianni Schicchi“ von Puccini.
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