24.04.2019 - 12:44 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Anna Toman setzt auf Frauenpower

Anna Toman sitzt seit November 2018 im Landtag. Für die Grünen-Abgeordnete hat sich seitdem einiges verändert. Das merken auch Goldi, Sam und Luna.

Anna Toman mit ihrer Hündin Luna.
von Martin Maier Kontakt Profil

Ohne große politische Erfahrung ist Anna Toman im vergangenen Jahr in den Landtag eingezogen. Die 28-Jährige hat sich mittlerweile eingearbeitet. "Ich fühle mich in München wohl und wurde auch von der Fraktion sehr gut aufgenommen", sagt sie beim Redaktionsgespräch. Zudem bekomme sie von den erfahrenen Parlamentariern immer wieder Hilfe.

Zu den Sitzungswochen reist die Bärnauerin meist am Montagabend mit dem Zug an. In der Nähe des Maximilianeums hat sie eine kleine Wohnung gemietet, die sie über die Landtagsverwaltung bekommen hat. "Das ist wie eine Studentenbude und vollkommen in Ordnung für die zwei, drei Nächte in der Woche." Neben der normalen parlamentarischen Arbeit mit Arbeitskreis-, Ausschuss-, Fraktions- und Plenarsitzungen nehme Toman vor allem noch Termine wahr, bei denen es um die Themen Bildung sowie ländlicher Raum geht. In den sitzungsfreien Wochen sei sie dann sehr viel vor Ort unterwegs.

Wie erhofft, landete die Lehrerin für Realschulen und Mittelschulen im Ausschuss für Bildung und Kultus. "Da wollte ich unbedingt hinein." Da schluckte die schulpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion auch, dass sie noch zusätzlich im Ausschuss für Fragen des öffentlichen Dienstes sitzt. "Der ist nicht so begehrt bei den Abgeordneten. Zudem bedeuten zwei Ausschüsse auch mehr Arbeit", gibt sie zu. Daher habe die Bärnauerin am Anfang Bedenken gehabt. "Mittlerweile fühle ich mich dort aber wirklich wohl. Und das Thema ist auch interessant."

In den ersten Ausschusssitzungen musste sie feststellen, wie festgefahren die Situationen zwischen den Fraktionen sind. "Dass die Debatten im Bildungsausschuss so emotional geführt werden, hat mich überrascht." Oft werde wenig auf Argumente eingegangen: "Es ist einfach immer blöd, was die Opposition einbringt. Insgesamt kann man aber mit allen zusammenarbeiten." Letztendlich liege es an den jeweiligen Personen, ob es zu einer offenen Diskussion kommt.

"Wahnsinnig nervös"

Ihre erste Rede im Landtag hat Toman schon hinter sich. Dabei ging es um den "Einschulungskorridor" (Eltern von Kindern, die zwischen dem 1. Juli und 30. September sechs Jahre alt werden, bekommen eine Wahlmöglichkeit). Die 28-Jährige hat ihren Auftritt als "gut" empfunden. "Ich war wahnsinnig nervös. Aber da es kein strittiges Thema war, hat es mir etwas den Druck genommen." Zudem hätten auch ihre Erfahrungen aus dem Schulunterricht geholfen.

Grundsätzlich schreibe die Bärnauerin ihre Reden selber und übe diese vorher ein. "Denn wenn ich den Faden verliere, weiß ich wenigstens, wohin ich hin will." Sie wolle auf jeden Fall aber noch ein Rhetoriktraining machen, um ihre Ausdrucksweise weiter zu schärfen.

Berührungspunkte mit anderen Abgeordneten aus der Region habe es bisher wenige gegeben. Allerdings habe Tobias Reiß ihr ein Foto geschickt, als sie erstmals am Rednerpult im Landtag stand. Schließlich sitzt der parlamentarische CSU-Geschäftsführer in der ersten Reihe. "Falls es irgendwelche Probleme im Stimmkreis gibt, bin ich mir sicher, dass wir auch gut zusammenarbeiten würden", so Toman.

