07.10.2019 - 12:15 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Weltmusik im Seidelsaal mit Mulo Francel & Friends

Ein Abend Urlaub vom Alltag, von Stress und vom herbstlichen Nieselregen. Das bot das wunderbare Konzert von Mulo Francel & Friends im ausverkauften Seidelsaal.

Vier herausragende Solisten, Pianist Chris Gall, Saxophonist Mulo Francel, Bassist Sven Faller und Schlagzeuger Robert Kainar (von links) verbanden im Seidelsaal Weltmusik und Jazz.
von Autor COGProfil

Ein Saxophon, so sinnlich, dass es Gänsehaut erzeugt, ein kraftvolles, dabei immer differenziertes Klavier, ein mal gezupfter, dann wieder gestrichener Kontrabass, der so beweglich war wie eine Gitarre, und schließlich ein cooles, dabei aber intelligentes und oft humorvolles Schlagzeug, das sind die Ingredienzien des Quartetts Mulo Francel & Friends. Das, was die vier Musiker spielen, passt in keine Schublade. Irgendwie zwischen Jazz und Weltmusik, wahrscheinlich. Aber wer braucht ein Etikett, wenn das, was man zu hören bekommt, einfach richtig gut ist?

Mit den ersten Tönen kamen die Zuhörer im Feierabend an, so lässig und entspannt war die Musik. Zugleich gab aber schon dieser Einstieg die Richtung für den Rest des Konzerts vor: Mulo Francel steht zwar im Bandnamen, während seine Freunde ungenannt bleiben, auf der Bühne sind sie aber absolut gleichberechtigt. Da gab es nicht den einen „Star“ und seine „Begleiter“, sondern vier herausragende Solisten, von denen jeder mit seinem Instrument wesentliche Beiträge zum gesamten Musikerlebnis beisteuerte. Das allerdings stellte die Zuhörer vor ein Dilemma. Da waren sie von einem großartigen Solo begeistert, wollten ihre Anerkennung mit Beifall ausdrücken, trauten sich aber nicht recht, um nicht in das nächste, genauso tolle Solo hineinzuklatschen.

Francel ist ein biologisches Wunder. Dieser Mann muss nämlich offensichtlich nicht atmen. Er zelebrierte auf seinem Sax unglaublich langen Phrasen von geradezu erotischer Sinnlichkeit und einer Spannung, die immer weiter zunahm, je länger er blies. Eigentlich gehört der Pianist Chris Gall nicht zur Stammbesetzung der „Friends“, sondern spielt in anderen Formationen mit Francel zusammen. Gemerkt hat man das nur daran, dass ein andere Name auf dem Plakat stand. Gall ist ein leidenschaftlicher Jazzer, dem der urwüchsige Klang des alten Klaviers auf der Bühne sichtlich Spaß machte.

Meistens spielte er sportlich, aber der Bassist Sven Faller überzeugte auch mit nachdenklichen und melancholischen Tönen. Immer zupfte er expressiv und lebendig. Robert Kainar saß hinter seinen Drums, und man merkte ihm an, dass er absolut zufrieden war. Seine Freude an der Musik war ansteckend, seine Soli lebendig und kreativ. Er reizte alle Möglichkeiten aus und kreierte bei Bedarf auch neue: Ein Becken, das auf dem Boden liegt, klingt anders, trockener, weil der Ton nicht schwingen kann. Und ein Reisigbesen auf der Tomtom erzeugt einen anderen Effekt als ein Jazzbesen aus Metall.

Mit stürmischem Beifall konnten die Zuhörer schließlich ihre Begeisterung ausdrücken. Zum Dank für diese Huldigung gab es als Zugabe „Lover Man (Oh, Where Can You Be?)“ - ein berührend emotionaler Abschluss für einen außergewöhnlichen Abend.

Dicht umlagert war in der Pause und nach dem Konzert der „fliegende Kulturkaufladen to go“, wie Francel werbend sagte. Da konnten die Fans nicht nur CDs und Vinylplatten von allen musikalischen Projekten der vier Bandmitglieder kaufen, sondern sogar ein Buch mit Kurzgeschichten aus Fallers Feder.

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