12.07.2018 - 13:53 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Viele versteckte Barrieren entdeckt

Die Frauen-Union Sulzbach-Rosenberg wird sich in Zukunft verstärkt dem Thema Barrierefreiheit in der Herzogstadt widmen. Das kündigt Vorsitzende Nicole Selendt bei der Jahresversammlung im Gasthof Bartl an. Es gibt auch schon Ideen.

Stadträtin Evi Rauch scheitert bei einem Selbstversuch, mit dem Rollstuhl die öffentliche Toilette zu betreten, kläglich und regte hier unbedingt Nachbesserungen an.

(bni) Denn Barrierefreiheit betreffe alle: Ältere Menschen, die mit Krücken oder einem Rollator unterwegs seien, Rollstuhlfahrer, aber auch Mütter und Väter mit Kinderwägen. Dass hier noch deutlicher Nachholbedarf allein im Bereich der Innenstadt herrsche, belegte ein „Spaziergang“, zu dem sich die FU kurz vor der Versammlung getroffen hatte - ausgestattet mit Rollator, Kinderwagen und zwei Rollstühlen.

Beginnend am Eingang zur Innenstadt am Gasthof Bayerischer Hof stellten die Damen fest, dass die Treppe, die am Hauseck des Gästehauses entlang führt, vor allem für Rollstuhlfahrer unüberwindbar ist. „Man braucht gar nicht versuchen, hier runterzukommen – das ist viel zu gefährlich“, urteilte CSU-Stadträtin Maria Boßle, selbst zeitweise auf den Rollstuhl angewiesen. Wollen Behinderte die Innenstadt über diese Seite verlassen, müssen sie auf die Straßenseite ohne Gehsteig wechseln, dort um die Kurve fahren und anschließend wieder die Fahrbahn überqueren, um in Richtung Pflasterzollhaus zu gelangen. Gleiches gilt für den Weg bergauf. Sie regte an, planerisch Alternativen zu erarbeiten, die es Rollstuhlfahrer erlauben, diese Straßenecke auch alleine zu bewältigen.

Gleiches gilt für den Zugang zur Tiefgarage, so die FU. Behinderte und Eltern mit Kinderwagen hätten nur die Möglichkeit, die Garage über die Ein- und Ausfahrt für Autos zu betreten oder zu verlassen. „Das ist gefährlich, auch wenn man bedenkt, dass Eltern nicht nur einen Kinderwagen vor sich herschieben, sondern vielleicht auch noch ein größeres Geschwisterkind dabei haben, das diese Stelle passieren muss“, sagte Selendt, selbst Mutter von kleinen Kindern. Darüber hinaus seien die Kassenautomaten vom Parkraum aus nur über eine hohe Stufe und eine schwere Feuertür zu erreichen – für Menschen mit Handicap nicht zu überwinden. Selendt schlug vor, die Parkgarage mit einem Aufzug aufzurüsten und die Kassenautomaten zu verlegen – an Plätze, die von den Parkplätzen aus barrierefrei erreichbar sind. Dass dies viel Geld kostet, sei den CSU-Frauen bewusst. Aber: „Wenn wir angeblich Millionen für ein Seidel-Museum haben, sollten wir auch Geld für einen Aufzug in der Schlossgarage haben“, sagte Stadträtin Evi Rauch.

Dass auch der Weg von der Innenstadt in Richtung Seniorenheim Bühler Höhe höchst problematisch ist, stellten die Damen bei ihrer Tour ebenfalls fest. Hier habe die Stadtverwaltung auf wiederholte Anregungen von Maria Boßle schon deutliche Verbesserungen erreichen können, hieß es. Jedoch sei der Weg für die Senioren und ihre Angehörigen noch immer sehr schwer. CSU-Ortsverbandsvorsitzender Patrick Fröhlich schlug deswegen auf der Hauptversammlung vor, dennoch an dem Thema dranzubleiben und angesichts der Straßenausbaubeiträge, die nun nicht mehr auf die Anwohner umgelegt werden müssen, neue Lösungen zu erarbeiten.

Zuletzt erwies sich gerade der Zugang zur öffentlichen Behindertentoilette im Rathaus als äußerst schwierig, meint die FU. Die schwere Türe dort muss nach innen geöffnet werden. Ist das geschafft, führt der Weg weiter bergauf über eine Schwelle, die für Menschen ohne Handicap fast nicht wahrnehmbar, für Rollstuhlfahrer aber ein deutliches Hindernis darstellt. Stadträtin Evi Rauch scheiterte bei einem Selbstversuch mit dem Rollstuhl kläglich und regte hier unbedingt Nachbesserungen an.

Die Mitglieder auf der Jahresversammlung befürworteten die Vorstöße derjenigen, die am Spaziergang teilgenommen hatten und ergänzten ihrerseits noch mit zahlreichen Vorschlägen.

Der Rechenschaftsbericht der Vorsitzenden Nicole Selendt fiel recht umfangreich aus. Veranstaltungen wie der alljährliche Krankenhausvortrag, die Maiwanderung, ein Besuch im Heimatministerium in Nürnberg, der Stadträtinnen-Stammtisch, das FU-Café am Altstadtfest, der Preisrommé und viele andere ließen das Vereinsjahr für die Mitglieder nicht langweilig werden. Patrick Fröhlich gratulierte den Verantwortlichen der Frauen Union zu ihren vielen Aktivitäten. "Die Frauen-Union erweitert die Perspektive der Stadträte, die für das Wohl der Bürger kämpfen, erheblich." Fraktionsvorsitzender Stefan Morgenschweis informierte die Anwesenden über aktuelle Entwicklungen in der Stadtpolitik. Er bedauerte, dass sich die Mehrheit der Stadträte nicht dazu habe durchringen können, dass die Stadt ihrer Pflichtaufgabe nachkommt und bei Kinderbetreuungsplätzen nachbessert – gesetzt dem Fall, dass sich kein anderer Träger findet, der weitere dringend benötigte Kindergarten- und Krippenplätze zur Verfügung stellt. 2. Bürgermeister Günter Koller blickte noch einmal kurz auf die Bürgermeisterwahl im Januar zurück und bedankte sich bei den CSU-Frauen für ihre Unterstützung im Wahlkampf.





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