Mit Stefan Löw von der AfD hatte sie bisher noch keinen großen Kontakt: "Wenn man sich über den Weg läuft, sagt man ,Hallo', und das war es." Bürgeranfragen an sie beziehen sich bisher vor allem auf ihren Fachbereich Bildung. Vor allem Lehrer und Eltern würden sich an sie wenden. Um das ganze Arbeitspensum zu schaffen, halten drei Frauen der Abgeordneten den Rücken frei: Andrea Bäuml, Tina Winklmann und Yvonne Jurisch. Schon kurz nachdem klar war, dass die 28-Jährige in den Landtag einzieht, hatte sie rund 15 Bewerbungen auf dem Tisch. "Das war für mich sehr überraschend."

Nicht viel Freizeit

Die Bärnauerin Bäuml wollte sie unbedingt als Mitarbeiterin haben, "da ich sie kenne". Bei den beiden anderen habe sie sich auf ihr Bauchgefühl verlassen: "Es muss einfach auf der persönlichen Ebene stimmen." Als Zufall bezeichnet es Toman, dass sie nur Frauen eingestellt hat. "Ich wollte eigentlich auch einen Mann dabei haben, aber es hat einfach nicht gepasst."

Für Freizeitaktivitäten bleibt keine große Zeit mehr, auch wenn sie versuche, sich einen Tag in der Woche freizuhalten. Ihre Stute Goldi, das eigene Fohlen Sam und Hündin Luna müssen oft ohne die 28-Jährige auskommen. "Ich komme einfach nicht dazu. Ohne meine Familie müsste ich die Pferde und meinen Hund hergeben." Aber jammern will sie deshalb nicht: "Ich habe gewusst, auf was ich mich einlasse." Als Lehrerin habe sie viel besser planen können. "Da kann ich viel leisten, indem ich in Vorarbeit gehe. Damit kann man sich recht gut Freizeit freischaufeln. Das geht jetzt nicht mehr", bekennt sie.

Hintergrund:

Kreistag als nächstes Ziel

Anna Toman will nächstes Jahr für den Kreistag kandidieren: „Es ist wichtig, dass wir mehr als drei Leute rein bekommen. Da stehe ich gerne zur Verfügung.“ Ihr ursprünglicher Gedanke bei der Kandidatur für den Landtag sei eigentlich gewesen, einen gewissen Bekanntheitsgrad für die Kommunalwahlen zu erreichen. Ob die Grünen einen eigenen Landratskandidaten stellen, könne sie nicht sagen. „Da muss man abwarten, ob sich noch jemand hervortut.“

Innerhalb der Partei habe sie keinerlei Ambitionen. Daher habe sich Toman auch bewusst aus den Kreisverband als Schriftführerin zurückgezogen. „Ich denke, es ist sinnvoller, das ganz klar zu trennen. Mein Ziel ist es nicht, parteipolitisch aufzusteigen.“

Bei der „Grünen“-Politik im Landkreis sieht die Bärnauerin kleine Dinge, die sie gut finde. Allerdings sei der Ausbau der erneuerbaren Energien fast komplett zum Erliegen gekommen, was auch an der Landesregierung liege. Beispielsweise würde sie bei Neubauten eine Photovoltaikanlage zur Pflicht machen und auch auf öffentlichen Gebäuden nachrüsten lassen. Auch sieht sie beim Thema Windkraft Potenzial: „Man muss die Bürger von Anfang an mit ins Boot nehmen. Wenn man sie an den Anlagen beteiligen würde, dann wäre die Akzeptanz viel höher.“ Es müsse ein Miteinander sein, „dann bin ich mir sicher, dass wir auch bei uns noch das ein oder andere Windrad aufstellen könnten“. Beim Verlauf und der Notwendigkeit des Süd-Ost-Links verzichtet sie auf eine klare Positionierung.

Anna Toman ist seit November 2018 Landtagsabgeordnete.
Anna Toman mit ihrer Stute Goldi und ihrem Fohlen Sam.
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