Waldbesitzer: Mit zwei blauen Augen durchs Jahr geschlittert

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Leicht war das Jahr mit Corona, niedrigen Holzpreisen und dem Borkenkäfern nicht für Waldbesitzer. Doch Alfons Vogl, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Neunburg-Oberviechtach, sieht Hoffnung. Er erklärt zudem, wo er Probleme sieht.

Alfons Vogl, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Neunburg vorm Wald/ Oberviechtach (WBV) vor seiner Geschäftstelle in Tiefenbach. Neben ihm steht das Schild, das zeigt, dass die WBV für nachhaltige Waldwirtschaft zertifiziert ist.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Bei Alfons Vogl steht das Telefon derzeit nicht still. Auch nicht am Wochenende. Er ist Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Neunburg-Oberviechtach (WBV) und damit für rund 2100 Mitglieder zuständig. Diese haben gerade die Möglichkeit, nach dem Windhundprinzip eine Waldprämie von den 500 Millionen Euro, die seit November im Corona-Konjunkturpaket "Wald & Holz" zu Verfügung stehen, zu erhalten. Vogl: "Als Waldbesitzer kann man da circa 100 Euro pro Hektar bekommen. Voraussetzung ist, dass er nach bestimmten Kriterien bewirtschaftet und kontrolliert wird." Den Nachweis dafür gibt es für die Waldbesitzer bei Vogl und der WBV. "Die Bewirtschaftungsart muss ich über die Zertifizierung nachweisen. Die meisten Waldbesitzer sind über die WBV zertifiziert", sagt er. Bislang sei die Zertifizierung nicht besonders gefragt gewesen. "Jetzt laufen die Telefone heiß". Für Waldbesitzer bestehe aber kein Grund zur Panik. Vogl ist überzeugt, dass das Geld reicht.

Etwas glimpflicher als erwartet

Ganz dick im Geschäft sind Waldbesitzer derzeit nicht. Das Konjunkturpaket sei unter anderem beschlossen worden, weil die Lage im Juni noch äußerst prekär gewesen sei und die Wälder noch sehr unter den Trockenschäden der vergangen Jahre gelitten hätten. Vogl: "Im Frühjahr war es noch ziemlich trocken. Da sah es so aus, als ob es heuer wieder katastrophal würde. an vielen Stellen war es das auch." Die Corona-Pandemie tat ihr Übriges. Vogl: "Der Absatz aus dem Papierholzwerk ist zusammengebrochen." Mit dem Schnittholz sei es zumindest um die Zeit der ersten Corona-Ausgangsbeschränkungen schwierig gewesen. Doch ganz so schlimm wie befürchtet kam es zumindest für die Neunburger und Oberviechtacher Waldbesitzer nicht. "Das hat sich im Laufe des Sommers wieder ein wenig erholt", sagt Vogl. Niederschläge in der Region hätten den Wäldern gutgetan. Schadholz ist nach wie vor ein Thema. Vogl: "Die Sägewerke wobei verarbeiten nach wie vor viel Schadholz aus dem Norden und dem Osten." Allerdings sei der Preis für den Festmeter Frischholz wieder in die Höhe gegangen. Waldbesitzer bekommen laut Vogl derzeit für ihre Fichte um die 70 Euro und für Kiefern zwischen 50 und 60 Euro.

"Der Preis ist aber sehr unterschiedlich. Im Süden bekommt man mehr, im Norden weniger", weiß der WBV-Geschäftsführer. Die Stimmung der Waldbesitzer über die Sommermonate hinweg beschreibt er als teilweise sehr resigniert. "Da war der Preis auf 30 Euro unten, die Kiefern sind abgestorben, viele hatten noch Schadholz. Corona war und der Markt ist zusammengebrochen."

Im Sommer hätten Waldbesitzer für einen Festmeter Rundholz nur mehr 25 Euro bekommen. "Das ist bitter", kommentiert Vogl. Bei Aufarbeitungskosten von etwa 20 Euro, eventuellen Löhnen und anderen Ausgaben komme man bei "plus minus Null" raus. "Dann ist mein Wald weg und ich habe nichts davon", sagt Vogl.

