10.12.2018 - 13:57 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Versteckte Armut ein Problem

Das Aktionsbündnis gegen Armut schlägt Alarm: Auch in Sulzbach-Rosenberg gibt es immer mehr Haushalte, in denen das Geld zum Leben nicht mehr reicht.

Lebensmittel-Ausgabe in der Amberger Tafel. Auch diese Einrichtung erfährt viel Zulauf – ein Zeichen, dass Armut weiter viel verbreitet ist, als gemeinhin gedacht. (Symbolbild)
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Sie steht direkt vor der Haustür, ist allgegenwärtig, wird aber meistens nicht bemerkt. Die Armutsquote in Deutschland liegt immer noch bei 15,7 Prozent. Stadt und Landkreis weisen auch diese beschämende Quote auf, und sie ist bei den Rentnern oft noch höher. Theo Wißmüller, verantwortlich für die Kirchliche allgemeine Sozialarbeit (KASA), kennt das aus seiner täglichen Arbeit. Bei ihm stehen die Rentner, Hartz-IV-Empfänger, Alleinerziehenden und Langzeitarbeitslosen vor der Tür, wenn es wieder einmal nicht reicht. Jetzt, vor Weihnachten, weist er auf diese Missstände hin, die sich im Jahr 2018 kaum gebessert haben. Im Gegenteil. Und er bittet dringend um Geldspenden.

Das Aktionsbündnis gegen Armut hat schon mit vielen Aktionen auf sich aufmerksam gemacht: Eine Lesung mit Eckhard Henscheid im LCC, Diskussionen, Ausstellungen und mehr lenkten den Blick der Bürger auf das Problem. Einige tausend Euro an Spenden kamen zusammen. .Sie taten uns enorm gut", freut sich Wißmüller rückblickend. Aber sie reichten bei weitem nicht, um alle Probleme zu lösen.

Dem Aktionsbündnis geht es um die Situation der Arbeitslosengeld-II-Bezieher, Geringverdiener, die trotz Vollzeit-Arbeit weiter auf ergänzende Sozialleistungen angewiesen sind, und Rentner, die trotz eines langem Arbeitslebens nicht ausreichend Rente erhalten. Zum anderen geht es darum, Armut künftig überhaupt erst nicht entstehen zu lassen. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Aktionsbündnisses (Manfred Leiss, Willi Renner und Irina Frescher) legt der Leiter der Sozialarbeit fünf dringliche Forderungen auf den Tisch, die sich die Politiker aller Parteien jetzt zu Weihnachten auf die Fahne schreiben sollten:

Höhe der Regelsätze: Hartz IV sei meist nicht auskömmlich und reiche hinten und vorne nicht zum Leben. Hier müsse dringend nachgebessert werden. Beispielsweise werde das Kindergeld auf den Regelsatz angerechnet, obwohl jeder andere Bürger dieses Geld zusätzlich erhält..

Einmalige Leistungen: Ein laut Wißmüller sehr wichtiges Gebiet, denn wenn ein Hartz-Bezieher Geld braucht, etwa für eine Waschmaschine oder einen sonst notwendigen Gegenstand, bekomme er das zwar, aber nur als Darlehen, das ihm durch eine zehnprozentige Kürzung des Regelsatzes vom ohnehin schon knappen Bezug sofort wieder monatlich abgezogen wird.

Sanktionen:Häufig verhängen die staatlichen Stellen Sanktionen gegen Hartz-IV-Bezieher, weil sich diese angeblich nicht an Regeln hielten. Das verhindere oft eine Arbeitsaufnahme. Dabei brauchten diese Menschen oft Hilfestellung, weil sie durch das Leben am Existenzminimum zunehmend depressiv würden.

Förderung: Der Kontakt zum Amt dürfe sich nicht in der Auseinandersetzung um Sanktionen erschöpfen. Qualifizierte Mitarbeiter sollten lieber individuell angepasste Konzepte erarbeiten.

Bildung und Teilhabe:Der Regelsatz weise gerade einmal zehn Euro im Monat für Bildung auf. Das sei viel zu wenig, vor allem, wenn schulpflichtige Kinder in der Familie wären, die dann eine Erstausstattung benötigten.

Die Mitglieder des Aktionsbündnisses zeigen sich einig: Es sei eigentlich sozialpolitisch untragbar, dass es in einem doch reichen Land soviel Armut, auch Kinderarmut, gebe, dass also der erwirtschaftete Wohlstand immer weniger bei allen ankomme. "Die wachsende Zahl von Rentnern, die an der Armutsgrenze leben, ist ein mahnendes Beispiel dafür." Manfred Leiss kritisiert die Stammtisch-Meinung, dass manche Arbeitslose selbst schuld seien. Die propagierte Vollbeschäftigung entstehe in der Statistik auch deswegen, weil manche Menschen zwei- oder dreifach gezählt würden, wenn sie mehrere Jobs hätten.

Der Sprecher der Hartz-IV-Gruppe, Willi Renner, der die Nöte und Probleme aus eigener Erfahrung kennt, bestätigt das und betont, wie schwer es sei, ab einem gewissen Alter adäquate Arbeit zu finden. "Die Qualifizierungsangebote der Jobcenter müssten individueller und praxisbezogener sein." Allerdings betonen die Gruppenmitglieder, dass sie zur Jobcenter-Geschäftsführerin Sonja Schleicher und weiteren Mitarbeitern der Institution ein sehr gutes Verhältnis hätten, so dass in manch schwierigem Fall den Bürgern schnelle und konstruktive Hilfe zuteil werden könne.

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