22.11.2019 - 14:04 Uhr
Tannenlohe bei FalkenbergOberpfalz

Lotsen im Mediendschungel

Wie macht man Kinder und Jugendliche fit für den Umgang mit Medien? Beim Besuch von Digital-Staatsministerin Dorothee Bär im Jugendmedienzentrum T1 hat Leiter Philipp Reich einige Vorschläge.

Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (Fünfte von links) tauschte sich mit T1-Leiter Philipp Reich (Vierter von links), weiteren Verantwortlichen des Jugendmedienzentrums und CSU-Politikern zu den Themen Medienkompetenz und Digitalisierung der Schulen aus.
von Martin Maier Kontakt Profil

Die CSU-Politikerin nahm sich am Donnerstag eine Stunde Zeit, um sich mit den Verantwortlichen des T1 auszutauschen. Dabei fiel auch der Blick auf den Namen des Jugendmedienzentrums, der sich von dem Standort Tannenlohe 1 ableitet. Die Fränkin Bär stellte fest, dass in ihrer Heimat der Name "T1" nicht funktionieren würde. "Das wäre dann das D1."

Aktive Jugendarbeit

Das Jugendmedienzentrum ist eine Einrichtung des Landkreises Tirschenreuth in Trägerschaft des Kreisjugendrings Tirschenreuth (KJR). Andreas Malzer, stellvertretender KJR-Vorsitzender, verwies darauf, dass das T1 "wirklich gut genutzt wird". Wichtig sei bei solchen Projekten aber das Geld. Denn ohne aktuelle Geräte würde man den Zugang zu den Jugendlichen verlieren.

"Unser Ansatz ist die aktive Jugendarbeit", erläuterte T1-Leiter Philipp Reich. Die Einrichtung sei die Institution in der nördlichen Oberpfalz für Vermittlung von Medienkompetenz. Seit der Gründung 2008 habe sich einiges getan. "Wir werden immer mehr von Schulen angefragt." Vor zehn Jahren sei dies noch nicht so gewesen. Mittlerweile würden aber Themen wie Cybermobbing immer mehr in den Mittelpunkt rücken. Für Schulen bietet das T1 vier Programme an. Zielgruppe sind die Klassen 3 bis 11. Kritisch sah der Medienpädagoge das Handyverbot an Schulen: "Da macht man es sich einfach und schiebt die Probleme weiter." Einer seiner Ansätze sei eine verpflichtende Lehrerfortbildung, die die Medienkompetenz in den Mittelpunkt stelle.

Welche Herausforderungen es im Jugendbereich gebe, können er sich schon immer im Vorfeld anschauen. "Zuerst tauchen die Probleme in Berlin auf, dann München und dann Regensburg. Erst einige Monate später sind wir an der Reihe."

"Im grünen Bereich"

Ein Großteil der Jugendlichen in der Region sei bei der Mediennutzung "im grünen Bereich". Viel hänge aber mit den Elternhäusern zusammen. "Diese müssen die Regulierung treffen, sonst kommt es zu einer extensiven Mediennutzung", stellte Reich fest. Auf Zahlen angesprochen, schätzte er, dass in einer Klasse mit 30 Schülern etwa 5 Schüler Probleme bei der Mediennutzung haben. Dies Zahl kam Bär allerdings etwas gering vor. Der T1-Chef schränkte ein, dass sich diese Erfahrungswerte auf ländliche und nicht städtische Gebiete beziehen.

Hilfe für Eltern

Seit der Gründung des Jugendmedienzentrums steigt die Anzahl der Projekte kontinuierlich. Waren es 2008 noch 10, werden es in diesem Jahr über 100 Projekte mit rund 2000 Teilnehmern sein. Die Finanzierung erfolge ausschließlich über den Landkreis. "Wir leisten uns etwas Besonderes, das voll an der Zeit ist", kommentierte Mitterteichs Bürgermeister Roland Grillmeier. Medienkompetenz ist laut Bär einer der wenigen Bereiche, bei denen Eltern auch externe Hilfe benötigen. "Das ist nicht nur von den Elternhäusern zu leisten", war sich die Mutter von zwei Töchtern und einem Sohn sicher.

Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht interessierte die Einschätzung Reichs zum "Digitalpakt Schule" . Für eine bessere Ausstattung der Schulen mit digitaler Technik stehen 5,5 Milliarden Euro in Deutschland zur Verfügung: 5 Milliarden Euro vom Bund, die die Länder einschließlich der Kommunen um 10 Prozent aufstocken müssen. "Ich finde gut, dass so viel Geld locker gemacht wird", so der T1-Chef. Ihm fehle aber der rote Faden, wie die Schulen das Geld nutzten sollen. Es gebe keine entsprechende Anlaufstelle und jede Einrichtung würde beispielsweise andere Tablets kaufen. Ein gemeinsames Vorgehen sei sinnvoller.

Geld nicht nur für Technik

Zustimmung erhielt er von Grillmeier. Bär machte in diesem Bereich den Föderalismus als Problem aus. Die Bundesländer hätten Ängste, etwas zu verlieren. Ein weiterer Kritikpunkt Reichs: das Geld ist nur für die Ausstattung. "Das Geld sollte nicht nur für Technik verwendet werden. Es braucht Projekte und Workshops, die Medienkompetenz vermitteln", wünschte der Pädagoge eine Öffnung des Programms.

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