22.08.2018 - 17:18 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Von simultan bis Sütterlin

Geschichte lebendig werden zu lassen, ist nicht an jedem beliebigen Ort möglich. In der Herzogstadt mit ihrer reichen Historie dagegen schon. Beim Tag des offenen Denkmals stellt die Stadt drei Objekte ins Schaufenster, die von ihrer Vergangenheit erzählen, aber auch das Ehrenamt würdigen.

Direkt an der Nahtstelle zwischen dem katholischen und dem evangelischen Teil der alten Lateinschule machen (von links) Markus Lommer, Martina Herbst, Nicole Mende, Martina Windisch-Keck und Pfarrer Roland Kurz Werbung für den Tag des offenen Denkmals.
von Andreas Royer Kontakt Profil

"Ziel des Tags des offenen Denkmals ist es, die Bedeutung des baukulturellen Erbes erlebbar zu machen. An diesem Tag öffnen deutschlandweit rund 7500 Denkmäler in über 2700 Kommunen", weiß Nicole Mende von der Unteren Denkmalschutzbehörde. Unter dem Motto "Entdecken, was uns verbindet" hat auch Sulzbach-Rosenberg einiges zu bieten.

Stadtheimatpfleger Markus Lommer nennt bei der Vorstellung im Kapitelsaal des evangelischen Dekanats gleich als erstes Objekt die alte Lateinschule als Paradebeispiel für das Motto des Denkmaltages am 9. September. "Hier wird die enge Verbindung unserer beiden Konfessionen sichtbar, die dieses Gebäude bis in die heutigen Tage gemeinsam mit Leben erfüllen."

Pfarrer Roland Kurz, der selbst die alte Lateinschule bewohnt, kann nur beipflichten und verweist auf die Anfänge des Gebäudes als mittelalterliches Schulzentrum. Seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts können dort die Bauphasen zurückverfolgt werden, die Balkendecken gelten in Fachkreisen gar als absolute Kostbarkeiten. "Aber das Bauwerk gilt auch als Produkt des Simultaneums, bunt gemischte Raumnutzung durch die beiden Konfessionen eine Folge davon. Eine klare Aufteilung kam erst mit der Auflösung des Simultaneums", ergänzte Lommer die Bedeutung.

Das Erste Bayerische Schulmuseum im Stadtteil Rosenberg bildet einen weiteren Schwerpunkt am Tag des offenen Denkmals. Die dortigen Mitarbeiterinnen Martina Keck-Windisch und Martina Herbst versprechen auch in diesem Ambiente echte Zugpferde für die Besucher. "Neben Führungen, die Entstehungsgeschichte und verschiedene Exponate in den Fokus rücken, wird Kreisheimatpfleger Dieter Dörner auch den Maxhütten-Film aus dem Jahr 1930 vorführen und erläutern. Ein Schreibwerkstatt, in der man die alte deutsche Sütterlinschrift probieren kann, rundet das Angebot ab, informieren die Museumsvertreterinnen.

Zum Gesamtensemble auf dem Annaberg gehören der Kreuzweg und die Lourdesgrotte. Auch dort werden Führungen angeboten.

Im Schulmuseum erfahren Besucher auch Interessantes zur früheren Lehrer-Ausbildung.

Info:

Das kostenlose Angebot am Tag des offenen Denkmals, der bundesweit am Sonntag, 9. September, begangen wird, rückt neben den ehrenamtlichen Helfern, die sich auch während des Jahres um die Objekte kümmern, den Annaberg als barockes Gesamtensemble, das Erste bayerischen Schulmuseum in Rosenberg sowie die alte Lateinschule am Pfarrplatz in den Mittelpunkt.

Wallfahrtskirche Annaberg

Auf dem Annaberg wird es um 15 und 16 Uhr Führungen mit Hildegard Baumgärtner geben. Einbezogen sind dabei die Wallfahrtskirche, die Loretokapelle, Lourdesgrotte, Kreuzweg, Kalvarienberg-Gruppe, die historische Bierbuden-Stadt und der wertvolle Baumbestand der Annaberg-Alle. Um 17 Uhr folgt in St. Anna als Abschluss des Denkmaltages eine geistliche Abendmusik.

Erstes Bayerisches Schulmuseum

Bei halbstündigen Führungen werden Historie und Exponate, wie etwa eine historisches Klassenzimmer aus dem Jahr 1930 vorgestellt. Hintergrundinformationen gibt es auch zum Schlössl „Franziskaruh“ und die Verbindungen zum Wittelsbacher-König Max I. Joseph von Bayern. Kreisheimatpfleger Dieter Dörner zeigt um 14.30 und um 16 Uhr einen Stummfilm aus den 1930er-Jahren über die Maxhütte und in einer Schreibwerkstatt können sich Besucher in Sütterlinschrift versuchen.

Alte Lateinschule

Die Anfänge der Lateinschule sind bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts zurückzuverfolgen. Heute ist hier das katholische Pfarrzentrum untergebracht. Die beiden der evangelischen Kirchengemeinde gehörenden Gebäude beherbergen seit dem Jahr 2011 die Diakonie, den Männerbund und das Diakonische Werk. Führungen sind um 14, 15 und um 16 Uhr möglich. (oy)

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