05.04.2020 - 15:11 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

"Aktion Feuerkinder": Mehr Patienten als je zuvor

Der 32. Einsatz des Operations-Teams von Dr. Annemarie Schraml aus Waldsassen für die Aktion "Feuerkinder" war wieder gespickt mit einigen Überraschungen.

Der 32. Einsatz des Operations-Teams von Dr. Annemarie Schraml aus Waldsassen für die Aktion "Feuerkinder" war wieder gespickt mit einigen Überraschungen.

Treffpunkt der Akteure war der Flughafen Shipol in Amsterdam. Fachärzte und Professoren aus München, Nürnberg, Schwabach und Fulda wurden unterstützt von Helfern aus Altdorf, Rummelsberg und Traunstein, Erlangen und vielen anderen Orten. OP-Schwestern, Anästhesiepfleger und Orthopädiemeister verstärkten das Team.

"Am ersten Tag am Einsatzort kamen mehr Patienten als je zuvor, allein 176 schon bei der Voruntersuchung", berichtete die Ärztin über den Einsatz im Februar. 45 Kinder und Jugendliche waren wegen schwerster Klumpfüße schon seit Wochen vorbehandelt. Gerade aus dem Süden Tansanias, aus bis zu 2000 Kilometer Entfernung, kamen viele Kinder aus äußerst armen Verhältnissen.

Operationen in zwei Gruppen

Es wurde in zwei Gruppen operiert. So konnten während der beiden Einsatzwochen 109 Operationen durchgeführt werden, dennoch mussten etliche Patienten auf die nächsten Einsätze vertröstet werden. "Die Betten im Krankenhaus wurden knapp."

Das Team erlebte während dieses Einsatzes auch dramatische Ereignisse. Durch die Übernahme der Kosten für die Behandlung in einer großen Klinik konnte das Leben eines jungen Mannes, der Schwager des Anästhesisten Emanuel, gerettet werden. Die Nieren des 24-Jährige hatten wegen Malaria versagt; die Angehörigen hatten kein Geld mehr für die lebensrettende Dialyse. Hätte diese nicht fortgesetzt werden können, wäre der junge Mann verstorben. Zum anderen wurden die Behandlungskosten für ein achtjähriges, sehr armes Mädchen übernommen, dem wegen eines riesigen, spät diagnostizierten Tumors am Kniegelenk ein Bein amputiert werden musste. Ein junger tansanischer Krankenpfleger baute nach seiner Hospitation in Nürnberg 2019 eine eigene Krankenstation nahe seines abgelegenen Heimatdorfes auf. Er wird finanziell unterstützt, weil er strenge Auflagen der tansanischen Regierung erfüllen muss, die er sich selbst nicht leisten könnte. Erfreulich war, dass ein tansanischer Arzt aus Arusha bei Klumpfußoperationen hospitierte, um zu lernen, wie man schwere Fehlstellungen operiert.

Sehr erfreut war das Team, dass der neue Operationstrakt weitgehend fertiggestellt ist. So konnten die einheimischen Anästhesisten in das vorab mit einem Container gesandte Narkosegerät und den dazu erforderlichen Kompressor das Personal einweisen und in der Handhabung schulen. Ein weiterer wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung des Nkoaranga-Hospitals. Ein höchst positives Ereignis war, dass ein Schulfreund von Dr. Schraml, ein Bäckermeister aus Konnersreuth mit einem befreundeten Bäckerehepaar, ins Reha-Center nach Usa River gekommen war, um zusammen mit Kai Küfner, der die Bäckerei aufgebaut hatte, die vor einem Jahr gesandten Bäckereimaschinen zu installieren und in der Bäckerei mitzuarbeiten. Die Bäckerei ist eine wichtige Einnahmequelle für das Behindertenzentrum.

Backwaren bayerischen Ursprungs

So konnte sich das "Feuerkinderteam" beim Frühstück über köstliche Backwaren bayerischen Ursprungs freuen. Und es besteht die Hoffnung, dass durch das verbesserte Angebot und Werbung der Verkauf und so die Einnahmen zur Versorgung behinderter Kinder erhöht werden können.

Sehr erfreulich für die Waldsassener Ärztin war es auch, dass der tansanische Diakon Jonas sich gut in der Dorfarbeit eingearbeitet hat. Er unterstützte und förderte und schon etliche ehemalige Patienten und behinderte Kinder, mit den von den "Feuerkindern" bereitgestellten Geld geht der Diakon sorgfältig um.

Hintergrund:

Nächster Einsatz ist Ende Juni geplant

Da wegen des großen Patientenansturmes mehr medizinische Materialien als vorgesehen verbraucht wurden, mussten zu Hause neue Materialien und Medikamente für den nächsten Einsatz bestellt werden. Die elementaren Bedürfnisse und Nöte der Menschen um den Mount Meru sind unverändert groß, so dass weiterhin um Unterstützung und Spenden gebeten wird. Die Kontoverbindung: Projekt Aktion-Feuerkinder, EB Kassel BIC: GENODEF1EK1, IBAN: DE53 5206 0410 0103 5099 82. Geplant ist ein weiterer Einsatz Ende Juni. Es ist momentan noch ungewiss, ob dies bei fortbestehender und auch jetzt in Tansania angekommener Corona-Krise überhaupt möglich sein wird.

Anästhesist Emmanuel, Robert der Dialysepatient und Dr. Annemarie Schraml (von rechts)
Das "Feuerkinder-Team" kurz vor dem Abflug auf dem Amsterdamer Flughafen. Rechts Dr. Annemarie Schraml, die alles organisiert hatte.
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