21.11.2019 - 12:07 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Abenteuer Kirchenmusik

Seit September ist Kornelia Cichon die neue Kirchenmusikerin der Kreisstadt. Durch Zufall landete die gebürtige Polin in Tirschenreuth - rund 500 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt.

Kirchenmusikerin Kornelia Cichon an ihrem „neuen Arbeitsplatz“ in der Stadtpfarrkirche.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Geboren und aufgewachsen ist Kornelia Cichon, die neue Tirschenreuther Kirchenmusikerin, in einem kleinen Ort in Polen. Ostroznica liegt nahe der tschechischen Grenze, etwa 100 Kilometer südöstlich von Breslau. Bereits als sie sechs Jahre alt war, begann ihr Kirchenmusik-Abenteuer. Sie lernte Klavier an einer Musikschule und sang im Mädchenchor der Kirche. Mit 12 Jahren begleitete sie den Kirchenchor bereits an der Orgel. Die Leitung des Mädchenchores hatte die heute 26-Jährige bis zum Sommer 2019 zehn Jahre lang inne. In ihrer polnischen Pfarrgemeinde engagierte sie sich als Lektorin und Kantorin. Die Kirche und das Engagement in der Pfarrei war ein fester Bestandteil ihrer Kindheit und Jugend.

Die junge Frau ist wesentlich jünger als ihre beiden Brüder, die bereits ihre eigene Familie haben. Ihre Eltern betreiben eine Landwirtschaft. Zwei Onkeln sind Pfarrer, zwei Tanten Nonnen. So entwickelte sich die Kirchenmusik zu ihrer Nische. "Die Musik ist für mich ein Bereich, wo ich mich total öffnen kann."

"Die schönste Zeit"

Cichon besuchte nach der Musikschule fünf Jahre lang eine Kirchenmusikschule in Oppeln, 70 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt. Dort lernte die 26-Jährige das Orgelspiel, Dirigieren, Liturgik, Musikgeschichte und Harmonielehre. Auch während des Studiums engagiert sie sich in ihrer Pfarrgemeinde, organisiert Orgelkonzerte und gestaltet mit dem Mädchenchor Messen.

Nach dem Abitur studierte sie Musikwissenschaften mit Schwerpunkt Kirchenmusik, ebenfalls in Oppeln. Dort gestalteten die Studenten die Messen im Priesterseminar. Zusätzlich absolvierte die Musikerin auch Praktika an verschiedenen Schulen und gab dort Musikunterricht. Anschließend begann die musikalische junge Frau 2015 in Regensburg ihr Kirchenmusikstudium. Ihre schlesischen Großeltern sprachen mit ihrer Enkelin oft Deutsch, weshalb die Sprache keine große Hürde war. "Die vier Jahre in Regensburg waren die schönste Zeit für mich", sagt sie. Dort habe sie Freunde gefunden, die die gleichen Werte, Hobbies und Interessen haben. "Ich habe mich nicht nur musikalisch, sondern auch persönlich sehr weiter entwickelt."

Wenige Meter zur Arbeitsstelle

"Ich habe mir viele Gedanken gemacht, ob ich nach dem Studium zurück nach Polen will." Letztendlich entschied sich Cichon für die Oberpfalz. Weil sie in Regensburg einen tollen Freundeskreis hat, suchte sie nach einer Arbeitsstelle in der Nähe. Diözesanmusikdirektor Dr. Christian Dostal machte die 26-Jährige auf eine Stelle in der Kreisstadt aufmerksam. Die Ausschreibung war gerade einen Tag alt. Cichon rief sofort an. Nach wenigen Gesprächen im Sommer folgte die Zusage. Seit September ist die neue Tirschenreuther Kirchenmusikerin im Amt. Untergebracht ist sie im Mesnerhaus, oberhalb der Caritas-Räume. Zu ihrer Arbeitsstelle hat sie nur wenige Meter.

"Ich fühle mich hier in Tirschenreuth sehr wohl", sagt sie. "Ich freue mich, eine Pfarrei gefunden zu haben, wo ich meinen Weg weiter gehen darf und neue Erfahrungen sammeln kann." Die 26-Jährige will sich aber noch mehr einbringen und unter die Leute. "Ich brauche immer eine Beschäftigung." Ehrenamtlich engagiert sie sich deshalb beim Elisabethen-Verein.

Zusätzlich zum Berufsstart fing Cichon einen Masterstudiengang mit Schwerpunkt Kirchenmusik an. "Die Uni in Oppeln hat jetzt den Master geöffnet", sagt sie. Sie absolviert diesen als Fernstudium an der Partner-Uni in Regensburg und erhält dort montags und dienstags Orgelunterricht. Ihre Arbeit kann sie sich weitestgehend selbst einteilen, abgesehen von den festen Terminen bei Proben und Messen. Dabei sucht sie Stücke aus, die zur Lesung passen. Gerne welche, die sie noch nicht kennt. So lernt die Musikerin neue Stücke kennen und lernt vieles über den Komponisten.

Vier Instrumente

"Mit reden kommt man weiter", betont die Kirchenmusikerin. Sie muss sich auf das Volk einstellen, und umgekehrt. Deshalb bespricht sie sich viel mit Stadtpfarrer Georg Flierl, den Gottesdienstbesuchern und Chormitgliedern, wie die Stücke gefallen, ob schneller oder langsamer.

Neben dem Orgelspielen und dem Singen, spielt die 26-Jährige auch Klavier, Gitarre und ein bisschen Saxofon. "Ich bin eher der klassische Typ", sagt die junge Frau über sich selbst. Sie hört gerne Stücke aus Klassik, Romantik oder Barock und sehr viel Chormusik. "Kein Solo-Gesang, das geht mir irgendwie auf die Nerven."

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