11.09.2019 - 18:18 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Solidarische Landwirtschaft in Amberg-Sulzbach: Bauer und Konsumenten teilen

In der solidarischen Landwirtschaft teilen sich Bauer und Konsumenten die Ernte - und die Kosten für den Anbau. Nicht die Preise zählen hier, sondern der Wert von Gemüse und Arbeit, erklärt Barbara Ströll (Öko-Modellregion).

Mitglieder der neuen SoLaWi-Initiative im Amberg-Sulzbacher Land und Landwirtin Margarete Lösl (mit Korb) freuen sich darauf, als Gemüse-Erntegemeinschaft gemeinsam zu wirtschaften. Margarete Lösl, Kerstin Paul (Dritte von links) und Stefan Dietl (Dritter von rechts) erzählen im Interview von Ihren Motiven.
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Bauer und Konsumenten teilen in diesem Konzept - in guten, aber auch in schwierigen Jahren. "Konsumenten werden zu Ernte-Teilern und können sich, je nach Neigung, auch bei der Arbeit auf dem Acker engagieren", erklärt Barbara Ströll, Projektmanagerin der Öko-Modellregion Amberg-Sulzbach/Amberg. Menschen, die Teil der Gemeinschaft solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) werden und sich mit Gemüse aus bäuerlich-ökologischem Anbau in der Region ernähren möchten, können sich nun einer neuen SoLaWi-Initiative im Amberg-Sulzbacher Land anschließen.

Die Akteure sind Junglandwirtin Margarete Lösl aus Sulzbach-Rosenberg und zehn engagierte Interessenten, die sich seit dem Frühjahr mit allen Fragen rund um die neu zu gründende SoLaWi beschäftigt haben. Die Landwirtin möchte Gemüse für die SoLaWi-Gemeinschaft anbauen. Die potenziellen Ernte-Teiler wollen sich mit ökologischem Gemüse aus der Region versorgen und dabei genau wissen, wo es herkommt und wie es angebaut wird. Die Gruppe hat inzwischen ein Konzept erarbeitet und 20 potenzielle Ernte-Teiler gefunden. Barbara Ströll begleitet und unterstützt diese Initiative.

"Eine gut funktionierende SoLaWi-Gemeinschaft braucht engagierte Ernteteiler, die sich einbringen", betont Ströll. Die meisten Mitglieder der neuen Initiative wünschen sich, der Bäuerin gelegentlich beim Unkrautrupfen und Ernten helfen zu können. Kerstin Paul aus Sulzbach-Rosenberg und Stefan Dietl aus Hirschau haben sich von Anfang an für die konzeptionelle Arbeit engagiert. Beide interessieren sich für alternative Wirtschaftsformen, sind begeisterte Netzwerker und lieben gutes Gemüse aus ökologischem Anbau.

Schon im Frühjahr 2020 soll es losgehen mit Anbau und Ernte. Für den Anfang können maximal 50 Ernte-Teiler mitmachen. Wer das tun möchte, kann sich anmelden für den Infoabend der SoLaWi-Initiative am Dienstag, 17. September, um 19.30 Uhr im Amt für Landwirtschaft Amberg. Dort kann man sich einen halben oder ganzen Ernteteil für 2020 bereits verbindlich reservieren. Die Anmeldung ist möglich per E-Mail (oekomodellregion[at]lpv-amberg-sulzbach[dot]de).

Info:

Solidarische Landwirtschaft

Informationen zur solidarischen Landwirtschaft findet man beim SoLaWi-Netzwerk (www.solidarische-landwirtschaft.de). Nach Aussage des Netzwerkes gibt es in Deutschland aktuell 254 SoLaWi-Gemeinschaften.

Die SoLaWi-Initiative entstand aus dem AOVE-Projekt „Resilienz im Ländlichen Raum“ in Zusammenarbeit mit der Projektmanagerin der Öko-Modellregion. Erstkontakte haben sich über das Gemüsenetzwerk der Öko-Modellregion ergeben. Nach einigen Informationsveranstaltungen der AOVE und dem Zukunftskino-Abend „Zeit für Utopien“ war eine kleine Gruppe von Interessenten beisammen.

Über die Internetseite der Öko-Modellregion finden seitdem immer wieder neue Interessenten zum Projekt und melden sich. "Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie fruchtbar Netzwerkarbeit sein kann und wie sich Kommunen im Sinne der Öko-Modellregion engagieren können", betont Barbara Ströll, Projektmanagerin der Öko-Modellregion.

