Thumsenreuth bei Krummennaab
23.06.2025 - 13:43 Uhr
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Neue Glocken der Ägidienkirche beim Schloss in Thumsenreuth geweiht

Die alten Glocken der Ägidienkirche in Thumsenreuth drohten zu zerbrechen. Deshalb läuten im Turm der Kirche im Landkreis Tirschenreuth seit Sonntag neue Glocken.

Die Bronzeglocken stammen aus Klaswipper in Nordrhein-Westfalen. Dass sie umziehen mussten, noch einmal gesegnet und in Dienst gestellt wurden, verdankten sie einer Sorge in Thumsenreuth. Eineinhalb Jahre lang wurden dort zwei der großen Glocken im Turm der Ägidienkirche nicht mehr geläutet. Die Eisenguss-Exemplare drohten auseinanderzubrechen. Ersatz fand man über eine Glockenbörse. Zusammen mit der vorhandenen „Patronatsglocke“ bilden sie nun ein Te-Deum-Motiv.

„Am 10. Mai standen wir auch hier“, erinnerte Pfarrer Manuel Sauer an die Glockeneinholung. „Auch damals standen zwei Glocken vor uns.“ Diese habe man hochgezogen, sie fanden „einen schönen Ort.“ Einen Ehrenplatz an der Ostseite der Ägidienkirche bekamen die ausgedienten Kunstwerke. Für sie hatte Steinmetz Georg Neugirg Granitsockel angefertigt.

Uraufführung am Sonntag

Der Feiertag begann mit einem Festzug, der im Schlossgarten der Familie von Lindenfels startete und dessen Höhepunkt die Glockenweihe war. Begleitet wurde der Kirchgang von Pfarrer Manuel Sauer, seinem evangelischen Amtsbruder Thomas Berthold (Erbendorf/Windischeschenbach) und dem katholischen Seelsorger der Pfarreiengemeinschaft Krummennaab/Premenreuth, Lawrence Michael. Die Familie von Lindenfels, Vereine, Vertreter der Kommunalpolitik und Gläubige reihten sich hinter dem Tragkreuz ein.

„Segne alle, die diese Glocken hören“, betete Pfarrer Sauer und gestand, dass er „nach dem Probeläuten begeistert“ war. Danach bat er um die Uraufführung als Solo-Läuten. Schließlich vereinten sich die Klänge als Te Deum. „Klingt gut und so schön, als wären sie für uns gemacht“, äußerte sich der Pfarrer über das neue Turmgeläut. Für feierliche Momente an der Ägidienkirche sorgte der evangelische Posaunenchor Thumsenreuth-Wildenreuth.

Ohne Mindesthaltbarkeitsdatum

Der Festgottesdienst wurde von den Quersingern, den Chordamen aus Krummennaab, begleitet. „Es kommt nicht oft vor, dass Thumsenreuth eine Glockenweihe feiern kann“, sagte Pfarrer Sauer in der Kirche. Die neuen Glocken seien „für die Dauer geschaffen“ und hätten „kein Mindesthaltbarkeitsdatum.“ Dass viele Leute gekommen seien, „ist nicht selbstverständlich“. In zweifacher Hinsicht sprach er von einem Geschenk. Weil nämlich die Wartezeit kürzer war, als man gedacht hatte und weil durch das Spendenaufkommen die Kosten auf Null gedrückt werden konnten. Sich von Glocken unterbrechen zu lassen, sei heilsam, die Totenglocke erinnere an Menschen „die von uns gegangen sind“.

Zu den Glocken gratulierte der Spender aus Wolfsburg, Christian Schulz. Grußworte sprachen Krummennaabs zweiter Bürgermeister Herbert Mattes und Pfarrer Lawrence Michael. Als Zeichen des dörflichen Miteinanders wurde mit einem Sektempfang gefeiert, danach ging die Feier unter schattenspendenden Bäumen weiter.

Hohes Spendenaufkommen

Die Bronzeglocken kosteten 14.500 Euro und sind ein Geschenk von Christian Schulz, einem Mitglied der Familie von Lindenfels. Die Umbaukosten des Glockengestühls übernahm die Gustav-Siegle-Stiftung. Die Rechnung für die Ertüchtigung der Glockenturmelektrik wurde durch private Spenden und von der Volksbank-Raiffeisenbank Nordoberpfalz gedeckt. Die Sockel stiftete Steinmetz Neugirg. Die Pflasterarbeiten übernahmen die Familien Zahn und Merkl aus Thumsenreuth beziehungsweise Trautenberg. Zudem flossen Einzelspenden zur freien Verfügung beim Glockenprojekt.

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Thumsenreuth bei Krummennaab08.05.2025
Hintergrund:

Die vier Glocken der evangelischen Ägidienkirche in Thumsenreuth

  • Glocke 1 - Gussjahr 1966: Die in der Tonart „a“ gestimmte Glocke ist die größte und Teil des großen Geläuts. Das Kunstwerk stammt aus der Gemeinde Klaswipper und hat einen Durchmesser von 90 Zentimeter und ein Gewicht von 420 Kilogramm. Die Inschrift auf dem Glockenmantel lautet: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens“ (Joh. 6,68). Stifter ist Christian Schulz.
  • Glocke 2 - Gussjahr 1966: Sie ist in der Tonart „c“ gestimmt und die zweitgrößte im Turm. Die Glocke ist Teil des großen Geläuts. Das Kunstwerk stammt aus Klaswipper und hat einen Durchmesser von 79 Zentimeter und ein Gewicht von 310 Kilogramm. Die Inschrift auf dem Glockenmantel lautet: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“ (Jer. 22,29). Stifter ist Christian Schulz.
  • Glocke 3 - Gussjahr 1962: Die Patronatsglocke und drittgrößte im Turm ist in der Tonart „d“ gestimmt. Das Kunstwerk hat einen Durchmesser von 71 Zentimeter und ein Gewicht von 262 Kilogramm. Die Inschrift auf dem Glockenmantel lautet: „Betet stets in allen Anliegen.“ Darunter befindet sich das Lindenfels’sche Wappen mit Helmzier. Die Viertelstunden werden mit einem Hammer angeschlagen. Stifter war seinerzeit die Familie von Lindenfels.
  • Glocke 4 - gegossen vor über 550 Jahren: Die kleinste Glocke ist in der Tonart „b“ gestimmt und wird „Nothaft-Glöcklein“ genannt. Auf dem Totenglöcklein gibt es keine Inschrift, lediglich ein gotisches Bandfries. Sie hat einen Durchmesser von 46 Zentimeter und ein Gewicht von 25 Kilogramm.
  • Die Glocken 1 bis 3 bilden das große Geläut, ein Te-Deum-Motiv.
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