21.01.2020 - 17:39 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Turbulentes Jahr für Rinderzüchter

Die strukturellen Veränderungen der Landwirtschaft machen um Rinderhaltung keinen Bogen. Erschwerend kamen 2019 Probleme beim Export dazu - wegen mangelhafter Qualität bei Transport und Verladestellen in Abnehmerstaaten wie Russland.

Dr. Thomas Nibler, Erich Pilhofer, Landrat Richard Reisinger und Uwe Hermann (von links) brachten ihre Wertschätzung für die Geehrten zum Ausdruck.
von Wolfgang BerndtProfil

Das machte Vorsitzender Uwe Herrmann in seinem Bericht bei der Jahresversammlung der Kreisrinderzuchtgenossenschaft Amberg-Sulzbach beim Wulfen in Kauerhof deutlich. Die im Landkreis Amberg-Sulzbach existierenen 535 landwirtschaftlichen Betriebe trügen nach wie vor zur positiven wirtschaftlichen Entwicklung bei, stellte Landrat Richard Reisinger anerkennend fest. Dies trotz großer Probleme, bedingt durch den Strukturwandel, der zur Aufgabe von Bauernhöfen geführt habe. Da man aber auch künftig nicht auf heimische Lebensmittel verzichten wolle, werde der Landkreis die Landwirtschaft auch weiterhin unterstützen.

Halbierung der Stückzahl

Um die Interessen der Landwirtschaft in Politik und Gesellschaft zu vertreten, sei die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen landwirtschaftlichen Produktionen unerlässlich, mahnte der BBV-Kreisvorsitzende Peter Beer an.

Die Vermarktungzahlen 2019 bereiteten den Rinderzüchtern große Probleme. Hintergrund war die Halbierung der Stückzahlen beim Export, was hauptsächlich auf die Situation bei den Tiertransporten zurück zu führen war, konstatierte Uwe Herrmann. Dafür wiederum trügen der unzumutbare Zustand von Verladestellen beispielsweise in Russland einen Großteil der Verantwortung. Mittelfristig gesehen würden Langstreckentransporte auch für Zuchtrinder nicht mehr möglich sein. Auf der anderen Seite sei aber die Großviehvermarktung positiv gewesen, da mehr Tiere als in den Vorjahren abgesetzt werden konnten.

Deutlich niedrigere Preise

Die Delegierten: (von links) Uwe Herrnann, Ulrike Höllriegl und Hans Dehling.

Große Unsicherheit habe die Vermarktung der männlichen Nutzkälber der Rasse Fleckvieh geprägt. Neben der angespannten Futtersituation führten die geringeren Erlöse bei den Schlachtbullen zu deutlich niedrigen Preisen bei den Kälbern. 2019 war für die Rinderzüchter ein turbulentes Jahr, resümierte Uwe Hermann.

Zu den Aktivitäten gehörte die Mitarbeit in der Bewegung "Land schafft Verbindung", informierte Hans Pirner. Dabei wird für Verhandlungen zwischen Landwirten, der Politik und den NGOs geworben. Zu den Punkten, die diskutiert werden sollten, gehöre das Mercosur-Abkommen. Dieses Handelsabkommen mit Südamerika stehe stellvertretend für den Import von Waren, die nicht die Standards von sicheren, qualitativ hochwertigen und geprüften Lebensmitteln einhalten. Ohne diese Standards sei aber eine kostengünstigere Herstellung von Lebensmitteln durch die bäuerliche Landwirtschaft nicht möglich, erläuterte Hans Pirner.

Der Kassenbericht durch Martin Hubmann präsentierte solide Zahlen, der Revisionsbericht durch Stefanie Roth und die Entlastung des Vorstandes folgten. Den Landkreis im Beirat der Rinderzuchtgenossenschaft Oberpfalz vertreten als Delegierte Uwe Hermann (Dollmannsberg), Ulrike Höllriegl (Ullersberg) und Hans Dehling (Woffenricht). Als Stellvertreter wurden Florian Weiß (Kümmersbuch), Florian Pirner (Pürschläg) und Werner Friedl (Reichenbach) gewählt.

Kuhhalter werden weniger

Seit Beginn der siebziger Jahre sind die Kuhhaltungsbetriebe im Landkreis Amberg-Sulzbach von rund 3700 auf etwas mehr als 500 zurück gegangen, schilderte Zuchtleiter Dr. Thomas Nibler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schwandorf. Zwar ging in diesem Zeitraum auch die Anzahl der Kühe zurück, doch habe sich diese in den letzten Jahren auf über 21 000 Tiere stabilisiert. Dies sei dem Strukturwandel geschuldet - weniger Betriebe, die aber meistens mehr Kühe haben.

Gesunde Oberpfälzer Tiere

Bei Auktionen und bei der Festvermarktung von Kälbern wurden im Vergleich zu 2018 weniger Kälber verkauft. Die Ergebnisse der Milchleistungsprüfung zeigten, dass die Milchbauern der Oberpfalz gesunde Tiere haben, war Dr. Thomas Nibler überzeugt.

"Kein Stress, mehr Milch", brachte es Dr. Frank Looff von Diamond V auf den Punkt, der die Landwirte aufforderte, Fütterungspotenziale weiter als bisher auszuschöpfen. Fütterung und Futter seien das eine, Haltung, die den Tieren ein hohes Maß an Komfort und Wellness bietet, das andere - wenn es um Gesundheit, Leistungsbereitschaft und Langlebigkeit gehe, sogar noch wichtiger, so das Fazit.

Dr. Frank Loof, Pioneer Hi-Bred Northern Europe
Info:

Ehrungen

Für positiv geprüfte Bullen wurden die Bernreuter Gbr, Ursensollen, (Mamamaria), Josef Hubmann, Hahnbach, (Rosenduft und Mailand), Pirner Gbr, Illschwang,m (Wanjans und Wallis), Robert Graf, Hahnbach, (Hillock und Emilio) und Reinhard Kraus, Gebenbach (Massimo) ausgezeichnet. Für die höchste Lebensleistung von Kühen 2019 wurde Josef Niebler, Hohenburg („385“ und „395“) Weiss Gbr, Poppenricht,m (Anja) und Bernreuther Gbr, Ursensollen ( „530“) prämiert. Die höchste Herdenleistung 2019 erzielte Bernhard Wiesner, Schmidmühlen, und die höchste Jahresleistung 2019 Andrea Kölbel-Stark, Birgland (Kuh „Käthe“). Den Titel „Kuhprofi 2019“ errangen Rudolf Birner, Kümmersbruck, Friedl Gbr, Auerbach, Ulrike Höllriegl, Ursensollen, Robert Wagner, Etzelwang und Bernhard Wiesner, Schmidmühlen. Weitere Preise betrafen Corinne Hiltl, Illschwang, für treue Andienung von Nutzkälbern zur Festvermarktung in Seibertshof 2019, Ernst Gnahn, Hirschbach, für treue Andienung von Zucht- und Nutzkälbern am Markt in Schwandorf und Friedl Gbr, Auerbach, für beste Marktbeschickung von Großvieh beim Schwandorfer Zuchtviehmarkt 2019.

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