In einem Interview sprechen drei Aktive aus den Reihen der SoLaWi-Initiative, Kerstin Paul, Stefan Dietl und Margarete Lösl, über das Projekt.

ONETZ: Warum haben Sie sich für die SoLaWi-Initiative interessiert?

Stefan Dietl: Ich wünsche mir eine faire, saubere Lebensmittelproduktion. Bei den Bio-Produkten aus dem Supermarkt fehlt mir oft die Regionalität und ein Großteil des Gewinns versickert im Handel und kommt nicht beim Erzeuger an. Außerdem werden dort auch wieder die Großen gefördert. Darum war ich begeistert von der Möglichkeit, dass eine SoLaWi bei uns vor Ort entstehen könnte.

ONETZ: Was war Ihr Beweggrund, Frau Paul?

Kerstin Paul: Mich beschäftigen die Global Goals und die Frage „Wie wollen wir in Zukunft leben?“ schon längerer Zeit. Darum interessiere ich mich für Konzepte zum alternativen Wirtschaften wie Degrowth-Bewegung, Transition Towns, Gemeinwohlökonomie und andere. Ich wünsche mir etwas Unabhängigkeit von großen Lebensmittelkonzernen und bin davon überzeugt, dass wir als Gemeinschaften viel erreichen können. Darum spricht mich die solidarische Art der Betriebsbewirtschaftung sehr an: gemeinsam, selbst organisiert, fair und nachhaltig zu wirtschaften und dabei regionale Netzwerke zu stärken.

ONETZ: Was versprechen Sie sich jetzt von diesem Projekt?

Stefan Dietl: Ich erwarte, dass ich ökologisch erzeugte Lebensmittel aus der Region bekomme, durch die weder Erzeuger noch Umwelt ausgebeutet werden. Eventuell können wir auch zum Erhalt alter, samenfester Gemüsesorten beitragen. Darüber hinaus hoffe ich, dass das Projekt eine Signalwirkung für die Region hat und andere Landwirte und Konsumenten dazu ermutigt werden, einen ähnlichen Weg zu beschreiten. Der Biohof Walz aus Schäflohe hat schon gezeigt, dass es für den eher urbanen Raum Richtung Nürnberg funktioniert. In Japan bezieht ein Viertel aller Haushalte die Lebensmittel über eine SoLaWi.

ONETZ: Was sind Ihre Erwartungen, Frau Paul?

Kerstin Paul: Auch ich denke, dass unsere Initiative eine Inspirationsquelle sein kann für weitere Projekte, die zur Stärkung unserer Region beitragen. Ich freue mich darauf als Konsumentin nun einen kleinbäuerlichen, ökologisch wirtschaftenden Betrieb als Alternative zur Agrarindustrie unterstützen zu können und gesunde Lebensmittel in bester Qualität zu bekommen. Und ich freue mich auf die Gemeinschaft.

Margarete Lösl ist auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen, hat zunächst eine Ausbildung zur Landwirtin absolviert und schließlich im Frühjahr 2019 ihr Landwirtschaftsstudium abgeschlossen. Ihre Begeisterung für den Gemüseanbau hat sich nebenbei entwickelt. Als Vegetarierin und leidenschaftliche Köchin genießt sie es, sich das Gemüse einfach frisch aus dem Garten holen zu können. Inzwischen hat sie sich verschiedene Gemüsebaubetriebe mit SoLaWi angeschaut und sich für ein Anbaukonzept entschieden.

ONETZ: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Lebensmittel für eine SoLaWi anbauen zu wollen?

Margarete Lösl: Studienkollegen haben mir von SoLaWi-Projekten erzählt. Dann habe ich mir einige Betriebe angeschaut. Das Konzept der Gemeinschaft hat mich überzeugt. Ich denke, dass in einem Team größere Ziele und Träume verwirklicht werden können als allein.

ONETZ: Was versprechen Sie sich persönlich von der Initiative?

Margarete Lösl: Ich hoffe, dass durch die enge Zusammenarbeit mit den Ernte-Teilern die vom Bauern erzeugten Lebensmittel wieder mehr wertgeschätzt werden. Ich denke, dass dieses Projekt ein guter Weg zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft ist.
Ich freue mich darauf, die Herausforderungen, die auf mich und die Gruppe zukommen, mit Begeisterung und Ideenreichtum gemeinsam zu meistern und ich freue mich auch auf die gemeinsame Arbeit auf dem Acker, für die sich viele aus der Gruppe interessieren.

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