28.06.2018 - 10:49 Uhr
TheisseilOberpfalz

Der Puppenspieler von Edeldorf

Seit 20 Jahren lässt Hermann Papacek die Puppen tanzen. Zum Bühnenjubiläum präsentiert das Kasperltheater ein neues Stück. Und auch sonst hat der Edeldorfer einiges vor.

Hermann Papacek.
von Martin Staffe Kontakt Profil

(ms) Zwei Jahrzehnte Kasperltheater: Hermann Papacek weiß noch genau, wie alles begonnen hat. Beim Ullrichsfest in Wilchenreuth führte er 1998 mit Sohn Michael das erste Stück auf: "Die verzauberte Prinzessin".

Dem frischgebackenen Pfarrgemeinderats-Vorsitzenden wurde erklärt, dass das traditionelle Pfarrfest ausfallen soll. Die Leute hielten sich nicht mehr lange auf der Veranstaltung. Die Kinder langweilten sich und wollten nach Hause. "Dann müssen wir halt für die Kleinen etwas bieten", schlug der ehemalige Telekom-Mitarbeiter vor. Das war die Geburtsstunde von "Hermanns Kasperltheater".

Schon als Kind war Papacek ein Kasperlfan. Eine Aufführung im Kindergarten Herz Jesu in Weiden ließ ihn nicht mehr los. Mit sechs Jahren bekamen er und sein Zwillingsbruder Johann vom Christkind ein eigenes Kasperltheater. Von diesem Zeitpunkt konnte er selbst Kasperl, Seppl Gretl und Co. tanzen lassen. Bruder Johann war Zuschauer. Das ging jahrelang, bis das Kasperltheater auf dem Dachboden verschwand. 1986 wurde Tochter Irina geboren. Papacek holte seine Figuren wieder hervor.

Nach dem erfolgreichen Auftritt beim Ullrichsfest engagierten die AH-Fußballer von Weiden Ost Hermann und Michael Papacek für ein Gartenfest. "Fast alle hatten Kinder im Alter von sechs Jahren, und es war ein schöner Erfolg", weiß Hermann Papacek heute noch ganz genau. Als Michael 20 Mark erhielt, sagte der Sohn mit Blick auf die willkommene Taschengeldaufbesserung: "Papa, das könnten wir doch professioneller machen." Prompt folgte ein Engagement einer Weidener Familie. Beim Weinfest in der Regionalbibliothek waren sie jedes Jahr dabei.

Der große Durchbruch kam schließlich 2003, als "Hermanns Kasperltheater" die erste Ferientournee für die NT-Hilfsaktion "Lichtblicke" startete. Seitdem tourt er, wenn andere Urlaub machen, im August zwei Wochen lang durch die Region und spielt ohne Gage. Über 40 000 Euro hat er für bedürftige Menschen bereits eingespielt. Am 31. Juli startet die 15. Saison, diesmal in Trabitz, mit dem Stück "Kasperls Abenteuer im Naturpark".

Nach einer Aufführung im Pfarrheim St. Georg in Neustadt mit 150 Kindern hörte Papacek, wie zwei Buben ganz hinten schimpften: "Da sieht man ja nichts". Das hat den 68-Jährigen gehörig geärgert. Prompt marschierte Papacek in seine Werkstatt und bastelte größere Figuren. Inzwischen gehören über 70 zu seinem Fundus, allein die fünf Hexen Krümelzahn, Dorothea, Frieda, Gundula und Rumpelpumpel.

Der "Theaterdirekor" baute eine mobile Bühne und einen Anhänger für den Transport. Mit Monika Treml aus Dietersdorf fand er eine Schneiderin, die Kasperl und seine Pappkameraden einkleidet. 2005 stieg Zwillingsbruder Johann mit ein und kümmerte sich um Technik, Geräusche und Licht. Ein schwerer Schlag war dessen Tod am 11. März 2016. Mit seinem ehemaligen Arbeitksollegen Hermann Helgert fand Papacek einen neuen Mitspieler.

2006 ging für Papacek ein Wunsch in Erfüllung. Sein Kasperltheater, seit 2017 auch Mitglied im Verband Bayerischer Amateurtheater, kam im Gasthaus "Edelweiß" bei Otto Janker unter. In seiner festen Bleibe in Edeldorf spielt er nun jedes Jahr, unterstützt von Ehefrau Monika. Alle Stücke sowohl im Frühjahr- als auch im Winterprogramm sind so gut wie ausverkauft.

Zum zehnjährigen Bestehen 2009 wagte sich der Edeldorfer erstmals an ein Stück für Erwachsene. Mit dem Klassiker "Der Brandner Kasper", für das Spiel mit Handpuppen umgeschrieben und selbst gefertigten Bühnenbildern, ging für den Märchenfan ein langersehnter Wunsch in Erfüllung. Seitdem wird der "Brandner Kasper" einmal jährlich in Edeldorf oder auch schon in der Kulturscheune Elbart bei Freihung aufgeführt. "Das war und ist immer noch ein großer Erfolg", freut sich Papacek.

Mit dem Kasperltheater kommt der Kulturpreisträger des Landkreises Neustadt (2014) mittlerweile bis nach Nürnberg, Bayreuth oder Manching, gastiert beim Bartholomäusmarkt in Aufhausen und beim Volksfest in Tirschenreuth. 2019 wird er beim Kasperl-Festival in Beilngries dabei sein. Eine große Ehre war 2016 die Einladung zum 1. Kasperl-Festival im Markus-Wasmeier-Freilichtmuseum am Schliersee.

In den zwei Jahrzehnten hat Papacek inzwischen Zigtausenden Kindern und auch Erwachsenen unterhaltsame Stunden beschert. Ans Aufhören verschwendet er keinen Gedanken: "Solange ich kann und es Spaß macht, möchte ich weitermachen." Zurzeit schreibt er ein neues Stück. "Der Flaschengeist" wohnt in der Burg Flossenbürg und ist schon über 500 Jahre alt. Mehr wird nicht verraten. Premiere ist im Herbst.









Hermann Papacek.

Fünf Hexen gehören inzwischen zum Fundus von "Hermanns Kasperltheater"

Hermann Papacek und seine neueste Figur: die Buztlkouh.

Hermann Papacek in seinem Reich: Das Studio seines Edeldorfer Hauses beherbergt über 70 Figuren für sein Kasperltheater.

Hermann Papacek in seinem Reich: Das Studio seines Edeldorfer Hauses beherbergt über 70 Figuren für sein Kasperltheater.

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