10.08.2018 - 14:37 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

"Ich spiele sehr gern in Kirchen"

Auch Top-Violinisten erwischen mal einen gebrauchten Tag. Erst muss Nikolaj Znaider am Flughafen München stundenlang auf seinen Mietwagen warten, und dann bringt ihn das Navi vom schnellsten Weg nach Sulzbach-Rosenberg ab.

Kaum in Sulzbach-Rosenberg angekommen, widmet sich der renommierte Violinist Nikolaj Znaider (links) voller Elan seinen Meisterschülern.

(aks) Endlich angekommen in der Herzogstadt, blieb ihm nicht einmal Zeit für eine Erfrischung nach den Torturen in gnadenloser Sommerhitze. Die vier Schüler seiner Meisterklasse hatten zwei Stunden geduldig auf ihr wichtiges Vorspielen gewartet und wollten natürlich so schnell wie möglich loslegen. Als absoluter Profi fügte sich Nikolaj Znaider in sein Schicksal, arbeitete scheinbar ohne Anstrengung und Ermüdung mit seinen Schülern und fand anschließend sogar noch ein paar Minuten Zeit für die SRZ.

ONETZ: Herr Znaider, Sie sind in diesem Jahr zum zweiten Mal zu Gast beim Sulzbach-Rosenberg International Music Festival (SRIMF). Haben Sie diesen Termin gleich nach dem umjubelten Auftritt 2017 im Kalender frei gehalten?

Nikolaj Znaider: Das ist nicht wie bei einem normalen Konzert-Engagement. Aber es hat gepasst und ich komme gerne, aus Liebe zum Festival und aus Freundschaft zu Misha Quint (künstlerischer Leiter, Anmerkung der Redaktion). Und es ist mir wichtig, junge Leute zu coachen.

ONETZ: Was schätzen Sie besonders an diesem Festival und seinem künstlerischen Leiter Misha Quint?

Nikolaj Znaider: Wie gesagt, mit Misha Quint verbindet mich eine Freundschaft. Am Festival schätze ich die persönliche Dimension. Ich fand es letztes Jahr sehr angenehm hier mit all diesen freundlichen und begeisterungsfähigen Leuten.

ONETZ: Sie haben diesmal für Ihren Auftritt das Abschlusskonzert in der Christuskirche gewählt. Nach Herz-Jesu im letzten Jahr also wieder ein sakraler Konzertrahmen – haben Sie dafür ein besonderes Faible und wenn ja, warum?

Nikolaj Znaider: Kirchen sind immer sehr schön, ich spiele sehr gern in Kirchen, schon allein wegen dieser ganz besonderen Atmosphäre.

ONETZ: Sie werden das Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester von Johannes Brahms spielen. Welchen Bezug haben Sie zu diesem Werk?

Nikolaj Znaider: Ich habe dieses Konzert schon sehr, sehr lange nicht mehr gespielt, bestimmt zehn Jahre nicht mehr. Zuletzt habe ich es dirigiert, aber das ist auch schon sechs Jahre her. Es ist schön, es jetzt wieder zu spielen.

ONETZ: Zeit für viele Proben vor Ort bleibt nicht – wie klappt es trotzdem mit der Feinabstimmung mit Cellist Misha Quint und Dirigentin Nicoletta Conti?

Nikolaj Znaider: So wenig Probenzeit ist in diesem Fall ganz normal. Es ist ein absolutes Repertoire-Stück, da geht das. Die Zusammenarbeit muss man sich vorstellen wie den Spaziergang von zwei Menschen. Man hakt sich ein und kommt am Ende schon dort an, wo man hin will.

ONETZ: Sie haben zusätzlich auch noch eine Meisterklasse für SRIMF-Studenten gegeben. Was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

Nikolaj Znaider: Mir ist wichtig, überhaupt irgendetwas zu vermitteln. Die Gefahr bei Meisterklassen ist ja, dass es zu einem Spektakel wird, das sich nur um den „Meister“ dreht. Ich versuche, den Studenten die Augen zu öffnen und ein, zwei, drei Sachen mitzugeben, mit denen sie arbeiten können. Musik zu lehren ist im Übrigen ganz schwer, und man hat auch nie ausgelernt. Ich habe nur ein bisschen länger gelernt als die Studenten.

ONETZ: Sie sind ja nicht nur gefragter Violinist, sondern genießen auch große Anerkennung als Dirigent. Wird die Arbeit am Pult irgendwann einmal zum Schwerpunkt werden?

Nikolaj Znaider: Dirigieren ist schon ein Schwerpunkt, aber ohne Geige – das wäre ein großer Verlust für mich und zu traurig.

ONETZ: Wohin geht die Reise, wenn Sie Sulzbach-Rosenberg wieder verlassen?

Nikolaj Znaider: Für mich geht es eigentlich erst im September wieder richtig los. Vorher bin ich nur noch in Grafenegg mit den Bamberger Symphonikern (Freitag, 24. August, Brahms, Smetana, Anmerkung der Redaktion).

ONETZ: Dürfen sich Ihre Oberpfälzer Fans schon auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr freuen?

Nikolaj Znaider: Ja! Wenn es passt.

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