03.02.2020 - 10:34 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Mit Wurzelwasser auf Reisen in die österreichische Seele

"So vüil Schmerz und so vüil Herz" hat es lange nicht gegeben im Seidel-Saal. So viel Begeisterung auch nicht. Da können die Vier von "Wurzelwasser" öfter mal pausieren, weil der Gäste-Chor ihre Austro-Pop-Lieder allein singt.

Martin Barth (links) bereichert die Wurzelwasser-Songs mit seinem Flügelhorn, während Mathias Kellner, Tobias Heindl und Martin Dietl (von links) singend in die Saiten greifen.
von Helga KammProfil

"Sulzbach-Rosenberg is für uns mittlerweil wie a Wohnzimmer", gesteht Tobias Heindl und dankt der Kulturwerkstatt für die wiederholte Einladung in den Seidel-Saal. Sie nennen sich heute "Wurzelwasser": der Geiger bei Fiddler's Green, Sänger und Gitarrist Heindl, der niederbayerische Barde Mathias Kellner, der Sänger und Gitarrist Martin Dietl und "Spider" Martin Barth, der Blechbläser. Ihr Programm ist eine Hommage an die großen österreichischen Liedermacher STS, Wolfgang Ambros, Georg Danzer und Rainhard Fendrich. Sie haben deren zeitlosen Austro-Pop übernommen und den Liedern einen neuen Text gegeben, in dessen Klangfärbung sich die Grenzen zwischen Bayern und Österreich durchaus angenehm vermischen.

Jede Wurzel braucht a Wasser

Die vier Musiker aus dem oberpfälzischen und niederbayerischen Raum haben sich 2012 zusammengetan und feiern mittlerweile Erfolge auf den Bühnen ihrer Heimat. Ihren Namen haben sie sich aus einem Vers von Tobias Heindl gegeben: "Jede Wurzel braucht a Wasser, jedes Leben braucht an Sinn. I spür's auf bestimmte Weise, wann i auf der Reise bin". Schön sind die Texte ihrer Lieder, erzählen vom wahren Leben, von den Gefühlen, machen nachdenklich, auch betroffen. Da gibt es keine Ironie, keine Aggression, nichts was stört beim Wohlbefinden. "Langsam wachs ma zamm" sei für ihn das schönste Liebeslied in Mundart, das es gibt, sagt Mathias Kellner, singt es mit seiner klangvollen Stimme, innig und mit geschlossenen Augen. Heindl, der "Fiddler", lacht, singt, spielt Gitarre und lässt immer wieder seine besondere Geige erklingen. Auch der "Spider" Martin Barth überrascht als Sänger, nachdem er mit Trompete und Flügelhorn die einzelnen Lieder umrahmt hat. Und wenn der Regensburger Martin Dietl voller Intensität vom "Großvatta" singt und spielt, wird es sehr still im Saal. Alle beherrschen sie ihre Instrumente, legen sie auch ab und zu zur Seite, wenn sie a capella singen oder wenn das Publikum ihren Part übernimmt.. Sie erzählen Geschichten, stellen auch eigene Kompositionen vor, haben englischsprachigen Liedern bayerische Texte gegeben. So wurde aus Bruce Springsteens "Fire" das "Feuer" oder das "Free Fallin" von Tom Petty umgeschrieben zu "Frei bleiben".

Leonard Cohen auf Bayerisch

Als eine "Reise tief in die österreichische Seele" beschreiben sie ihr Repertoire, Balladen, bei denen es immer um eine "Überdosis G'fühl" geht. Und das Publikum im Seidel-Saal kennt sie alle. Rainhard Fendrichs "Lass de falln", Georg Danzers "Lass mi amol no de Sunn aufgehn sehn", die Ohrwürmer "Fürstenfeld", "Gell, du bleibst heut Nacht bei mir" und die Aussteigerhymne "Irgendwann bleib i dann durt", die bereits nach dem ersten Takt vom ganzen Seidel-Saal mitgesungen wird. Zum emotionalen Höhepunkt wird ein Song, der nicht zum Austro-Pop gezählt werden kann: die bayerische Version des Leonard-Cohen-Klassikers "Hallelujah". Von Kellner gesungen, von Gitarren, Trompete und Geige begleitet, stimmt das Publikum im Saal leise in den Refrain ein, mit "vüil Schmerz und vüil Herz".

Ein Abend zum Wohlfühlen und Genießen ist das; auch nach mehreren Zugaben hat das Publikum nicht genug. Aber zum Trost: Auf ihrer Sing & Sang-Tour werden sie bestimmt wiederkommen, die Vier von "Wurzelwasser", in ihr "Wohnzimmer Sulzbach-Rosenberg".

Mathias Kellner, Tobias Heindl und Martin Dietl (von links) fühlen sich in Sulzbach-Rosenberg schon beinahe wie zu Hause.
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