Evangelischer Regionalbischof von Simultankirche Thumsenreuth beeindruckt

Hoher Besuch beim Tag des offenen Denkmals in Thumsenreuth mit (vorne, ab Vierter von links) Dietrich von Schweinitz, Regionalbischof Klaus Stiegler, Bertold Freiherr von Lindenfels und Patrick von Sassmannshausen.
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Der evangelische Regionalbischof Klaus Stiegler, Dietrich von Schweinitz (Kommendator des bayerischen Johanniterordens), Patrick Sassmannshausen (Vorsitzender der Johanniterunfallhilfe Ostbayern) und Mitglieder des Johanniterordens ließen sich die Simultankirche St. Ägidius in Thumsenreuth zeigen. Anlass war eine Versammlung der Johanniter Subkommende Oberpfalz im Hause ihres Leiters, Bertold Freiherr von Lindenfels .

Bischof Stiegler analysierte in einem umfassenden Vortrag mit Diskussion die Situation der evangelischen Kirche in Bayern: Alarmierend sei, dass immer weniger Menschen eine religiöse Heimat hätten, die Kirchen müssten sich fragen, wie man damit umgeht. Laut Bischof Stiegler sei es nötig, neue Wege der Verkündigung zu finden, die Kirche müsse zeitgemäße theologische Antworten bieten und auch manche ihrer Strukturen verändern. Vor allem aber: "Kirche muss für die Menschen da sein", entscheidend sei die persönliche Beziehung zu jedem Einzelnen.

Nach der Versammlung führte Elvira Freifrau von Lindenfels in der St.-Ägidien-Kirche durch die Geschichte des Gebäudes und zeigte die kunsthistorischen Schätze im Innenraum. Die Pfarrei Thumsenreuth gebe es seit 1326, 1547 sei der erste evangelische Gottesdienst unter dem damaligen Besitzer Christoph Nothafft von Weissenstein gefeiert worden. Aus dieser Zeit habe sich das Sterbeglöckchen erhalten, die großen Glocken seien 1942 eingeschmolzen und nach dem Krieg neu angeschafft worden. Ein steinernes Epitaph an der Seitenwand im Innenraum zeige Martha von Nothafft, die durch einen Reitunfall zu Tode kam, sowie eine Ansicht von der Schlossanlage mit Kirche im Jahre 1592.

St. Ägidius sei eine Patronatskirche gewesen und auch evangelisch geblieben, da alle späteren wechselnden Besitzer - zuletzt die Familie von Lindenfels - dieser Konfession angehörten. Seit 1652 werde die Kirche von den katholischen Christen mitbenutzt, "dieses sogenannte Simultaneum hat Herzog Christian von der Pfalz in seinem Herrschaftsbereich für 50 Kirchen eingeführt", erklärte Freifrau von Lindenfels. Das heutige Aussehen habe die Kirche in den Jahren 1714 bis 1724 aufgrund der umfangreichen Bautätigkeiten durch Esther Lucia von Lindenfels erhalten. Sie habe auch die Innenausstattung wie Altar und Kanzel beim Auerbacher Bildhauer Johann Michael Doser in Auftrag gegeben. Das Simultaneum sei in Thumsenreuth 1936 mit dem Neubau der katholischen Kirche geendet.

Freifrau von Lindenfels zeigte aus dem Tresor das wertvolle Abendmahlsgerät, insbesondere die Abendmahlskanne, gestiftet 1681 von Eva-Barbara von Lindenfels. Selbst in Regensburg sei so etwas Besonderes kaum zu finden, war die einhellige Meinung.

 

 

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