30.09.2019 - 17:03 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Spuren-Wanderung: Als Walter Höllerer ein Lausbub war

Als Neunjähriger wollte er einen Zirkus gründen. Stattdessen gründete er das "Literarische Kolloquium": Der Sulzbach-Rosenberger Walter Höllerer. Das Literaturhaus Oberpfalz veranstaltete einen Themspaziergang zu den Stätten seiner Jugend.

Vor dem Geburtshaus von Walter Höllerer in der Bayreuther Straße zeigt Elke Kotzbauer ein Kinderbild von Walter Höllerer mit Großvater und Schwester.
von Autor GACProfil

"Daheim sitzen liegt mir nicht", zitierte die AOVE-Kulturführerin Elke Kotzbauer aus einem Schulaufsatz des jungen Walter Höllerer zum Einstieg. Eine kleine Gruppe von Interessenten hatte sich am Literaturhaus Oberpfalz getroffen, um einige Stätten der Jugend Höllerers zu erkunden. Daheim sitzengeblieben ist er ja auch nicht: Nachdem er in alle Welt gereist war, hat er den größten Teil seines Lebens in Berlin verbracht. Seine Kindheit und Jugend und auch seine Freunde in Sulzbach-Rosenberg hat der 1922 Geborene jedoch nie vergessen.

Von Höllerers Geburtshaus in der Bayreuther Straße, wo man heute noch wie damals über dem Jugendstilbalkon die Annabergkirche leuchten sieht, ging es über den Friedhofsberg zum Bahnhof, von dem der Gymnasiast täglich nach Amberg ins Erasmus-Gymnasium fuhr. Hier las Kotzbauer eine köstliche Schilderung des Unfugs vor, den die Schüler mit dem Schaffner und den Mitreisenden trieben. Von dort ging es am Schillerstein vorbei, der früher am Annaberg stand und über den Höllerer ein langes Gedicht geschrieben hat, zur Klostergasse, wo sein lebenslanger Freund Heiner Schwab wohnte, zurück zur Rosenberger Straße.

Mit Max Ottmann war er ebenfalls eng befreundet. In der Seilerei der Ottmanns wurde damals ein echter Elefantenzahn als Werkzeug verwendet. Das hat den jungen Höllerer so beeindruckt, dass der Elefant sein Lieblingstier wurde.

Zurück am Literaturhaus erinnerte Kotzbauer an die Freundschaft Höllerers mit Günter Grass, der das Literaturhaus seinen wohl kostbarsten Besitz verdankt, den "Pariser Koffer" mit dem Typoskript der "Blechtrommel". Als die jahrelangen Bemühungen Oswald "Ossi" Heimbuchers zur Gründung eines Literaturarchivs in Sulzbach-Rosenberg im Jahre 1977 endlich Erfolg hatten, kochte Günter Grass dort selbst seine legendäre Pilzsuppe, die aber nach Aussage einer Zeitzeugin scheußlich geschmeckt haben soll. Unterwegs zeigte Kotzbauer Kinder- und Jugendbilder von Höllerer und auch alte Ansichten von Sulzbach-Rosenberg. Damit und mit Höllerers Gedichten und Erinnerungen wurde die alte Zeit wieder lebendig.

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