Wie kommt so ein Spektakel zustande? Die Metzgerei Lotter feierte ihr 35-jähriges Bestehen rund ums Geschäft am Fröschau-Einkaufscenter. Das lief ab wie ein mittleres Volksfest: Grillstände, ein Bierzelt, Musik und zahlreiche Biergarnituren, eine Grill-Ausstellung, Deutschlands größter Barbeque-Grill mit zehn Mann Besatzung, Vorträge, der Metzger-Laden als "Hall of Beef", eine Zerlege-Show und mittendrin die Grill-Praxis für die Zuschauer.
Grillen total
Zwei brandheiße, silberne mobile Grillgeräte und die nötigen Zutaten fanden sich in der Arena, in der sich Youtube-Star Klaus Glaetzner ("Klaus grillt") tummelte. Der Betreiber von "Deutschlands großem Online-Grillkanal, der jeden Tag zehntausende Grillbegeisterte im Internet erreicht" (Homepage) zelebrierte die bei ihm gar nicht so hohe Kunst des Steak-Zubereitens: Gerät auf höchste Stufe, Fleisch mit Olivenöl einreiben, auf jeder Seite anbraten, mehrmals wenden, nach maximal fünf Minuten auf die Ablage, Grill schließen, ziehen lassen. Wenn die Kerntemperatur 56 Grad erreicht hat - fertig.
Das Fleisch schnitt er in Streifen, würzte es mit eigenem Grillpfeffer, dann durften alle probieren. Einmalig, ob englisch oder rosa, das drei bis sechs Wochen gereifte Fleisch schmeckte herrlich. Klaus spielte sich die Bälle zu mit seinem Showpartner Sven Süß von "BBQ aus Franken", ebenfalls auf Youtube bekannt. Der hat sich auf alles mögliche Erhitzbare spezialisiert, von Toasts, Spießen, Fleischfackeln bis zu allen Fleisch-Variationen und bereitetet auch die passenden Saucen und Gemüse zu. Dichte Menschentrauben umlagerten die Open-air-Show.
Drinnen, tief in der Metzgerei, ging es um Grundsätzliches: Christoph Grabowski, der Fleisch-Sommelier aus dem Ruhrgebiet, erklärte vor einem Berg Rindfleisch die einzelnen Stücke, assistiert von Thomas Ludwig von der Lotter-Firma "Oberpfalz-Beef". Der Star der Fleisch-Szene, nach dem BSE-Skandal aktiv geworden, fand deutliche Worte: Fleisch soll nicht überall auf der Welt gleich schmecken, er plädierte für den Erhalt verschiedenster Rinder- und Schweinerassen, für deren artgerechte Haltung und vor allem für eines: "Fragen Sie Ihren Metzger, wo die Tiere her sind und welcher Rasse sie angehören. Wenn er das nicht weiß, dann kauft er dazu."
Bei Wein sei es selbstverständlich, sich über die Herkunft zu informieren, beim Fleisch werde das praktisch immer vergessen. Nur der Hinweis "Argentinisch" bürge noch nicht automatisch für Qualität und Geschmack. Er spricht als langjähriger Meister für die Zunft der Metzger: "Wir müssen das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen!" In Vielfalt, Qualität und fachlicher Beratung sei der engagierte örtliche Metzger jedem Discounter überlegen.
Lange Schlangen
Was hält er von Fleischersatz? "Lassen Sie sich nicht von der Industrie mit Attrappen abspeisen". Grabowski hat keine Vorurteile gegenüber Vegetarieren, im Gegenteil, sie schärften unser Bewusstsein für den Umgang mit Fleisch.
Draußen bildeten sich bis zu dreißig Meter lange Schlangen an den Essensständen, die Führungen durch die Metzgerei lockten Hundrte an, und bis in den Abend hinein feierte Johann Lotter mit seinen Gästen und seinem Team ein bemerkenswertes Fest - rund um das "beste Fleisch der Oberpfalz".





















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