17.06.2018 - 16:05 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Speere fliegen im Stadtgraben

Das Saustechen beim Sulzbach-Rosenberger Altstadtfest hat Tradition. 1986 findet die dreitägige Traditionsveranstaltung zum ersten Mal statt. Zugleich Geburtsstunde des ungewöhnlichen Wettkampfs.

Der Traditionswettkampf findet dieses Jahr zuammen mit dem Altstadtfest zum 42. Mal statt.

Die Idee des Saustechens basiert auf den Sagen rund um den Gründervater der Stadt, Graf Gebhard. Er ging oft in den Sulzbacher Wäldern mit dem Speer auf die Jagd, um Wildschweine zu erlegen.

Um den Gründer Sulzbachs auf- und den Brauch weiterleben zu lassen, wurde, von der Versehrtensportgruppe initiiert, das Saustechen fester Bestandteil des Altstadtfestes. Sogar ein Wildschweinfell wurde aus Ungarn als Trophäe von einem Jäger hergebracht, um den Bezug zur Sulzbacher Sage mit der Wildsau zu verdeutlichen. Die Traditionssportart wechselte dann im Jahre 1990 von den Versehrten zu den Jedermännern, einer Sportgruppe für Männer ab 60 Jahren, welche die Organisation letztendlich 2003 dem TV Sulzbach-Rosenberg übergaben.

Horst Ziesmann (83), Ehrenmitglied des TV Sulzbach-Rosenberg, war früher mit den Jedermännern für das Saustechen zuständig: "Der Traditionswettkampf gehört zum Altstadtfest. Er bedeutet Geschichte. Es ist immer eine Gaudi - wobei es ein paar Leute gab, die das fast schon zu ernst nahmen. Sie haben solange mit dem Speer geworfen, bis wir von der Organisation gesagt haben: Jetzt ist einmal Schluss."

U-Boot-Verein dabei

"Nicht nur die ausrichtenden Vereine wechselten im Laufe der Jahre, auch der Austragungsort war nicht immer der Stadtgraben", erklärt Ziesmann. Vom Schlossgraben, heutiger Sitz der Polizeiinspektion, zog die Veranstaltung zum Stadtgraben um.

Der Ablauf ist seit Beginn immer derselbe geblieben: "Ein Teilnehmer wirft sechs Mal aus neun beziehungsweise zwölf Metern, je nach Geschlecht, auf eine Zielscheibe am Boden. Der Treffer direkt in der Mitte zählt sechs Punkte, die beiden äußeren Bereiche (gekennzeichnet durch Ringe) jeweils drei und einen Punkt. Am Ende des Wettkampfs gewinnt der Einzelkämpfer oder die Gruppe mit den jeweils meisten Punkten.

"Wir Jedermänner spendeten zuletzt die Einnahmen des Saustechens immer an Institutionen, die diese sehr dankbar annahmen", erzählt der ehemalige Besitzer eines Schuh- und Schlüsseldiensts in Sulzbach-Rosenberg.

Nie vergessen wird Horst Ziesmann einen Hamburger U-Boot-Verein, der einmal anlässlich des Saustechens nach Sulzbach-Rosenberg reiste: "Das Bier hat ihnen offensichtlich gut geschmeckt, da haben ein paar von ihnen nicht mehr gewusst, wo sie hinwerfen. So mussten sich die Zuschauer oben am Stadtgraben ein paarmal ducken, weil der Speer über die Mauer flog."


Für jeden etwas

Seitdem die Jedermänner sich um den Wettbewerb kümmerten, kann man seine Zielgenauigkeit sowohl als Mannschaft, bestehend aus jeweils fünf Personen, als auch alleine im Einzelkampf unter Beweis stellen. "Die Sulzbacher Sportart ist für jeden etwas, ob Jung oder Alt. Man muss nicht Mitglied in einem Verein sein oder ein Stammwerfer. Wen das Saustechen interessiert und wer sich dafür begeistern kann, der ist zum Mitwerfen willkommen", meint Horst Ziesmann. Wer will, kann sich für heuer (ab 16 Jahren) noch anmelden.

Start am Samstag

Das Saustechen beginnt am Altstadtfestsamstag, 23. Juni, aufs Neue. Von 10 bis 17 Uhr hat jeder Teilnehmer die Möglichkeit, sich mit anderen in diesem einzigartigen Wettkampf zu messen. Abschließend gibt es neben der Siegerehrung (17.30 Uhr) noch eine Tombola mit Preisen, die die Sulzbach-Rosenberger Geschäftswelt spendierte. Die Teilnahmegebühr beläuft sich bei Mannschaften mit fünf Werfern auf zwölf Euro, Einzelkämpfer zahlen drei Euro. Über die Organisatoren der Sparten Basketball und Squash des TV Sulzbach-Rosenberg kann man sich noch bis zum Beginn des Altstadtfestes bei Christine Ruoff in der Peter-Fechter-Straße 19 in Sulzbach-Rosenberg Wurfspeere für das private Training leihen.

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