Dem guten Zweck verfallen

Ein Kreuzbandriss stoppt seine Karriere als Fußballer. Aber als Fan ist Gerd Thill nicht zu stoppen. Erst recht nicht, als er eine Entdeckung macht: Mit Hilfe guter Kontakte lässt sich dabei für andere ein Quäntchen Glück abzweigen.

Ein Leben für den Fußball und den guten Zweck: Gerd Thill schwelgt gern in Erinnerungen an die Zeiten, als er mit Fußball, guten Kontakten und Engagement viel bewegen konnte für bedürftige Menschen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

(bl) Seit 50 Jahren organisiert Gerd Thill Benefizveranstaltungen, die alle eines gemeinsam haben: den Sport. Vor allem seine Leidenschaft für den Fußball, speziell für Rot-Weiß Essen (RWE), kombiniert er mit sozialem Engagement. Mit seiner Begeisterung holt er Profis in die Provinz, hilft Fanclubs gründen und verliert dabei nie den guten Zweck aus den Augen. Er steckt dabei nicht nur sein Umfeld im Schwarzwald an, wo er einen Mineralienhandel betreibt. Auch in der Umgebung seines Ferienhauses in Kagern (Gemeinde Tiefenbach) hinterlässt er Spuren, beispielsweise als er in Schönsee Pate steht bei der Gründung eines RWE-Fanclubs oder mit Profis aus Essen 1986 ein Benefizspiel in Niedermurach auf die Beine stellt.

Bei Bundeswehr gelernt

"Eigentlich hab ich das bei der Bundeswehr gelernt", erzählt der 77-Jährige, der als Fallschirmjäger in der "Millitär-Mannschaft" selbst zum ersten Mal ein Benefiz-Spiel bestritten hat. Vor allem aber sind es seine Kontakte zu Funktionären und Spielern, die ihn dazu bringen, selbst das Ruder zu ergreifen. Schon 1962 lernt er den Geschäftsführer von Rot-Weiß Essen kennen. Von da ist es nicht mehr weit, bis er mit dem DB-Super-Cup Schlagzeilen macht, zusammen mit Bernd Feldmann, dem damaligen Marketingleiter der Bahn. "50 Turniere, 1000 Teams, 10 000 Akteure", schwärmt Thill, "das größte Fußballturnier der Welt" und deutet auf das Titelbild des Sportmagazins "Kicker" von 1990.

Aber der RWE-Fan mischt auch bei vielen anderen Veranstaltungen mit, vom Schwarzwald-Cup für Freizeitteams bis zum Super-Cup für Schulmannschaften. Statt eines Pokals gibt es dann nicht selten Edelsteine aus dem Mineralienhandel als Preis. Auf den Fotos neben den glücklichen Siegern stehen stattliche Drusen (Steine, deren Hohlraum mit Kristallen gefüllt ist). Ganze Ordner voll mit Berichten über solche Höhepunkte hat der 77-Jährige mit auf seinen Alterssitz in der Oberpfalz gebracht. Säuberlich dokumentiert ist, wer von den Spielen profitierte: gemeinnützige Werkstätten, Diakonie, Selbsthilfevereine, Fördervereine für Körperbehinderte, Caritas und Heilpädagogische Zentren, manche hatten schon fast ein "Abonnement" auf die Spenden, die bei den Benefiz-Sportveranstaltungen eingingen.

"Sehen Sie, hier spielen die Kinder gerade mit Sachen, die von dem Geld angeschafft wurden", sagt der 77-Jährige und zeigt auf ein Foto, das die Kleinen mit einer hölzernen Eisenbahn zeigt. "Man hat ja auch so viel zurück gekriegt". Andere Bilder zeigen ihn selbst neben bewunderten Profis und hochrangigen Funktionären oder Politikern. Irgendwann hat er gemerkt, was noch schöner ist als das Organisieren oder das Zuschauen bei Fußballspielen. "Das schönste war die Scheckübergabe", überlegt der gelernte Steinbildhauer, der in mancher Pressemeldung auch als "Rot-weißer Missionar" betitelt wurde. Fußball ist das "Mittel zum Zweck" geworden, "weil da das Interesse am größten ist, da bekommt man eher Sponsoren".

Weltkulturerbe angepeilt

Mitgerissen von der Lawine der Wohltätigkeit, macht Thill auch im Alter weiter mit der Kombination aus Sport und gutem Zweck. Vor zwei Jahren liefen in den Landkreisen Schwandorf und Cham bei ihm die Fäden für den "Bolzplatz-Kick der Generationen" zusammen, heuer musste er krankheitsbedingt pausieren. "Ich bin froh, dass ich jetzt wieder fit bin", sagt der 77-Jährige, der für "50 Jahre Benefizveranstaltungen" keine große Jubiläumsfeier plant. Nur dazu, dass der Bolzplatz-Kick mal Weltkulturerbe wird, dazu würde er schon noch gerne sein Scherflein beitragen.

Ein Foto aus dem Jahr 1983 zeigt die Fördergemeinschaft, die zum Fanclub für Rot-Weiß Essen werden sollte Vorsitzender war der Niedermuracher Bürgermeister Rainer Eiser (rechts). Im Hintergrund Gerd Thill (Zweiter von rechts), der für das Projekt Feuer und Flamme war.

Man hat ja auch so viel zurück gekriegt, wenn man Geld für Kinder oder behinderte Menschen gespendet hat.

Gerd Thill

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