Sulzbach-Rosenberg
17.08.2018 - 11:35 Uhr

Super-süß, aber problematisch

Der Wolf streift durch den Landkreis. Doch sollen die süßen Welpen etwa Problemtiere sein? CSU-Politiker Harald Schwartz und LBV-Landeschef Norbert Schäffer verdeutlichen bei einem Redaktionsbesuch ihre Standpunkte.

Wolfswelpen kommen recht tapsig daher. Wenn ausgewachsene Exemplare aber durch die Kulturlandschaft streifen, ist es mit dem Baby-Bonus schnell dahin. CSU-Politiker Harald Schwartz und LBV-Chef Norbert Schäffer sind bei einem Redaktionsgespräch auf der Suche nach einem gemeinsamen Nenner in Sachen Problemtiere. Carmen Jaspersen/dpa
Wolfswelpen kommen recht tapsig daher. Wenn ausgewachsene Exemplare aber durch die Kulturlandschaft streifen, ist es mit dem Baby-Bonus schnell dahin. CSU-Politiker Harald Schwartz und LBV-Chef Norbert Schäffer sind bei einem Redaktionsgespräch auf der Suche nach einem gemeinsamen Nenner in Sachen Problemtiere.

Onetz: Herr Schäffer, Herr Schwartz, mit welchen Problemtieren haben wir es in der Oberpfalz zu tun?

Norbert Schäffer: Ein schönes Beispiel ist der Kormoran. Es ist durchaus richtig, dass Kormorane in großer Zahl Konflikte mit Teichwirten hervorrufen können. Die erste Maßnahme gegen Schäden am Zuchtfischbesatz muss Prävention sein. Wenn das nicht hilft, kann man zur Vergrämung übergehen. Und das wird auch gemacht: So wurden im Winter 2016/17 in Bayern rund 11 000 Kormorane geschossen. Ebenso ist es mit dem Biber, von dem jährlich 1300 entnommen werden. Wir kämpfen nicht um jedes Tier.

Harald Schwartz: Hier geht es auch um wirtschaftliche Fragen, um Eigentum und um Existenzen. Teichwirte sehen sich quasi zwei Ansprüchen gegenüber, dem Naturschutz und dem Staat, und keiner von beiden wird von ihnen nur gelobt. Sie sehen Kormoran, Biber und Fischotter naturgemäß mit anderen Augen.

Norbert Schäffer: Die Situation ist mir nicht fremd. Beliebt macht man sich da nicht. Aber der LBV arbeitet mit den Jägern und dem Fischereiverband gut zusammen.

Onetz: Was sagen Sie zur Wolfsproblematik, etwa zu dem Angriff auf eine Schafherde in Baden-Württemberg, bei der 40 Tiere umkamen?

Norbert Schäffer: Zunächst muss man einmal festhalten, dass in diesem Fall keine Schutzmaßnahmen getroffen worden waren. Ein kleiner Zaun und ein Bach sind keine Hindernisse für den Wolf. Klar ist aber auch: Wenn ein Wolf Präventionsmaßnahmen wiederholt überwindet, darf er entnommen werden.

Harald Schwartz: Aber man kann doch nicht die ganze Landschaft einkasteln, wo Weide- und Haustiere leben. Es müssen auch zumutbare Präventionsmaßnahmen sein. Es sollte definierte wolfsfreie Bereiche geben. Zudem müssen wir auch die Tierarten schützen, die durch den Wolf verdrängt werden, zum Beispiel das Muffelwild.

Norbert Schäffer: Das ist rechtlich gar nicht durchführbar. Diese Tiere haben ein Recht, hier zu leben, sie gehören hierher. Einen anderen Stellenwert hat das Muffelwild. Das stammt aus Sardinien, wurde bei uns ausgesetzt und ist hier nicht heimisch. Beim Wolf muss eben der Staat und damit der Steuerzahler für die Finanzierung geeigneter Schutzmaßnahmen sorgen, wo immer diese möglich sind. Und vor allem eines: Der Wolf muss scheu bleiben.

Harald Schwartz: Natürlich. Aber das Rotwild zum Beispiel wird seine Lebensweise trotzdem verändern, es wird mehr Waldschäden geben, wenn der Wolf hier jagt. Muss das sein, auf Kosten anderer? Allerdings gebe ich Ihnen Recht: Der Wolf muss scheu bleiben. Einen Wolf absichtlich zu füttern, ist ein Vergehen: Das kann zur Gefahr für den Menschen werden durch verhaltensauffällige Tiere. Eine geordnete Entnahme ist zwingend.

Norbert Schäffer: Wir wollen ja die Landnutzer nicht alleine lassen und stimmen einzelnen Eingriffen zu. Der Wolf ist kein Problem für den Naturschutz, kann es aber für Tierhalter werden.

Onetz: Stichwort Flächenverbrauch: Bis zu 13 Hektar werden in Bayern jeden Tag versiegelt.

Harald Schwartz: Erstens stimmt diese Zahl so nicht, weil bei diesen Berechnungen auch Renaturierungen und Biotopausweisungen einbezogen werden. Zum anderen kann man das nicht so einfach sinnvoll zentral reglementieren.

Norbert Schäffer: Doch, sehr wohl. Baden-Württemberg hat es vorgemacht.

Harald Schwartz: Wie wollen Sie denn die beispielsweise von den Grünen geforderten fünf Hektar pro Tag verteilen in Bayern? Wer darf dann bauen, wer nicht, wer zuerst? Besser wäre es doch, die Innenraumverdichtung zu stärken, durch Dorferneuerungsprogramme etwa, so dass die Dorf-und Stadtkerne wieder mehr bewohnt werden.

Norbert Schäffer: Alle politischen Parteien erkennen den Flächenverbrauch als Problem an, auch die CSU. Schon vor über 15 Jahren wurde ein Bündnis zum Flächensparen geschlossen. Passiert ist aber nichts.

Harald Schwartz: Sie dürfen dabei nicht vergessen, dass Bayern in diesen 15 Jahren um mehr als eine Million Menschen gewachsen ist. Wo sollen denn diese Menschen leben?

Zur Person:

Norbert Schäffer und Harald Schwartz - sie treffen sich meistens eher in München, als in Sulzbach-Rosenberg. Obwohl der eine aus der Stadt stammt und der andere sein Büro hier hat. Norbert Schäffer ist Landesvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV). Er wurde 1964 in Sulzbach-Rosenberg geboren, war früh für den Naturschutz aktiv und studierte in Regensburg und Bayreuth Biologie. Harald Schwartz (49) gehört der CSU an und ist seit Herbst 2013 der Stimmkreis-Abgeordnete im Landtag. Sein Büro unterhält er in der Bayreuther Straße. Schwartz ist Jurist und Jäger. (upl)

 
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