14.10.2018 - 11:13 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Viel Klamauk und a bissl Politik

Sie treten seit zehn Jahren auf, touren erfolgreich durch Bayern und haben ihre größte Fan-Gemeinde in der Herzogstadt. Die Original Bauernsfünfer bieten im Seidel-Saal Musik-Kabarett vom Feinsten, lassen aber auch ernste Töne anklingen

Bernd Pirner, Uli Radl und Dominik Niklas (von links) beschreiben musikalisch das Leben auf dem Land im Seidel-Saal.
von Helga KammProfil

Zwei Typen, 17 Instrumente, ein wilder Ritt durch die Oberpfalz, so kann ihr Auftritt beschrieben werden. Uli Radl (44) und Dominik Niklas (37) malen mit Musik, Gesang und Texten ein komisch-kritisches Bild vom Landleben. Mit Gummistiefeln kommen sie auf die Bühne, spielen Bauernburschen; Bauernsfünfer eben, schlau und derb, einfältig und auch hintergründig. Sie betrachten das Leben auf dem Land stets mit Schalk und Ironie, skizzieren es authentisch, meist im oberpfälzer Dialekt. Ihre Musik ist eine Mixtur aus Jazz, Blues, Volksmusik, manchmal Klezmer, manchmal Tango, bringt ihr Lebensgefühl zum Ausdruck und lässt sich überraschend gut kombinieren mit der Mundart, mit der sie aufgewachsen sind.

Virtuosen sind beide auf ihren Instrumenten. Dass Niklas, der Spaßvogel, Klarinette und Saxophon phänomenal beherrscht versteht sich, ebenso souverän aber spielt er das Piano, die Gitarren und verschiedene skurrile Gegenstände der Bauernsfünfer Landmaschinen, vom Nasenpfeiferl bis zum Megafon. Auch Radl wechselt problemlos von den Saiten- zu den Tasteninstrumenten, bedient die Loopmaschine und führt vor allem locker plaudernd von Stück zu Stück.

„Schön, dass wir uns gfunden ham“, sagt Uli Radl. Er und Dominik Niklas leben heute in Weißenberg, kennen sich also aus mit dem Landleben. Ihre Melodien und Texte sind Eigenproduktionen und haben Titel wie „Mei Sau“, „Mir san de Hulzfichs“ oder „O leck, da Nachbar“. Sie singen vom „Goaßbock vom Wirt“, von „de Henna“ und ihren Feinden, „Moderer, Fuchs und Hacht“. Und als Hommage an ihr Dorf erzählen sie von der „Schmie-Kuni aus Weißenberg“ und ihrer Reise nach Spanien, unterlegt mit Habanera-Klängen. Sie beschreiben Kirwa-Bräuche und bieten mit „Zündapp“ ihrem Publikum – angeblich – eine Welt-Uraufführung. Einer, der im Hintergrund an seinem Schlagwerk hantiert, ist Bernd Pirner, der „Weberknecht“. Für seinen Rhythmus benützt er „alles was scheppert“, unter anderem ein Waschbrett, das er mit Fingerhütchen zum Tönen bringt.

Phantasievoll und schräg, voll Temperament aber auch zum Nachdenken anregend sind ihre Darbietungen. Beobachtungsgabe, Fantasie und Einfallsreichtum gepaart mit musikalischem Können, das ist die erfolgreiche Mischung dieses Musik-Kabaretts. Sie hat den „Bauersfünfern“ auch schon zahlreiche Auszeichnungen gebracht, unter anderem den Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz und den Thurn-und Taxis-Kabarettpreis. Beim 70. Geburtstag von Fredl Fesl war ihr Auftritt das musikalische Geburtstagsgeschenk seiner Frau Martina, und die Stadionhymne für den FC Edelsfeld haben sie ihrem Heimatverein gewidmet.

Dass neben all der Gaudi auch Kritisches zur aktuellen Situation in Deutschland auf der Bühne zu hören war, honorierten die Besucher mit Beifall. Der Rio-Reiser-Song „Da Kräich“ machte betroffen mit den Worten: „Da Kräich is niat tout, der schlouft blous“.

Das gleiche Thema angeschnitten hatte am Beginn des Abends Peter Geiger, der Vorsitzende des veranstaltenden Seidel-Förderkreises. Am Vorabend der Wahlen in Bayern rief er angesichts eines bunten Kabarett-Programms zum Wählen auf, „um die bunte Vielfalt in Bayern zu erhalten und dem braunen Mist von Rechts Einhalt zu gebieten“.

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