26.01.2021 - 09:18 Uhr
TeublitzOberpfalz

Nach dem Laufen ins kalte Wasser

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Raus an die frische Winterluft, einige Kilometer laufen und dann rein ins eisige Nass eines Weihers. Einige sind abgehärtet genug, sich dieses Baden bei Minustemperaturen zuzutrauen. Unter anderem eine frühere Kreisrätin.

Silke Weiler im eisigen Weiher: Die Wassertemperatur liegt knapp über dem Gefrierpunkt und gegen die Eisplatten hilft ein Hammer.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Warmduscher dürften schon bei dem bloßen Gedanken erschauern: Schwimmen in eiskaltem Wasser. Für andere dagegen bedeutet genau das pure Lebenslust. Spektakulär sind die Bilder von Menschen, die sich in Finnland oder Russland mit Äxten und Motorsägen Löcher in die Eisdecken von Flüssen und Seen hacken oder sägen – und hineinsteigen.

Groß ist die Zahl jener nicht, die bei uns diesem fordernden Sport frönen. Aber die Einschränkungen, die die Pandemie mit sich gebracht hat, ließ einige ganz neu mit der Idee der Outdoor-Abhärtung liebäugeln. Wenn die öffentlichen Saunen geschlossen haben, warum nicht die Natur zur öffentlichen Sauna machen? So oder so ähnlich dachte zumindest Silke Weiler, die kurz vor dem letzten Weihnachten ihr Faible für den eiskalten Spaß entdeckt hat.

Die frühere Teublitzer Stadt- und Kreisrätin der SPD hat im Dezember 2020 damit begonnen, in die Naturseen rund um ihre Heimatsgemeinde zu steigen, um die Kälte zu genießen. Der Gedanke hatte direkt mit dem Lockdown zu tun, wie sie erzählt, "und anfangs war ich schon nervös, wie sich das wohl anfühlt". Weil man nicht alleine in ein eisiges Gewässer steigen soll, hat sie ihre Cousine um Begleitung gebeten. Die ließ sich nicht zweimal bitten und machte auch gleich mit beim Eisbaden.

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"Es ist ein Riesenspaß," versichert Silke Weiler und lacht. Eines ihrer Ziele ist der Schallerweiher bei Katzdorf, "aber ich war auch schon im Murner See drin." Da es keine geeigneten Stege oder Leitern gibt "steige ich dort in den See, wo es relativ schnell tief wird, weil ich nicht erst 10 bis 15 Meter reinlaufen möchte". Als sie Mitte Dezember mit ihrem neuen Hobby begonnen hat, kostete es noch nicht soviel Überwindung. Da war die Luft noch etwas wärmer als jetzt und das Wasser hatte acht bis neun Grad, so dass noch nicht alles zugefroren war. Trotzdem war es schon ziemlich frisch, aber der Gänsehautfaktor liegt zwischenzeitlich noch einiges höher.

Zuerst läuft die 42-Jährige mit Freundinnen etwa zehn Kilometer, dann wird der erhitzte Körper im Eisbad abgekühlt. "Das halten wir schon eineinhalb bis zwei Minuten im Wasser aus, auch wenn es Überwindung kostet," sagt die Teublitzerin über ihre kleine Sportgruppe aus zwei bis drei Personen. "Für mich ist das wie ein Saunaersatz, jetzt, wo alles zu ist." Früher sei sie regelmäßig in die Sauna gegangen und dort auch immer ins Tauchbecken gestiegen. Wichtig sei auf jeden Fall, dass man sich fit fühle und gesund sei.

Die Freundinnen gehen etwa bis zur Brust ins Wasser. "Auf jeden Fall nicht höher als das Herz," ist Silke Weilers Devise, weil sie noch eine Anfängerin im Eisbaden ist. Im Wasser hat sie auf dem Kopf meistens noch die Mütze vom Laufen auf, um den Hals einen Schal, ansonsten nur den Badeanzug an. "Wir stellen das Auto immer so, dass wir daraus die Sachen für das Baden nehmen können, wenn es soweit ist." Zu den Utensilien, die vor allem beim Heraussteigen aus dem Weiher nötig sind, gehört neben dem Handtuch und Lammfellschuhen für die schnelle Erwärmung der Füße noch warmer Tee: "Das muss man sich alles vorher zurecht legen und am Ende dann schnell umziehen."

"Der Körper wird im eiskalten Wasser schnell rot, aber das kann man schon aushalten, wenn man erhitzt ist. Und danach erholt man sich schnell, in ein paar Minuten sind auch die Füße wieder warm." Für Silke Weiler ist "der Körper ein Wunderwerk, der kommt auch mit Extremen klar". Auf jeden Fall seien Laufen und Eisbaden sehr anregend. "Für mich ist das wie ein kleiner Re-Start, wenn ich im Wasser war," versichert sie, "und ich fühle mich danach wie ein neuer Mensch". Für sie ist klar: "Ich bleibe dabei."

"Das halten wir schon eineinhalb bis zwei Minuten im Wasser aus, auch wenn es Überwindung kostet."

Silke Weiler

Silke Weiler

Hintergrund:

Hinweise zum Eisbaden

  • Um seine Gesundheit nicht zu riskieren, ist es wichtig, sich nicht länger als wenige Sekunden oder Minuten im Wasser aufzuhalten.
  • Man sollte sich zuvor gut aufwärmen – sei es durch etwas Bewegung oder dicke Kleidung. Gleiches gilt für die Zeit nach dem Bad. So reduziert man die Gefahr einer Unterkühlung auf ein Minimum.
  • Es ist ratsam, nicht alleine zu baden. Im Falle eines Falls können Begleitpersonen helfen.
  • Grundsätzlich gilt: Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden sollten kein Winterbaden praktizieren, insbesondere nicht Menschen mit Kreislaufproblemen. Im Zweifel ist ein Gespräch mit dem Arzt unerlässlich.

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