02.10.2019 - 14:33 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sinnlicher und abgründiger Tango in der Synagoge Sulzbach-Rosenberg

Eine Liebeserklärung an den argentinischen Tango und seine Heimat Buenos Aires macht das Tangoprojekt 5 mit Sängerin Andrea "Bibi" Bibel in der ehemaligen Synagoge.

Mit Musik von Astor Piazzolla und Carlos Gardel bringt das Tangoprojekt 5 zusammen mit Sängerin Andrea „Bibi“ Bibel die ehemalige Synagoge zum Kochen. Im Bild von links Johanna Luther (Geige), Hans-Joachim Grajer (Piano), Klaus Luther (Gitarre) Sängerin Andrea Bibel, Janusz Skutella (Cello) und Ulli Schmutzer (Kontrabass).
von Autor COGProfil

Lebenslust, Leidenschaft, aber auch tiefe Melancholie und ein Gefühl von Verlassenheit fanden in diesem Konzert ihren eindringlichen Ausdruck. Astor Piazzolla hat den Tango argentino mit seiner Entwicklung des Tango nuevo revolutioniert. Jetzt wagt es das Tangoprojekt 5, diese Musik neu zu interpretieren und das traditionelle Bandoneon durch ein meisterhaft gespieltes Cello zu ersetzen. Klassiker der Moderne wie der wunderbare "Otoño porteño" nahmen so die begeisterten Zuhörer mit in die pulsierende Metropole am Río de la Plata.

"Nuestro tiempo" zeigte die Zerrissenheit des modernen Menschen in eindringlichen Klangbildern, "Escualo" malte mit stürmischer Kraft die Bedrohung durch einen Hai, eine Metapher für unersättliche Gier. Verzweifelte Trauer, zugleich aber auch tiefe Dankbarkeit für den verstorbenen Vater erfüllten "Adiós Nonino". Hans-Joachim Grajers intensives Piano, Johanna Luthers subtile Violine, die eindringliche Gitarre von Klaus Luther, der flexible Kontrabass von Ulli Schmutzer und Janusz Skutellas sehnsüchtiges Cello ergänzten einander, flirteten und provozierten sich gegenseitig. In virtuosen Soli zeigten die fünf Musiker auf der Bühne ihre Individualität. Immer war spürbar, dass sie einander blind vertrauen. Kaum tauschten sie einmal einen Blick miteinander, aber jede Nuance saß. Leider ließ der starke Hall in der Synagoge den feinziselierten Rhythmus manchmal verschwimmen.

Piazzollas musikalischer Vorgänger war Carlos Gardel. Mit drei seiner Lieder betrat die Sängerin Andrea "Bibi" Bibel die Bühne. Munter interpretiert sie "Por mi cabeza", sehnsüchtig "Volver". "Mi Buenos Aires querido" gestaltete sie als Huldigung an die Schönheit dieser Stadt, ihrer Frauen und den Zauber ihrer Nächte. Aber erst bei Piazzollas "Libertango" und, noch gesteigert bei "Yo soy María", zeigte sie ihr ganzes Potenzial. Ihr dunkel gefärbter Alt verlor jede zahme Sanftheit, wurde wild und leidenschaftlich. Sie brachte die Wände zum Vibrieren und riss mit ihrer scheinbar ungezügelten Emotionalität die Zuhörer mit.

Stürmisch applaudierte das Publikum und forderte eine Zugabe. Mit dem großartigen "Che, Tango, che", das noch einmal die ganze Sinnlichkeit und Abgründigkeit des Tangos zusammenfasste, verabschiedete sich das Tangoprojekt 5.

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