28.04.2019 - 16:33 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Zwischen Wolf und Waldverbiss

Ein Jäger lebt stets im Spannungsfeld: Hier die Verpflichtung, durch Rehwild-Abschuss den Verbiss im Wald zu reduzieren, dort der Wolf, der näher kommt. Eine Veranstaltung wie die Hegeschau stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Ganze Wände voller Rehwild-Trophäen legten die Jäger aus 78 Revieren zur Bewertung vor.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Es sind 78 Reviere, gegliedert in fünf Hegegemeinschaften, die sich da im Neukirchner Hof präsentierten. Stellwände mit Rehgehörnen, ein vollgestopfter Saal und schmetternde Jagdhorn-Klänge zum Auftakt der Rehwild-Hege- und Naturschutzschau kennzeichneten den Abend, den der neue BJV-Kreisgruppen-Vorsitzende Stefan Frank mit dem Appell zum gemeinsamen Naturschutz mit der Landwirtschaft eröffnete: "Nur mit gemeinsamer Akzeptanz können wir Projekte wie Blühstreifen, Streuobstwiesen und Wildäcker verwirklichen." Die Jagd sei aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken.

Ihre Solidarität versicherten Neukirchens Bürgermeister Winfried Franz, stellvertretender Landrat Hans Kummert und Ernst Utz von den Waldbesitzervereinigungen. Ambergs Fischer-Vorsitzender Tim Jüntgen dankte für die Hilfe der Jäger bei der Kormoran-Vergrämung, Ambergs neuer Jäger-Chef Ruppert Schmid bestätigte das gute Verhältnis der Nachbar-Kreisgruppen. MdL Harald Schwartz schließlich lobte den neuen Vorsitzenden und sein Team für die gelungene Veranstaltung.

"Die Jäger haben wieder einen unbezahlbaren Beitrag geleistet für die Erhaltung eines artgerechten, gesunden und angepassten Wildbestandes", stellte der BJV-Vize-Bezirksvorsitzende Hans Vornlocher klar. Er erinnerte an die von Litauen bis nach Belgien eingeschleppte Afrikanische Schweinepest mit all ihren Risiken, die nach wie vor eine erhebliche Bedrohung darstelle.

"Der Wolf wird uns die kommenden Jahre mehr denn je beschäftigen", erklärte er. Die Erfahrungen seien relativ gering und wegen der Siedlungsdichte nicht unbedingt mit anderen Ländern vergleichbar. "Wie gehen wir als Jäger mit dem Wolf um und wie er mit uns, was dürfen wir beim Zusammentreffen unternehmen, wie können wir unsere Hunde schützen?" - viele Frage, die einer kompetenten Antwort bedürften.

Leitender Forstdirektor Wolfhard-Rüdiger Wicht vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten berichtete über das Vegetationsgutachten, das die Verbiss-Situation widerspiegle. Keine Hegegemeinschaft habe sich gegenüber 2015 verschlechtert, trotzdem sei die Verbiss-Belastung in neun von 16 Hegegemeinschaften noch durchaus kritisch zu sehen.

Mit dem "Waldpakt" gelte es, gemeinsam sogenannte Leitlinien zu entwickeln für dauerhaft hoch von Verbiss belastete Hegegemeinschaften, die Eigenverantwortung zu stärken und auch einzufordern. Vor Ort sollten dort Jäger und Jagdgenossen sensibilisiert werden für die Waldentwicklungschancen. "Aber von der Kreisgruppe Sulzbach-Rosenberg sind keine Reviere dabei." Er dankte der Kreisgruppe, Anton Graml von der Unteren Jagdbehörde, Jagdberater Dieter Dehling und allen Jägern und Jagdgenossen. "Ich bin zuversichtlich, dass wir dieses gute Miteinander weiterführen können."

Nach dem Bericht des Jagdberaters über die Jahresstrecke (siehe Info-Kasten) erklangen die Jagdsignale für die Tiere der Strecke und das klassische Halali. Die Jäger sammelten ihre Trophäen wieder ein und fachsimpelten noch lange. Kompetente Ansprechpartner standen ja bereit.

Info:

Strecke eines Jagdjahres

Jagdberater Dieter Dehling legte Rechenschaft ab über die Strecke im Jagdjahr 2018/19: Bei den Rehen lag der Grad der Abschusserfüllung bei 1ß1 Prozent. Zur Strecke kamen in den Revieren der Hegegemeinschaft Auerbach 359 Stück, im Birgland 474, in Königstein 376, in Neukirchen 312 und in der Hegegemeinschaft Sulzbach-Rosenberg 402 Stück, insgesamt also 1923.

Bei den Wildschweinen, deren Bejagung immer schwerer werde, kamen 416 Stück zur Strecke, im Gegensatz zu den 682 im Jahr davor eine Minderung um 40 Prozent. Die Schwarzkittel fielen vor allem in Auerbach (163) und im Birgland (98), aber auch in Königstein (60), Neukirchen (38) und Sulzbach-Rosenberg (57). Auerbach blieb rund 50 Prozent hinter dem Vorjahr zurück, ebenso Königstein.

Beim Muffelwild, das in einigen Birgland-Revieren vorkommt, stieg der Abschuss von 26 auf 37. Unverändert 85 Stück Rotwild komplettieren die Schalenwild-Strecke. Über die Hälfte der 104 Feldhasen kamen auf der Straße zu Tode. „Hier ist die Dunkelziffer erfahrungsgemäß sehr hoch“, meinte Dehling. 14 Wildkaninchen, 162 Stockenten und 26 Wildgänse verzeichnet die Liste ebenfalls. Das Fuchs-Ergebnis sank um 26 Prozent auf 482 Stück, ebenso die Zahl der Dachse auf 157.

Erstaunlich ist die Zunahme eines Exoten: Die nach dem Krieg in Deutschland ausgewilderten nordamerikanischen Waschbären verbreiten sich auch bei uns. Lagen im Jagdjahr 17/18 noch zwei der Allesfresser auf der Strecke, waren es jetzt schon zwölf.

Jagdberater Dieter Dehling.
Leitender Forstdirektor Wolfhard-Rüdiger Wicht sprach über die Verbiss-Situation.
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