17.07.2018 - 16:15 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Verdienstmedaille für Maria Bossle

Gründerin der Selbsthilfegruppe Chronischer Schmerz ausgezeichnet

Nicht nur vornehme Pflicht, sondern ein Herzensanliegen ist es Landrat Richard Reisinger (rechts) Maria Boßle die Bundesverdienstmedaille überreichen zu können, zu der ihr Ehemann Benedikt (Zweiter von links) und Bürgermeister Michael Göth (links) als erste gratulieren.
von Michael Zeissner Kontakt Profil

(zm) Es wäre ein Fehler, diese Auszeichnung als "öffentliche Anteilnahme, als Mitleidsbekundung" zu verstehen, merkte Landrat Richard Reisingeram Freitag zu Beginn einer Sitzung des Kreistags an. Vielmehr drücke die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, die er Maria Boßleüberreichte, aus, dass das individuelle Schicksal einer schweren chronischen Erkrankung Motivation und Ansporn sein kann, sich konstruktiv und gesellschaftlich relevant diesem Schicksal zu stellen. Dafür habe Bundespräsident Frank-Walter Steinmeierdie Sulzbach-Rosenbergerin mit dieser Auszeichnung bedacht.

Reisinger erledigte mit der Überreichung der Bundesverdienstmedaille nicht lediglich eine vornehme Amtspflicht. Im Manuskript seiner Laudatio ersetzte er das förmliche Sie durch das persönliche Du, wodurch die Glaubwürdigkeit seiner Worte unterstrichen wurden. Maria Boßle leidet an der genetischen Bindegewebe-Erkrankung Ehlers-Danlon-Syndrom (EDS). Sie äußert sich unter anderem in überdehnbarer Haut und Überbeweglichkeit von Gelenken. Chronische Schmerzen und eine eingeschränkte Motorik sowie Beweglichkeit sind die Folge.

Maria Boßle zog sich jedoch nicht in die Einsamkeit einer Leidenden zurück, sondern wählte den umgekehrten Weg. Sie gründete 2003 in Sulzbach-Rosenberg die Selbsthilfegruppe Chronischer Schmerz und ist seither "Herz und Motor der Gruppe". Damals war der Verein noch der einzige dieser Art in der Oberpfalz. Die Laudatio beschrieb zwei wesentliche Zielsetzungen der Selbsthilfegruppe: das intensive Befassen mit medizinischen Therapien und psychologische Hilfe. Darüber hinaus habe sich die Sulzbach-Rosenbergerin intensiv in sozialrechtliche Fragen und Probleme eingearbeitet, beispielsweise hinsichtlich Rentenangelegenheiten. Seit 2006 bestehe auch eine sehr enge Kooperation mit der Deutschen Schmerzliga.

Maria Boßle, und darauf beruht das persönliche Du zwischen dem Landrat und ihr, ist aber auch nach wie vor als Kirchenmusikerin in der Sulzbach-Rosenberger Pfarrei St. Marien aktiv, obwohl sie diesen Beruf krankheitsbedingt aufgeben musste. Seit 2002 sitzt die mit der Verdienstmedaille ausgezeichnete Frau zudem im Stadtrat ihrer Heimatgemeinde und widmet sich schwerpunktmäßig der Behinderten- und Kulturarbeit. Vor diesem Hintergrund, so Reisinger, sei es ihm ein persönliches Anliegen gewesen, Maria Boßle für diese Auszeichnung vorzuschlagen. Nur kurz wandte sich die Ordensträgerin nach der Verleihung an die Kreistagsmitglieder und Zuhörer. "Dass ich hier stehen kann, ist nicht selbstverständlich", verwies sie im wahrsten Wortsinne auf ihre chronische Erkrankung. Die Kraft, die sie benötige, um das zu leisten, wofür sie nun ausgezeichnet worden sei, schöpfe sie aus ihrem Glauben und ihrer Familie. Dafür danke sie.


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