Update 26.06.2018 - 18:14 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Die Ära der Mallersdorfer Schwestern ist zu Ende

Gelebte Nächstenliebe, geprägt von der Nähe zum Schöpfer: Die Mallersdorfer Schwestern haben diese Werte viele Jahre in der Kreisstadt vorgelebt. Nun ist die Ära vorbei.

von Werner RoblProfil

(wro) Der Orden gab aufgrund von Nachwuchsmangel den Standort Tirschenreuth auf. Am Sonntag verabschiedete die Pfarrgemeinde die Schwestern. "Es bedarf keiner prophetischen Befähigung, um vorauszusagen, dass die Pfarrgemeinde und die Stadt die Schwestern vermissen werden", bedauerte Stadtpfarrer Georg Flierl den Weggang von Schwester Adelgund, Loreta, Simona, Clarena und Helmtraud.

Jahrzehntelang wirkten sie mit einer kleinen Unterbrechung und geprägt vom Leben des heiligen Franziskus in der Kreisstadt. Mit dem Festgottesdienst in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und einem im großen Pfarrsaal anberaumten Abschiedstreffen fand die segensreiche Zeit ein Ende. Es waren bewegende Augenblicke für viele Gläubige. Erstmals war in Tirschenreuth die Anna-Schäffer-Messe ("Missa in honorem Sanctae Annae Schäffer") zu hören. Regionaldekan Flierl, der von Kaplan Paul Gebendorfer, dem in Kenia tätigen Pater Paul Chummar und Pater Helmut Stadermann von Sankt Peter am Altar unterstützt wurde, bekannte: "Die Hand Gottes ist mit uns." Davon müsse man sich leiten lassen.

Dreh- und Angelpunkt

Der Abschied sei auch ein guter Anlass, sich für vielfältigen Dienst zu bedanken, fügte er hinzu. "Die Nächstenliebe war im nahen Kloster immer erfahrbar. Spürbar war dies aber auch in der Gastfreundschaft, die die Schwestern dort pflegten." Als einen Dreh- und Angelpunkt des Glaubens bezeichnete er die "Herzmitte", die in der Gemeinschaft spürbar gewesen sei. "Die Lücke wird schwer zu füllen sein", bedauerte er zugleich auch das künftige Fehlen der betenden Nonnen in der Kapelle. "Lassen wir uns von der beispielhaften Liebe der Mallersdorfer Schwestern anspornen", empfahl Flierl und fasste zusammen: "Wir werden sie schmerzlich vermissen." Der Seelsorger ergänzte: "Vergelt's Gott, möge er euch für den Dienst belohnen."

Eine bunte Kindergartentasche, Verbandsmaterial, dazu eine Stola, das Bild der betenden Hände Dürers, ein Messbuch und ein Rosenkranz wurden als symbolische Gaben zum Altar getragen. Sie waren zusammen mit dem mitgebrachten Franziskuskreuz greifbare Erinnerungen. Anklingen ließ man damit die Arbeit im Kindergarten, auch die in der Pfarrei. Als Zeichen ihrer Gastfreundschaft wurden eine Kaffeetasse, Brot und Mallerdorfer Bier hinzugefügt.

"Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern", zitierte Pfarrgemeinderatssprecherin Edith Schön ein afrikanisches Sprichwort. "In mühevoller Kleinarbeit wurde vieles geschaffen", erinnerte sie besonders auch an das Wirken im Elisabethenverein.

"Mit Herz und Humor bereitete man die Buben und Mädchen auf das Leben vor", schaute die Sprecherin zudem auch in die Räume des katholischen Kinderhauses und schloss: "Vergelt's Gott für euer Engagement." Draußen warteten bereits die Kleinen vom Kinderhaus "Unsere Liebe Frau". Sie hatten ein Lied einstudiert, das sie unter der Leitung von Monika Zeitler vortrugen.

Bürgermeister Franz Stahl hatte Bildbände mitgebracht: "Ich hoffe, dass ihr nach dem Anschauen enorm viel Heimweh bekommen werdet." Die Mallersdorfer Schwestern seien ein Teil der Stadt gewesen, hätten das Bild von Tirschenreuth mitgestaltet.

Worte des Trostes

"Vergelt's Gott für den Einsatz", sagte auch die Vertreterin aus dem Mutterhaus, Schwester Melanie. Jedes Ende habe aber einen Anfang, tröstete die Sprecherin. Die letzten Worte waren den scheidenden Schwestern selber vorbehalten. SR Clarena meinte: "Wir wurden gut aufgenommen. Das hat uns gut getan." Clarena schloss: "Möge Gottes Segen immer mit euch und wir mit euch im Gebet verbunden sein."

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