20.07.2018 - 13:44 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

150 Jahre Feuerwehr auf 110-Seiten

Seit 1869 gibt es die Freiwillige Feuerwehr in Tirschenreuth. Die Geschichte des Vereins ist eng verknüpft mit der Historie der Stadt. In der neuen Festschrift sind viele unvergessliche Momente der vergangen 150 Jahre zusammengefasst.

Die Mitglieder der Tirschenreuther Feuerwehr präsentierten die neue Festschrift zum 150-jährigen Jubiläum.
von Lucia SeebauerProfil

Viele Einsätze, Erlebnisse und Kameradschaft stecken in der neuen Festschrift. Es war gar nicht so einfach 150 Jahre in einem Werk unterzubringen. Ein Team von fünf Leuten kümmerte sich um den Entwurf, die Erstellung und das Layout. "Sie ist in DIN-A4-Format auf 110 Seiten gedruckt und kommt sogar ohne Reklame aus", meint der Hauptverantwortliche Rudolf Schmidt.

Illustriert mit unzähligen Bildern erzählt die Schrift die Vergangenheit und Gegenwart der Feuerwehr Tirschenreuth und versucht sogar schon einen Blick in die Zukunft zu werfen. Gegründet wurde der Verein auf Erlass der königlichen Regierung der Oberpfalz. Ein Schreiben forderte die damaligen Bezirksämter auf: "Es möge Sorge getragen werden, umgehend in allen Städten, Märkten und größeren Dörfern, Löschvereine oder Freiwillige Feuerwehren zu gründen." Am 30. Mai 1869 trugen sich bei einer Gründungsversammlung im Rathaus 18 Verwaltungsräte sowie 55 Männer der Stadt für den freiwilligen Löschdienst ein.

Erste Motorisierung

Mit den Jahren wuchs die Feuerwehr an Mannschaftsmitgliedern und Ausrüstung. Bis 1913 zählten 154 Mitglieder zum Verein. Aus der Zeit des Ersten Weltkrieges sind keine Aufzeichnungen vorhanden, da der Großteil der Männer eingezogen wurde. So herrschte im Vereinsleben Stillstand, bis der Krieg zu Ende war. 1926 bekam die Wehr erstmals motorisierte Fahrzeuge. Die Stadt besorgte eine Motorspritze, die auf zwei Rädern montiert war. "Zudem kaufte man der Post ein Auto ab, dass als Mannschaftsfahrzeug diente", erklärt der stellvertretende Jugendwart Stefan Bäuml. Auf diese Weise konnten Männer, Schläuche und Spritze transportiert werden.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Feuerwehrwesen durch die NS-Regierung stark normiert und zentralisiert. "Nach den Bombenangriffen in den größeren Städten halfen Tirschenreuther bei der Behebung der Schäden in Nürnberg mit", sagt Bäumler. Noch heute arbeiten die Feuerwehren überregional zusammen. "2006 haben wir in München zur Absicherung der Fußball-WM beim Aufbau einer Kontaminierungsstelle geholfen", betont Bäumler. Die Kriegsniederlage brachte jedoch auch ein kurzes Ende der Wehr mit sich. Die amerikanischen Besatzer lösten den Verein auf, verbrannten Uniformen und beschlagnahmten das Löschfahrzeug.

Wandel der Zeit

Doch schnell erkannte man: Ohne Feuerwehr geht es nicht mehr. Schon ein Jahr später wurde im Auftrag der Militärregierung eine neue Wehr auf die Beine gestellt. Stark daran beteiligt war der Ehrenkommandant Wenzel Kastl. Er kümmerte sich um eine neue Ausrüstung und warb Nachwuchs an. Bis 1958 befand sich das erste Feuerwehrgerätehaus noch hinter dem Rathaus. Erst 1964 kam es an seinem heutigen Platz im Lengenfelder Weg 2. Noch dieses Jahr soll der Umzug ins neue Gerätehaus die Mitterteicher Straße erfolgen.

Seit der Gründung hat sich viel geändert. "Früher zählten vor allem die Brände, heute kümmern wir uns um alles Mögliche", meinte Bäuml. So gehören heute Hochwassereinsätze, Katastrophenschutz, Autounfälle oder Öffentlichkeitsarbeit zum Aufgabenspektrum. Auch die Alarmierung wandelte sich im Laufe der Zeit. Waren es früher Trommeln, Rufhörner oder Kirchenglocken, so gibt es heute Funktelefone und automatische Brandmeldeanlagen, um über das Feuer zu benachrichtigen. Zahlreiche Einsätze bewältige die Feuerwehr seit ihrer Gründung. Unvergessen bleibt der Kirchturmbrand von 1972, der Brand des ehemaligen Möbelhaus Gleißner am unteren Marktplatz 1989 oder die Rettung zweier Bauarbeiter, die 2011 in Grün unter einem Kettenbagger eingeklemmt waren.

Die Feuerwehr ist eng mit der Stadt verbunden und beteiligt sich an gemeinsamen Aktionen. So gestaltete die Feuerwehr den Blaulichttag 2013 auf der Gartenschau. Hier stellte der Verein verschiedene Fahrzeuge vor, präsentierte die Arbeit der Wehr mit einigen Vorführungen und kümmerte sich um die Sicherheit. Die Atemschutzradtour 2016 durch das Stadtgebiet sorgte sogar für internationale Aufmerksamkeit. "Wir stellten ein Video davon ins Netz. In kurzer Zeit erreichten wir 270 000 Nutzer und bekamen Kommentare und Likes aus Venezuela, den USA, Thailand oder Neuseeland", berichtete Pressebeauftragter Johannes Werner.

Neben dem Vergangenen ist ein Kapitel der Festschrift den aktuellen Mitgliedern, der vom Verein verwendeten Technik und schließlich auch dem Nachwuchs gewidmet. Im Zuge des 150-Jahre-Festes soll die Festschrift an die Stadt überreicht werden. Auch auf dem Fest Mitte August können Interessierte die neue Festschrift kaufen.


Im Jahr 1873 traf sich die Tirschenreuther Feuerwehr zu einer gemeinsamen Übung am Marktplatz. Mit im Gepäck hatten sie eine Pumpmaschine, eine ausziehbare Leiter und eine große Menge an Löscheimern.

Dieses Bild von 1932 zeigt das erste motorisierte Fahrzeug der Feuerwehr Tirschenreuth. Mit einem ehemaligen Postauto konnte Mannschaft und Ausrüstung transportiert werden.

Mit der Zeit sind das Aufgabenspektrum und die technischen Möglichkeiten gewachsen. Heute ist es normal das Feuerwehren interkommunal oder überregional zusammenarbeiten. 2007 halfen sich die Feuerwehren Tirschenreuth und Mitterteich bei einem Verkehrsunfall.

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