14.01.2020 - 11:44 Uhr
TeublitzOberpfalz

Bäume weg im Biotop

Eine Baumfällaktion auf dem Damm des Eselsweihers bei Teublitz sorgt für Aufregung. Das Areal ist ein kartiertes Biotop, aber ein Gutachter sieht Gefahren für die Damm-Stabilität, falls Bäume umfallen würden. Vor allem der LBV ist empört.

Selbst gebastelte Kreuze aus Ästen der gefällten Bäume symbolisieren am Eselweiher bei Teublitz den Protest der Naturschützer gegen die Fällaktion in der vergangenen Woche.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Der zur Rede stehende Damm trennt auf eine Länge von rund einem halben Kilometer den Eselweiher und den Alten Weiher – große Fischteiche am südöstlichen Ortsrand von Teublitz. Grundeigentümer Ludwig Reicheneder hat einen Gutachter einschaltet, weil die Teiche seit neuestem Wasserrecht brauchen. Eine Ortsbegehung im vergangenen Herbst stärkte offenbar die Ansicht von Gutachter und Wasserwirtschaftsamt, dass Bäume zu fällen seien. Die Angst dahinter: Wenn es zu einem Dammbruch kommt, fließen Wassermassen Richtung Teublitz, mithin drohe möglicherweise Hochwasser. Vergangene Woche rückten schließlich die Baumfäller an.

Die Untere Naurschutzbehörde am Landratsamt verweist unter anderem auf das Wasserwirtschaftsamt Weiden: „Da der südlich gelegene Große Eselsweiher bei einer Wasserfläche von etwa 15 Hektar einen um einen Meter höheren Wasserstand aufweist als der nördlich gelegene Alte Weiher, wurden vonseiten des Wasserwirtschaftsamtes Weiden Forderungen hinsichtlich der Standsicherheit des Dammes getroffen – zumal im Falle eines Dammbruchs eine Schädigung des nordwestlich liegenden Wohngebiets zu befürchten wäre.“

Bei einem Ortstermin im September 2019 wurde die Maßnahme zusammen mit dem Planungsbüro Haberl, der mit der Fällung beauftragten Firma Bäuml sowie der unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Dabei wurde besprochen, dass nicht der gesamte Gehölzbestand entfernt wird, sondern nur die Bäume, die eine Gefährdung darstellen (Schiefstand, Hebung des Damms, schlechte Vitalität).

Ablehnend steht Dr. Christian Stierstorfer dieser Aktion gegenüber. Der 50-jährige Diplom-Biologe lebt in Regensburg, arbeitet hauptberuflich für die Bezirksgeschäftsstelle des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) in Straubing, ist aber im Raum Burglengenfeld-Teublitz aufgewachsen – und hängt noch sehr an dieser Region. Der Weiherdamm mit Baumbewuchs sei als landschaftsprägendes Element und als Biotop zu erhalten, forderte Stierstorfer. Dammsichernde Maßnahmen sollten sich daher auf ein Mindestmaß beschränken, die Entfernung einzelner, unstabiler Bäume sei zu akzeptieren. „Wir lehnen es jedoch ab, den Baumbewuchs auf dem Damm ganz oder weitgehend zu entfernen – insbesondere vitale, alte Bäume – und weisen darauf hin, dass dafür eine naturschutzfachliche Bewertung oder Genehmigung des Eingriffes notwendig ist, wenn nicht unmittelbare Gefahr droht.“

Außerdem handle es sich bei dem Damm um einen stark frequentierten Wanderweg für die Naherholung, der auch Teil eines offiziellen Netzwerkes von Wanderwegen sei („Eselweiherrunde“). Eine Vorabinformation der Öffentlichkeit über den Umfang und den Grund der Eingriffe wäre unbedingt erforderlich gewesen, sei aber nicht erfolgt.

Laut Stierstorfer wurden zwischenzeitlich rund 20 Bäume abgeholzt. Die Aktion scheine damit beendet zu sein. "Die Firma hat sich sehr bemüht, die Fällaktion nach naturschutz-fachlichen Kriterien durchzuführen", erkannte Stierstorfer an. Der Pächter der Teiche sprach in einer Stellungnahme davon, dass rund 50 Prozent des Dammbewuchses erhalten geblieben sei.

Das Wasserwirtschaftsamt beurteilte die Lage so: Weil die Standsicherheit des rund 550 Meter langen Damms, der den Großen Eselweiher vom Alten Weiher trennt, gefährdet sei, gebe es keine andere Wahl, als Bäume zu beseitigen.
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