16.10.2018 - 15:47 Uhr
TännesbergOberpfalz

Natur im Blut

Tännesberg ist seit vielen Jahren bekannt für den Erhalt seltener Tier- und Pflanzenarten. So bekannt, dass die erste Biodiversitätsgemeinde Deutschlands nun ihr Wissen weitergeben soll. Darum kümmert sich Florian Lang.

Florian Lang inspiziert eine Streuobstwiese. In diesem Jahr gibt es eine Obstschwemme. Und auch wenn das Obst vom Menschen nicht verarbeitet werden kann, bleibt dennoch nichts ungenutzt. Wild, Pilze und Kleinstlebewesen freuen sich über die Früchte.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Der diplomierte Betriebswirt und Master in Geoökologie betreut seit Mai die Marktgemeinde beim Thema Artenschutz und Artenvielfalt. Die Aufgabe des Projektmanagers aus Landshut ist, das Tännesberger Wissen zur Biodiversität in die Bayerischen Gemeinden zu Verbreiten. Im Interview erzählt er, wie er das machen will.

ONETZ: Herr Lang, Sie haben mit Mitte 30 noch einmal ein zweites Studium, diesmal zur Geoökologie, abgeschlossen, sind Vater geworden und haben eine neue Stelle angetreten. Das klingt nach Neuanfang.

Florian Lang: Das war es definitiv. Es war die Erfüllung meines Wunsches nach dem Abitur. Wenn ich damals auf mein Herz gehört hätte, hätte ich, anstatt Betriebswirtschaft, Biologie studiert. Aber ich wollte den Betrieb meiner Familie unterstützen. Das war ein Sanitätshaus. 2009 haben wir das Unternehmen verkauft. So konnte ich noch einmal komplett neu anfangen.

ONETZ: Sie sollen aus dem bisherigen Modellprojekt "Natur.Vielfalt.Tännesberg" einen „Marktplatz der biologischen Vielfalt“ schaffen. Was heißt das?

Florian Lang: In Tännesberg ist seit mehr als 30 Jahren viel für die Vielfalt der Arten und Lebensräume geleistet worden. So ist sie die erste Biodiversitätsgemeinde Deutschlands geworden. Nun möchten wir die Erfahrungen wie auf einem Marktplatz mit anderen Kommunen teilen, allerdings kostenlos. Wir haben zum Beispiel aus monotonen Fichtenbeständen artenreiche Wiesen gemacht, häufig gemähte, innerörtliche Grünflächen in naturnahe Blühflächen verwandelt und mit den Bürgern Gärten insektenfreundlicher gestaltet.

ONETZ: Wer hat die Verantwortung für das Projekt?

Florian Lang: Der Bund Naturschutz, der Landesbund für Vogelschutz, die Wildland-Stiftung und der Markt Tännesberg leiten das Projekt. Diese vier Akteure werden vom Bayerischen Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und dem Bayerischen Gemeindetag unterstützt. Die Hauptfinanzierung kommt vom Bayerischen Naturschutzfonds aus Erträgen der Glücksspirale.

ONETZ: Wie ist der Ablauf?

Florian Lang: Von Tännesberg aus werden 10 bayerische Kommunen beim Thema Schutz und Förderung der biologischen Vielfalt beraten. Die Bewerbungsphase hat am 30. September geendet. Eine Jury wählt derzeit die teilnehmenden Kommunen aus. Ich rechne mit einem Ergebnis bis Ende Oktober. Ende November treffen sich alle ausgewählten Gemeinden erstmals in Tännesberg. 2019 beginnen die Beratungen für Strategien zum Schutz der Arten- und Lebensraumvielfalt. Das Jahr 2020 steht im Zeichen der Planung, 2021 werden die Maßnahmen umgesetzt und wir ziehen Bilanz. War das Projekt ein Erfolg, könnten den ersten zehn Gemeinden vielleicht noch weitere folgen.

ONETZ: Das bedeutet, die Besuche von Gemeindevertretern aus ganz Bayern in Tännesberg werden sich wieder häufen.

Florian Lang: Ja, das ist zu erwarten und es ist wichtig. Im Jahr 1992 gab es die Konvention der Vereinten Nationen zur Biodiversität. EU, Deutschland und Bayern haben sich eigene Ziele gesetzt. Aber am besten können die Kommunen diese Ziele umsetzen. Sie haben den Kontakt zu den Landbesitzern und -nutzern. Die UN-Konvention muss beim Bürger ankommen, denn es geht jeden an und nur Bekenntnisse auf Papier nützen nichts. Tännesberg ist ein Beispiel, wie die Beschlüsse von 1992 sich den Weg in die Gemeinde bahnen.

Was ist Biodiversität?:

Der Schutz der Arten dient auch dem Erhalt der Lebensqualität der Menschen. Gibt es viele verschiedene Tiere und Pflanzen, können diese aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten und Eigenschaften als Problemlöser dienen. So trotzen bestimmte Baumsorten besser dem Klimawandel, und bestimmte Getreidesorten wachsen auch bei Trockenheit. Manche Tiere sind natürliche Schädlingsbekämpfer. Es kann sich also lohnen, Arten zu erhalten, weil sie Aufgaben übernehmen, die sonst der Mensch mühevoll und teuer selbst leisten müsste. (dko)

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