Preis schwankt extrem

Der Großteil der Waldbesitzer in der WBV Neunburg-Oberviechtach hat seinen Haupterwerb nicht in der Holzvermarktung. "Ein paar einzelne gibt es aber schon. Die trifft es noch härter, weil sie ihre Fix- und Personalkosten haben", berichtet Vogl.

Auf ihrem Holz sitzengeblieben sind die Waldbesitzer aber dennoch nicht. "Das ist aber natürlich eine Preisfrage", sagt der Holzexperte. "Losbekommen haben die Leute ihr Holz immer. Aber wenn der Preis so in den Keller rasselt, ist das natürlich hart". Besonders beschädigt sei derzeit aber die Industrieholz-Branche. "Es ist viel billiges Schadholz geschnitten worden, das aus Tschechien und Norddeutschland mit dem Zug zu uns kommt", erläutert der WBV-Geschäftsführer. "Das hat den Markt so richtig vollgestopft." Auch dass die Baumärkte im Frühjahr geschlossen waren, habe auf den Preis gedrückt.

Bessere Hölzer hingegen bekommen die Waldbesitzer gut los. "Die qualitativ hochwertigeren Sortimente haben sich besser gehalten." Bei den Unternehmern habe sich allerdings eine Art "Goldgräberstimmung" wegen des vielen billigen Holzes breitgemacht. "Manche sind in andere Schadholzregionen abgewandert, wo gleich ein ganzer Berg braun wird und sie beim Schadholz in die Vollen greifen können", weiß Vogl. Weil es den Wäldern der WBV derzeit relativ gut gehe, sei das Geschäft mit ihrem Holz für manche Unternehmer wenig lukrativ gewesen.

Der Export nach Amerika habe geboomt. "Teilweise wollten manche gar nicht mehr für den deutschen Markt produzieren", sagt Alfons Vogl. Für kleine Handwerker habe das zu Problemen geführt. "Wir sind teilweise vor der paradoxen Situation gestanden, dass die einheimischen Zimmerleute kein hochwertiges Holz für ihre Arbeit bekommen haben", erklärt Vogl. Die Sägewerke hätten gemerkt, dass sie im Ausland mit schlechtem Holz mehr Geld verdienen können, als mit kleineren Aufträgen für hochwertiges Holz im Inland.

Forstbetrieb Burglengenfeld konserviert Holz im Nasslager

Schwandorf

Waldumbau ist Experimentieren

Auch wenn der späte Sommer heuer dafür sorgte, dass sich die Wälder in der Region etwas erholen konnten, ist der Waldumbau anlässlich des Klimawandels dennoch ein Thema, das laut Vogl lange zuvor geplant sein muss. "Leider weiß keiner genau, wie es werden wird. Eine allumfängliche Lösung haben wir nicht. Wir müssen weiter experimentieren", sagt er. Dass es in der Region eines Tages ein mediterranes Klima geben werde, könne nicht sein. "Das bleibt kontinental", zeigt sich Vogl überzeugt. Dementsprechend müsse man sich auch Gedanken machen, welche Bäume man pflanzen könne.

Da war der Preis auf 30 Euro unten, die Kiefern sind abgestorben, viele hatten noch Schadholz. Corona war, und der Markt ist zusammengebrochen.“

Alfons Vogl, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Neunburg-Oberviechtach über ein durchwachsenes Jahr

Info:

Mehr über die Waldbesitzervereinigung Neunburg-Oberviechtach

  • Die Waldbesitzervereinigung Neunburg vorm Wald/ Oberviechtach (WBV) hat derzeit rund 2100 Mitglieder.
  • Zusammengenommen überspannt die WVB den gesamten östlichen Landkreis Schwandorf sowie die angrenzenden Gemeinden.
  • Die WBV hat rund 13500 Hektar Waldfläche, die die sogenannte „PEFC“-Zertifikation haben. Diese steht für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder.
  • Derzeit kümmern sich zwei Vollzeit- sowie zwei Teilzeitkräfte, ein Minijober und ein Praktikant um die Belange der WBV.
  • Ehrenamtlich gibt es bei der WBV ein fünfköpfiges Vorstandsteam.

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