16.11.2018 - 14:12 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Im Schulmuseum steigt Rauch auf

Altes Brauchtum oder neue Mode? Räuchern ist beides. Im Schulmuseum lädt Kräuterpädagogin Edith Niebler dazu ein. Klar wird: Um Schweinespeck im Kamin geht es dabei aber nicht.

Den alten Brauch des Räucherns von Kräutern und Harz demonstriert die Kräuterpädagogin Edith Niebler im Schulmuseum.
von Helga KammProfil

Sechs Kurse hatte die Kräuterpädagogin Edith Niebler aus Ammerthal im Laufe des Jahres im Schulmuseum gehalten. Dass die Teilnehmerzahl von Anfang bis zum Ende konstant geblieben ist, zeigt das enorme Interesse an Wildkräutern, Beeren und Früchten aus dem eigenen Garten und der heimischen Natur. Aus Blüten und Samen von Brennnesseln, Schafgarbe und Lavendel wurden unter ihrer Anleitung Salate zubereitet, aus den Früchten von Schlehe und Holunder Liköre angesetzt und Kräuter für Öle und Essig getrocknet. Der letzte Abend nun galt den nährstoffreichen Wildkräuterwurzeln und dem Räuchern von Pflanzen.

„Jetzt haben sie die meisten Inhaltsstoffe“ wies die Fachfrau auf die momentan günstige Erntezeit von Wurzeln hin. Als Scharfmacher ist der Meerrettich bekannt. Dass er auch desinfizieren, „den Körper durchputzen“ kann, macht ihn laut Edith Niebler zu einem wertvollen Heilmittel. Die Schafgarbe, mit Öl zur Salbe gemacht, beschreibt sie als entzündungshemmend, aus Baldrian könne ein wirksamer Schlummertrunk zubereitet werden, und die Löwenzahnwurzel eigne sich für Likör und sogar als Kaffeeersatz. Rote Bete, Karotte, Petersilie, Schwarzwurzel und Pastinake, Wurzelgemüse insgesamt, seien kraftvolle Helfer bei den unterschiedlichen Beschwerden. Allerdings, so gab die Kräuterpädagogin zu, sei ihr Sammeln, Ausgraben und Verarbeiten mühsam und zeitaufwendig.

In Ihrem Räucherkasten hatte die Kräuterpädagogin allerlei Utensilien zum Räuchern von Kräutern und Wurzeln mitgebracht. Der alte Brauch, in den Raunächten oder an Dreikönig, Haus und Stall durch Rauch zu reinigen, um vor kommendem Unheil zu schützen, war lange Zeit in Vergessenheit geraten. Der heutige Trend zum Räuchern baue zwar auf den gleichen Vorstellungen auf, erklärte Niebler, im Vordergrund aber stehe die Entspannung, die Stimmung, die Besinnung auf sich selbst in einer hektischen Zeit. Geräuchert werden könnten – vorher gereinigte – Räume, „immer von Osten ausgehend“, ebenso aber auch der Mensch.

Weihrauch in katholischen Kirchen, Kräuter in langnasigen Pestmasken, Sonnwendfeiern, Kräuterbuschen, keltische Überlieferung und christliche Bräuche, alles hänge irgendwie zusammen und diene dem gleichen Ziel: Zwischen Aberglauben und Wellness dem Menschen gut zu tun.

Auf die glühende Räucherkohle Edith Nieblers wurden nach und nach getrocknete Kräuter und Wurzeln gelegt und bald zogen würzige Düfte nach Salbei, Weihrauch und Myrrhe, nach dem Harz von Styrax und Fichte durch das alte Museums-Schulzimmer. „Die Seele der Pflanzen kann auch auf den Geist einwirken“, waren das Credo und der Wunsch der Kräuterfrau. Ihre Fans, weiblich mit einem einzigen interessierten Herrn, freuten sich indes auf leibliche Genüsse. Das Menü von klarer Suppe, Antipasti aus Wurzelgemüse, Brotaufstrich mit Meerrettich und Frischkäse, Früchtepunsch, Quitten- und Schlehen-Holunder-Gelee und einem Gläschen Löwenzahn-Likör bildete den krönenden Abschluss eines Kurses mit den reichen Schätzen der Natur.

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