08.02.2019 - 16:15 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Sulzbach-Rosenberger Start-up auf Großhandelskurs

Zwei junge Männer gründen eine Firma, arbeiten viel und finden eine Marktlücke. Jetzt, nach zwei Jahren, haben sie eine halbe Million Euro investiert und eine zehnköpfige Mannschaft.

Sie sind auf dem besten Weg: Leander Strobel (links) und Daniel Fischer füllen als Jungunternehmer eine deutliche Marktlücke im Landkreis.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Der Ofen knistert gemütlich, im neuen hölzernen Büro duftet es nach Kaffee: Leander Strobel und Daniel Fischer sitzen am selbstgebauten Tisch und ziehen Bilanz einer arbeitsreichen, aber irgendwie schon tollen Zeit: "Es hat alles bestens geklappt, und es geht immer noch aufwärts." An der Wand hängt ein Zeitungsartikel. "Von der Wurzel bis zur Bank" hieß die Geschichte, die in der SRZ vor genau zwei Jahren erschienen ist, und sie hat viel ausgelöst.

Aber zurück zum Anfang: Leander (23) aus Pürschläg und Daniel (25) aus Leinhof kennen sich schon seit der Realschule, Der eine wurde Forstwirt, der andere Zimmerer, aber eine gemeinsame Firma wollten die beiden Kumpel schon immer. Sie entwickelten einen genialen Plan: Von der Forstpflanze im Wald über die Pflege des Bestandes bis hin zur Holzernte und der Weiterverarbeitung wollten sie eine Wertschöpfungskette schmieden, ökologisch und vor allem in der Region verwurzelt. Das haben sie geschafft: Fischer & Strobel - Forstbetrieb, Holzhandlung, Sägewerk.

Daniel Fischer, der Laubholz-Spezialist arbeitet mit seiner Truppe in den Wäldern von Privatleuten, Kommunen, Kirchen und Staat seine Aufträge ab, ohne "Harvester", dafür aber mit viel Herzblut, Handwerk und Sorgfalt. Viele Baumstämme werden gleich angekauft und auf den Betriebshof in Pürschläg mit seinen knapp 10 000 Quadratmetern verfrachtet.

Dort kommt Leander Strobel ins Spiel: Er bedient mit seinen Helfern die Blockband-Säge, mit der exakte und auch schwierige Schnitte gut gelingen. Das freut wiederum Schreiner und Landwirte. Aus den Hölzern entstehen in Pürschläg Gartenmöbel, Garnituren, Blumentröge, Hochbeete und vieles mehr. Das Geschäft entwickelte sich prima, sowohl im Wald als auch in der Werkstatt. "Großen Anteil daran hatte der Zeitungsartikel vor zwei Jahren, danach liefen uns die Leute die Bude ein." Auch neue Mitarbeiter fanden die beiden jetzt viel schneller.

So weit, so gut. Aber jetzt haben die beiden Jungunternehmer einen neuen Coup gelandet: Sie gründeten die Holzgroßhandlung Fischer & Strobel. Dazu muss man wissen, dass es im Landkreis bisher seit Jahren keine solche mehr gab. Die Idee dahinter: Zimmereien und anderen Holzverarbeitern qualitativ hochwertige Materialien schnell und preiswert zu liefern - mit Baumarktware nicht zu vergleichen. "Die Handwerker und Bauhöfe freuen sich, dass sie jetzt nicht mehr auswärts einkaufen müssen", ist die gemeinsame Erfahrung der beiden.

Dann beantworten sie die Frage nach den Investitionen. Und nun wird es interessant: Zwei Forstschlepper, Rückwagen mit Ausrüstung, Doppelsäumer, Forstmaschinen, Blockbandsäge, Lastwagen, Sechs-Meter-Anhänger, Langholzwagen, zwei Firmen-Busse, Kipper, Seitenstapler, das alles wurde angeschafft, ein neues Büro errichtet, ebenso eine Holzlagerhalle, eine zweite ist in Arbeit: Rund eine halbe Million steckt schon in der jungen Firma, und jetzt läuft der Großhandel an: Latten, Schnittholz, Hobelware, Konstruktions-, Schicht- und Gartenholz, PLatten - alles lagert hier oder wird besorgt.

Es gibt eigentlich nichts, was sie hier nicht anbieten rund ums Holz: Hackschnitzel, Brennholz, Säge- und Hobelspäne - stundenlang könnte man den beiden jungen Fachleuten zuhören, was sie alles schon machen oder planen. Doch zum Schluss sprechen sie noch über ihre acht Mitarbeiter: "Eine tolle Truppe, extrem motiviert und kollegial, im Alter zwischen 20 und 60. Einer unserer besten Holzhauer ist übrigens Iraker." Man sieht: Der Holzweg muss nicht immer der schlechteste sein.

Diverse Holzsorten warten im umfangreichen Lager auf ihre Weiterverarbeitung zu Sitzgruppen und Blumentrögen.
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