07.05.2020 - 15:20 Uhr
TännesbergOberpfalz

Kuriose Restauration in Wallfahrtskirche

Kirchenmalermeister Ernst Dietmar Feldmann kann über einige Kuriositäten berichten, welche die Renovierung der Kunstausstattung in der Wallfahrtskirche St. Jodok zu Tage förderte.

Pfarrer Wilhelm Bauer (Mitte) freut sich, dass die Nepomukfigur, welche die Bekleidung eines Domvikars trägt, wieder an Ort und Stelle ist. Ernst Dietmar Feldmann (rechts) und Stefan Gruber (links) haben die Restaurierung durchgeführt.
von Rebekka FischerProfil

Die Wallfahrtskirche St. Jodok ist bereits das fünfte Objekt, das Kirchenmalermeister Ernst Dietmar Feldmann und Pfarrer Wilhelm Bauer gemeinsam „in Angriff“ nahmen.

Eine besondere Herausforderung war die Restaurierung der lebensgroßen und naturalistischen Darstellung des heiligen Johannes von Nepomuk. "In meiner 25-jährigen Selbstständigkeit hatte ich noch keinen vergleichbaren Auftrag", so Feldmann. Stefan Gruber übernahm „die Ganzkörperbehandlung“ der Nepomukfigur, welche um 1800 angefertigt wurde und deren Herkunft unbekannt bleibt.

Der Korpus bestand aus Holzlatten umhüllt von Stroh sowie Leinen- und Hanfstoffen. Im Laufe der Jahre hatten sich in diesem organischen Material diverse Untermieter eingenistet. Der Leib sollte durch eine männliche Schaufensterpuppe aus Kunststoff, deren Standardmaß bei 1,80 Meter liegt, ersetzt werden. Die Größe der Nepomukfigur liegt jedoch nur bei 1,65 Meter. Dadurch mussten die Proportionen von Stefan Gruber mühevoll angeglichen werden. Der Kopf und auch die Hände bestehen aus Wachs, sie wurden erhalten und anschließend wieder an den Korpus angebracht. Das Haupt ist mit Echthaar versehen und nach Einschätzung von Restaurator Feldmann ist das Gesicht des „Nepomuk“ ein Abguss menschlichen Antlitzes. Die Bekleidung sowie die Wildlederschuhe wurden gereinigt und desinfiziert, lediglich der Chorrock war zerschlissen und musste erneuert werden. Abschließend kleidete Maria Uhlemann den Glassarg mit Brokatstoff aus.

Ein weiteres markantes Merkmal der St.-Jodok-Kirche sind die drei schwarzen Altäre, wobei der dunkle Anstrich keine Seltenheit darstellt. Nach der Renaissance wurde auf diese Weise wertvolles Holz wie beispielsweise Ebenholz imitiert, klärte der Spezialist für Denkmalpflege auf. Die Besonderheit ist die Barockmalerei auf dem linken Seitenaltar, dort ist die älteste Darstellung von Tännesberg zu finden. Die Ansicht von 1680 zeigt den Ort noch mit der Burganlage und umschlossen von einer Mauer, zudem wurden die drei „wichtigsten“ Gebäude mit einem roten Dach versehen. Dazu zählten die Pfarrkirche, welche sich mit einem Spitzturm zeigte, das damals noch gegenüberliegende Rathaus und die St.-Jodok-Kirche, dargestellt ohne Dachreiter, jedoch schon mit Vorbau.

Auch lohnt sich ein Blick zur Decke des Altarraumes, eine Malerei von 1897 erinnert an Anna Willax und Anna Ostermeier. Die Inschrift Buffalo /Amerika verrät, dass es sich hierbei um ein Andenken der beiden ausgewanderten Tännesbergerinnen handelt. Durch die liebevolle Restauration erstrahlt auch diese Abbildung wieder in neuem Glanz.

Auf dem linken Seitenaltar in der St.-Jodok-Kirche ist eine Ansicht des Marktes Tännesberg aus dem Jahr 1680 zu finden.
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