Update 28.10.2018 - 17:52 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sudetendeutsche Landsmannschaft löst sich auf

Freude, Dankbarkeit und Wehmut prägen die letzte Feierstunde der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Eine Linde im Stadtpark wird an den 70. Jahrestag der Orts- und Kreisgruppe erinnern - und gleichzeitig auch an ihr Ende.

Die Mitglieder der Sudetendeutschen Landsmannschaft begehen mit ihrem Vorsitzenden Hans Dittrich (Zweiter von rechts) im Stadtpark den 70. Jahrestag der Gründung. Gleichzeitig wird die Auflösung der Orts- und Kreisgruppe bekanntgegeben.
von Helga KammProfil

Bei spätsommerlichem Sonnenschein waren zahlreiche Mitglieder der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) in den Stadtpark gekommen. Sie wollten im Beisein von Freunden und Lokalpolitikern den 70. Jahrestag der Gründung ihrer Organisation mit dem Pflanzen einer Linde begehen. In Sichtweite der Europa-Linde erinnert nun die Sudeten-Linde an die Jahre 1948 bis 2018, in denen Vertriebene aus Böhmen, Mähren und Schlesien hier eine neue Heimat gefunden und das öffentliche Leben positiv geprägt haben.

Hans Dittrich, seit 1983 Vorsitzender der SL-Orts- und seit 2009 auch der Kreisgruppe, blickte zurück auf die Anfangsjahre, in denen 17 Ortsverbände im alten Landkreis ein reges Gemeinschaftsleben gestaltet haben. Frauengruppe, Jugendgruppe, eigene Geschäftsstelle sowie zahlreiche Veranstaltungen und Reisen gaben den Heimatvertriebenen Zusammenhalt. In der Landsmannschaft wurden ihre Interessen vertreten und sie trugen positiv zum Leben in ihrer neuen Heimat bei.

Als "hundertprozentigen Abkömmling von Sudetendeutschen" outete sich Landrat Richard Reisinger. Sein Urgroßvater habe als 90-jähriger die Flucht angetreten und sei nach Luppersricht dann in Sulzbach-Rosenberg angekommen. Die politisch brisante Frage nach deutscher Kriegsschuld und Unrecht des Vertreibens werde heute europäisch-versöhnlich beantwortet, sagte der Landrat. Er dankte dem Vierten Bayerischen Stamm: "Sie sind voll integriert, Ihre Aufbauleistung ist unübersehbar".

Bürgermeister Michael Göth hatte das Stadtarchiv bemüht und Artikel aus der damaligen Sulzbach-Rosenberger Zeitung mitgebracht. Im Oktober 1948 wurde über den ersten Heimatabend der SL berichtet, 1963 über die Patenschaft mit der Stadt Rumburg und 1999 über das 50-jährige Bestehen. "Der Anteil der Heimatvertriebenen damals betrug im Landkreis 24 Prozent und 26 Prozent in der Stadt" sagte Göth und versicherte, man sei in den vielen Jahren und durch vielfältiges Wirken zusammengewachsen.

Angesichts der vielen gemeinsamen Jahre freundschaftlichen und erfolgreichen Miteinanders fiel es Hans Dittrich schwer, das Ende der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Sulzbach-Rosenberg bekanntzugeben. "Die Mitglieder der Erlebnisgeneration werden immer älter und immer weniger, so dass wir nach der Weihnachtsfeier unsere Orts- und Kreisgruppe auflösen müssen".

Aber sein jahrzehntelanges Wirken für die SL wurde honoriert: Mit herzlichen Dankesworten überreichte ihm Bürgermeister Michael Göth als besondere Auszeichnung der Stadt die Knorr-von-Rosenroth-Medaille in Gold.

Mit der Knorr-von-Rosenroth-Medaille in Gold dankt Bürgermeister Michael Göth dem SL-Vorsitzenden Hans Dittrich (links) für sein langjähriges Wirken.
Das "Feieramd-Lied" spielen Sepp Ertl (links) und Hans Dittrich auf ihren Saxophonen zum Ausklang der Feierstunde

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